Journal Onkologie
Medizin

Große Nachfrage über Sachsen hinaus

Seit Beginn der Sprechstunde erreichen sie Anfragen von Berlin über Thüringen bis nach Nordbayern. Viele neue Patient:innen brächten zum Ausdruck, wie lange sie auf dieses Angebot der speziellen Nachsorge gewartet hätten, sagt Prof. Gebauer. Der Satz, „Endlich gibt es jemanden, der sich für mich und meine Themen zuständig fühlt“, habe sie von Beginn der Sprechstunde an begleitet. Dabei sei der Begriff der Nachsorge mit Blick auf das, was die „Cancer-Survivorship“-Sprechstunde bietet, nicht optimal, so die Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie weiter, „weil die allermeisten damit eine Krebsnachsorge verbinden: Ist der Tumor zurückgekommen? Gibt es Metastasen? Wir dagegen schauen, wie sich die Erkrankung und deren Behandlung langfristig auf die Gesundheit unserer Patient:innen ausgewirkt hat.“

Spätfolgen zeigen sich oft erst nach Jahrzehnten

Statistisch gesehen zeigen sich die Spätfolgen einer Krebserkrankung oft erst mit großer Verzögerung: Zehn, manchmal auch erst 20 oder 30 Jahre nach Abschluss der Therapie leiden viele ehemalige Patient:innen unter Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen, hormonellen Störungen, chronischen Schmerzen oder neuen Krebserkrankungen, die durch die Behandlung des ursprünglichen Krebses ausgelöst wurden. Nicht zu vergessen, die psychischen Folgen. Um dem entgegenzuwirken bieten Prof. Judith Gebauer und ihr Team, bestehend u.a. aus Kardiolog:innen, Endokrinolog:innen, Onkolog:innen und Psycholog:innen, im Rahmen der „Cancer-Survivorship„-Sprechstunde entsprechende Früherkennungsmaßnahmen an. „Wir schauen insbesondere, ob es zusätzliche Faktoren wie Nikotinkonsum, Übergewicht oder eine beginnende Diabeteserkrankung gibt, die wir adressieren können, um das allgemeine Gesundheitsrisiko der Patient:innen zu reduzieren.“

Langfristiges Ziel: zentrale Survivorship-Ambulanz

Aktuell richtet sich dieses Angebot an Menschen, die erstmals zwischen 0 und 39 Jahren an Krebs erkrankt sind und ihre Therapie vor mindestens fünf Jahren abgeschlossen haben. Diese Gruppe sei besonders relevant, erklärt Gebauer, weil sie die längste Lebenserwartung nach überstandener Krebserkrankung habe. „In Zukunft aber wollen wir die Sprechstunde für alle Survivor öffnen, vorausgesetzt, wir haben die Kapazitäten dafür: räumlich, zeitlich und personell. Denkbar wäre auch eine Kooperation mit niedergelassenen Kolleg:innen, zumindest für die Überlebenden, die weniger von Spätfolgen betroffen sind.“ Ihr langfristiges Ziel aber wäre eine zentrale Survivorship-Ambulanz, in der alle Krebsüberlebenden einmal vorstellig werden – unabhängig von ihrem Alter und ihrer Diagnose.

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Quelle:

Universitätsklinikum Leipzig