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Medizin

30. Juli 2020 Antiemese bei Chemotherapie: Netupitant/Palonosetron auch i.v. verfügbar

Viele Chemotherapie-Patienten leiden unter einer Mucositis und Schluckschwierigkeiten (1). Ihnen fällt es oft schwer, Medikamente oral einzunehmen. Für diese Betroffenen wurde das bewährte Antiemetikum Netupitant/Palonosetron, NEPA, (Akynzeo®) weiterentwickelt. Ab Juli 2020 steht NEPA auch zur intravenösen Anwendung als Infusion für den deutschen Markt zur Verfügung. Die neue Darreichungsform erwies sich als gleich gut wirksam in der Prävention der Chemotherapie-induzierten Nausea und Emesis (CINV) wie die bereits bisher verfügbaren Hartkapseln (2). Das Nebenwirkungsprofil entspricht ebenfalls jenem der Hartkapseln (3). Netupitant und Palonosetron werden in Kombination mit Dexamethason zur Dreifachprophylaxe entsprechend der aktuellen S3-Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen“ als eine der wirksamen Optionen zur Emesisprophylaxe empfohlen (1). NEPA ist zur CINV-Prophylaxe Cisplatin-haltiger hoch (HEC) und moderat emetogener Chemotherapie (MEC) zugelassen (4). 
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Bioäquivalent zur bisher verfügbaren Hartkapsel

Im Gegensatz zu den Hartkapseln enthält die neue Darreichungsform zur Infusion Fosnetupitant. Hierbei handelt es sich um eine Vorstufe (Prodrug) von Netupitant, welche nach intravenöser Applikation zu Netupitant umgewandelt wird (4). NEPA i.v. ist bioäquivalent zu den bereits verfügbaren Hartkapseln (4). Die Infusion wird einmalig 30 Minuten vor der Chemotherapie verabreicht (4). NEPA ist die erste und bisher einzige Fixkombination aus dem Neurokinin-1-Rezeptorantagonisten (NK1-RA) Netupitant und dem 5HT3-Rezeptorantagonisten Palonosetron (4, 5).

Auch als Infusion gut verträglich und wirksam

Die Ergebnisse einer Phase-III-Studie mit 404 Chemotherapie-naiven Patienten und soliden Tumoren zeigen ein mit der Hartkapsel vergleichbares Sicherheitsprofil (3). Die Inzidenz der Behandlungs-assoziierten unerwünschten Ereignisse war mit 12,8% in der Gruppe unter NEPA i.v. und 11,4% bei oraler Einnahme in beiden Gruppen relativ niedrig. Als häufigstes unerwünschtes Ereignis wurde Obstipation festgestellt (6,4% unter NEPA i.v. und 6,0% unter NEPA oral). In beiden Gruppen wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse, klinisch relevante Veränderungen der QT-Zeit oder kardiale Sicherheitssignale beobachtet. Reaktionen an der Einstichstelle bzw. anaphylaktische Reaktionen wurden bei NEPA i.v. ebenfalls nicht verzeichnet. Der Großteil der unerwünschten Ereignisse wurde als mild oder moderat klassifiziert (3). Die Komplett-Ansprech-Rate, definiert als kein Erbrechen sowie keine Einnahme der Notfallmedikation, im ersten Zyklus betrug 76,8% für NEPA i.v. und 84,1% für die orale Darreichungsform. 82,2% der Patienten unter NEPA i.v. und 88,6% unter NEPA oral litten zudem nicht unter Erbrechen (3).

Höhere Komplett-Ansprech-Rate als unter anderen NK1-RA-Regime

Die Ergebnisse einer post-hoc-Analyse aus 5 pivotalen Studien mit vor allem Cisplatin-basierter HEC zeigen bei 77% der mit NEPA i.v. behandelten Patienten in den 5 Tagen nach der Gabe ein Komplettansprechen. Die Komplett-Ansprech-Rate war damit ähnlich hoch wie unter oraler NEPA-Gabe mit 80%, wie die gepoolte Analyse zeigte (2). NEPA schnitt zudem in beiden Darreichungsformen besser ab als andere NK1-RA-Regime (Fosaprepitant, Aprepitant, orales Rolapitant) mit 63-73%. Ähnliche Ergebnisse wurden bei Patienten unter Anthrazyklin/Cyclophosphamid (AC)-basierter Chemotherapie beobachtet. Auch hier war der Anteil der Patienten mit Komplettansprechen unter NEPA i.v. mit 73% ähnlich hoch wie unter oraler NEPA-Gabe mit 77%. Bei AC-basierter Chemotherapie war die Rate der Patienten mit Komplettansprechen unter NEPA größer als unter Aprepitant mit 51% (6).
NEPA i.v. ist damit eine wertvolle Alternative für Patienten, denen es nicht oder nur schwer möglich ist, orale Medikamente einzunehmen, z.B. wegen einer schweren Mucositis mit Schluckschwierigkeiten.

NEPA gemäß S3-Leitlinie empfohlen

CINV zählen zu den Nebenwirkungen einer Chemotherapie, die Betroffene am meisten belasten. Eine Auswertung des Pan European Emesis Registry (PEER) aus dem Jahr 2012, vor Einführung von NEPA, zeigte: Trotz leitliniengerechter Prophylaxe litten ca. 20-30% der Patienten während einer Chemotherapie unter Erbrechen; die Inzidenz von Übelkeit war mit ca. 40-50 % noch deutlich höher (7). Akute CINV-Episoden sind seit Einführung der ersten Generation der 5-HT3-Antagonisten für die meisten Patienten vermeidbar, die verzögerte CINV bleibt jedoch häufig eine Herausforderung (8). Netupitant und Palonosetron werden in Kombination mit Dexamethason zur Dreifachprophylaxe entsprechend der aktuellen S3-Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen“ als eine der wirksamen Optionen zur Emesisprophylaxe bei Cisplatin-haltiger hoch (HEC) und moderat emetogener Chemotherapie (MEC) empfohlen (1).

Studiendaten bestätigen Einsatz von NEPA-Hartkapseln

Die Ergebnisse von Interimsanalysen der nicht-interventionellen Studie AkyPRO bestätigen die positiven Eigenschaften der Fixkombination bei oraler Einnahme. Im Rahmen der Studie waren 2.427 Patienten mit unterschiedlichen Krebserkrankungen eingeschlossen. Insgesamt trat bei über 83% aller Patienten während dreier Chemotherapiezyklen keine Beeinflussung des Alltags durch Erbrechen auf – unabhängig davon, ob sie mit HEC- oder einem MEC-Regime behandelt wurden (9).
Auch in der Subgruppe der Brustkrebspatientinnen (n= 986) erwies sich die Prävention von CINV durch NEPA als effektiv (10). Über 81% der Betroffenen litten im Beobachtungszeitraum von 5 Tagen nach der Chemotherapie nicht an Erbrechen und mussten keine Notfallmedikation in Anspruch nehmen (10). Ähnliche Ergebnisse wurden bei Patienten mit gastrointestinalen Tumoren (n=180) beobachtet: Über 82% der Patienten klagten weder über Erbrechen noch benötigten sie eine entsprechende Notfallmedikation (9).
83% der befragten Ärzte und Patienten bescheinigen NEPA eine gute oder sehr gute Effektivität (11). Insgesamt wurde NEPA gut toleriert, die häufigsten Nebenwirkungen waren Verstopfung und Schlaflosigkeit (bei 2,3% bzw. 1,4% der insgesamt eingeschlossenen 2.427 Patienten) (9-11).

Quelle: Riemser

Literatur:

(1) S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen. AWMF-Registernummer: 032/054OL.
(2) Roeland E et al. Support Care Cancer 2018; 26: 39–364.
(3) Schwartzberg L et al. Ann Oncol 2018; 29: 1535–1540.
(4) Fachinformation Akynzeo® i.v., Stand: Juni 2020.
(5) https://www.ema.europa.eu/en/medicines, (letzter Abruf 04.06.2020).
(6) Schwartzberg L, Aapro M. ESMO 2019; Poster # 1765P.
(7) Aapro M et al. Ann Oncol 2012; 23: 1986–1992.
(8) Sun CC et al. Support Care Cancer 2005; 13: 219–227.
(9) Karthaus M et al. Poster präsentiert auf dem 60th Annual Meeting ASH 2018: 01.-04.12.2018; Abstract #4844.
(10) Schilling J et al. Poster präsentiert auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium 2018: 04.-08.12. 2018; Abstract #446.
(11) Karthaus M et al. Poster präsentiert auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie 2018: 28.09.-02.10.2018; Abstract: A-0986-0054-00113.


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