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Medizin

12. Juni 2020 Management der ITP: Lebensqualität der Patienten im Fokus

Die Immunthrombozytopenie (ITP) ist eine erworbene Thrombozytopenie, die durch eine Autoimmunreaktion gegen Thrombozyten und Megakaryozyten verursacht wird. Typische Blutungssymptome sind Petechien und Schleimhautblutungen, aber auch Erschöpfungssymptome sind häufig. Bei einem Satelliten-Symposium von Novartis im Rahmen der virtuellen Jahrestagung der European Hematology Association (EHA) 2020 betonten Experten den negativen Einfluss der Erkrankung, aber auch bestimmter ITP-Therapien auf die Lebensqualität der Patienten. Sie rieten in diesem Kontext dazu, nicht nur aktualisierte Leitlinien zum Behandlungsmanagement zu beachten, sondern auch die Patienten an Therapieentscheidungen zu beteiligen.
Bei 80% der ITP-Patienten reduziert die Erkrankung die Lebensqualität und bei 66% der Betroffenen ist das Symptom Fatigue entscheidend für den Lebensqualitätsverlust, erklärte Dr. Nichola Cooper, London, UK. Viele Patienten klagten zudem über reduzierte Energielevel, die Unfähigkeit, den normalen Alltag zu bewältigen und dass sie auch emotional sehr belastet seien. Hinzu komme die Angst vor instabilen Thrombozytenwerten und einer daraus resultierenden Verschlechterung des Befindens.

Auch therapieassoziierte Nebenwirkungen, insbesondere die, die durch eine verlängerte Anwendung von Kortikosteroiden verursacht werden, beeinflussen die Lebensqualität der Patienten negativ, ergänzte Prof. Francesco Zaja, Triest, Italien. Ein früherer Umstieg auf Zweitlinientherapien mit weniger Nebenwirkungen, etwa auf Thrombopoetinrezeptor-Agonisten (TPO-RAs) wie Eltrombopag (Revolade®), wirke sich deshalb positiv auf die Lebensqualität aus. Bei Therapieentscheidungen solle immer auch der Patient einbezogen werden. So müssten beispielsweise das Alter des Patienten, seine Präferenzen, die Adhärenz, die Kosten und Verfügbarkeit einer Medikation, die Dauer der ITP und Komorbiditäten gleichermaßen beachtet werden. Zaja: „Ein patientenzentrierter Ansatz zum Management der ITP, der eine partnerschaftliche Entscheidungsfindung beinhaltet, ist fundamental für eine Verbesserung der Lebensqualität der Patienten.“

In Übereinstimmung mit internationalen Leitlinien wie der aktualisierten Leitlinie der American Society of Hematology (ASH) zur ITP sprachen sich die Experten dafür aus, die Behandlung mit Kortikosteroiden auf max. 2 Monate zu beschränken. Bei nachfolgenden Therapien sollten solche mit „robuster Evidenz“ zuerst angewendet werden. Die ASH-Leitlinien bevorzugen in diesem Kontext TPO-RAs vor Rituximab, da das Ansprechen auf TPO-RAs nach Angaben der Fachgesellschaft länger anhält. Eine weitere Empfehlung bestehe darin, die Splenektomie um mind. ein Jahr zurückzustellen, erklärten die Experten beim EHA-Symposium. Und erneut erinnerten sie daran, die Behandlung in partnerschaftlichem Austausch mit dem Patienten zu individualisieren, um die „optimale Balance aus Wirksamkeit und Verträglichkeit“ zu erreichen.

Aus aktuellem Anlass erinnerte Dr. Nichola Cooper an die seltenen, aber relevanten Fälle eines ITP-Rezidivs bei gleichzeitiger COVID-19-Erkrankung. Auch das Neuauftreten einer ITP im Zusammenhang mit einer SARS-CoV2-Infektion sei berichtet worden. Das Management der gleichzeitig vorliegenden Erkrankungen werde durch inflammatorische Reaktionen und thrombotische Ereignisse, die im Zusammenhang mit COVID-19 stehen, erschwert. Empfehlungen für das Therapiemanagement in diesen Fällen gebe die ASH auf ihrer Website, erklärte Cooper. Doch auch hier gelte es, das Behandlungsmanagement auf Basis der Empfehlungen zu individualisieren und an den Komorbiditäten und der Schwere der COVID-19-Erkrankung auszurichten.
 
I-WISh
Die Erhebung von patient reported outcomes (PRO) ist ein probates Mittel, um Symptome und Wahrnehmungen der Patienten im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung, aber auch mit bestimmten Therapien zu erfragen. Der globalen Querschnittsbefragung I-WISh, die die Belastung durch die ITP und ihren Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten untersucht, kommt in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung zu. Aktuelle, beim EHA-Kongress vorgestellte Daten der Erhebung untermauerten zum einen den negativen Einfluss des Symptoms Fatigue sowie emotionaler Belastungen wie etwa der Angst vor instabilen Thrombozytenwerten und Krankheitsverschlechterung auf die Lebensqualität der Patienten (1, 2). Zum anderen gaben die Patienten an, mit einer Kortikoid-Behandlung – auch wegen ihrer Kurz- und Langzeitnebenwirkungen – weniger zufrieden zu sein als mit einer Behandlung mit TPO-RAs oder Anti-CD20-Antikörpern wie Rituximab (3). Dies unterstreicht die Empfehlung von Experten, frühzeitig auf eine Zweitlinienbehandlung umzusteigen, die mit weniger Nebenwirkungen behaftet ist, etwa TPO-RAs.

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Quelle: Satelliten-Symposium „Improving patients’ quality of live with new treatment strategies for ITP and SAA“, EHA25 Virtual, 11.06.2020; Veranstalter: Novartis

Literatur:

(1) Cooper N et al. A patient‘s perspective on impact of immune thrombocytopenia on emotional wellbeing. ITP World Impact survey (I-WISH). EHA25 Virtual, Abstract EP1654.
(2) Bussel J et al. Higher symptom burden in patient with immune thrombocytopenia experiencing fatigue: results from ITP World Impact survey (I-WISH). EHA25 Virtual, Abstract EP1642.
(3) Ghanima W et al. Patients‘ reported perceptions on satisfaction with immune thrombocytopenia treatments: results from the ITP World Impact survey (I-WISH). EHA25 Virtual, Abstract EP1631.


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