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Medizin

27. Juli 2012 Neuropathie: Unter retardiertem Oxycodon/Naloxon weniger opioidtypische Nebenwirkungen und Verbesserung der Lebensqualität

Eine prospektive, multizentrische Beobachtungsstudie hat gezeigt, dass die Fixkombination aus retardiertem Oxycodon/Naloxon (Targin®) bei neuropathischen Schmerzen wirksam und verträglich ist (1), so Dr. Uwe Junker, Remscheid. 1.488 Patienten mit neuropathischen Schmerzen verschiedener Genese erfuhren innerhalb von vier Wochen unabhängig von der Vormedikation eine signifikante Schmerzreduktion. Neben einer signifikanten Verbesserung der Darmfunktion gingen auch abdominelle Schmerzen, Übelkeit sowie Erbrechen und Schwindel nach der Einstellung auf retardiertes Oxycodon/Naloxon deutlich zurück, sagte Junker. Zusätzlich verbesserte sich die Lebensqualität der Patienten um durchschnittlich 47%.

"Die Internationale Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (IASP) definiert neuropathischen Schmerz als Schmerz infolge einer Schädigung oder Krankheit, die die physiologischen Verschaltungen des somato-sensorischen Systems stört. Brennende Dauerschmerzen mit zusätzlich einschießenden Schmerzen sind typische neuropathische Schmerzphänomene z. B. bei der Post-Zoster-Neuralgie oder diabetischer Polyneuropathie. Neuropathische Schmerzanteile bei Rückenschmerz-Patienten werden hinsichtlich ihrer Häufigkeit und Bedeutung oft unterschätzt", erläuterte Junker.

Eine deutsche Untersuchung bei orthopädischen Patienten ergab, dass mehr als 30% neben einem nozizeptiven auch unter einem neuropathischen Schmerz litten, also einem „mixed pain“. Ein derartiger Schmerz kann z.B. bei der Sinterung eines Wirbels bei Osteoporose oder Wirbelsäulenmetastasierung entstehen. Die Schädigung des Wirbelkörpers löst einen starken lokal empfundenen Entzündungsschmerz aus, die Einengung des Rückenmarks wird als brennend-elektrisierendes, in die Extremitäten fortgeleitetes Schmerzphänomen wahrgenommen. Die Behandlung neuropathischer Schmerzen stellt eine therapeutische Herausforderung dar, denn nur die Hälfte aller Patienten erfährt durch eine Pharmakotherapie eine klinisch bedeutsame Schmerzlinderung. „Opioide sind auch ein wichtiger Kombinationspartner, da andere Substanzen wie trizyklische Antidepressiva oder Calcium-Kanal-Modulatoren oft aufgrund von Nebenwirkungen für eine suffiziente Analgesie nicht hoch genug dosiert werden können“, so Junker. Die Wirksamkeit von Targin® speziell bei neuropathischen Schmerzen untersuchte eine prospektive, multizentrische Beobachtungsstudie, die jetzt von Junker und zwei Kollegen international publiziert wurde. Die Arbeit ging der Frage nach, ob Opioid-Nebeneffekte wie eingeschränkte Darmfunktion, Schwindel und Übelkeit unter retardiertem Oxycodon/Naloxon auch bei dieser Gruppe im Vergleich mit der Vortherapie seltener aufträten, da die Naloxon-Komponente die Opioidwirkung an den µ-Rezeptoren des Gastrointestinaltrakts hemmt.

Die untersuchten 1.488 Patienten mit neuropathischen Schmerzen verschiedener Genese gaben zu anfangs eine hohe Schmerzstärke von im Mittel 5,7 auf der Numerischen Ratingskala (NRS) an - obwohl der Großteil vormediziert war. Unter der Therapie mit retardiertem Oxycodon/Naloxon nahm die Schmerzintensität unabhängig von der Vorbehandlung signifikant ab: auf durchschnittlich 2,8 bei den Opioid-naiven sowie den mit schwachen Opioiden Vortherapierten, auf 3,6 bei den mit starken Opioiden Vorbehandelten. Abschließend bewerteten 86,4% der Ärzte die Wirksamkeit entsprechend als „sehr gut“ und „gut“. „Wir konnten aber nicht nur die Frage nach der Effektivität positiv beantworten, sondern auch eine bessere Verträglichkeit dokumentieren“, berichtete Junker.

Professor Henning Blume, SocraTec R&D GmbH Oberursel, betonte, dass die Effektivität von Opioiden auch von ihrer Galenik abhänge. Die Präparate müssten für eine bestmögliche Wirksamkeit galenisch optimal konzipiert und mit konsistenter Qualität produziert sein. Für die Resorption spiele neben der Galenik auch die Blockade der μ-Rezeptoren im Gastrointestinaltrakt (GIT) durch Opioide eine wichtige Rolle: Daraus resultierten Blume zufolge Veränderungen der GIT-Motilität, die sich auf die Wirksamkeit von Retardarzneimitteln auswirken können. Daher komme einer galenischen Formulierung, die die genannten Punkte berücksichtige, hohe Relevanz zu. Retardiertes Oxycodon/ Naloxon hat in der Vergangenheit seine starke Wirksamkeit und sehr gute Verträglichkeit bewiesen. „Eine pharmakologische Studie konnte zudem vor kurzem aufzeigen, dass die Fixkombination retardiertes Oxycodon/ Naloxon für den Dünndarmtransit eine mit Placebo vergleichbare Zeit benötigt, während Oxycodon - versus Placebo - signifikant länger dafür brauchte“, berichtete Blume.

Literaturhinweis:
(1) Hermanns K, Junker U, Nolte T. Prolonged-release oxycodone/ naloxone in the treatment of neuropathic pain - results from a large observational study. Expert Opin Pharmacother 2012; 13(3):299-311.

Quelle: Pressekonferenz „Effektive Analgesie bei neuropathischen Schmerzen - eine Herausforderung? Neue Studienergebnisse zu Targin®“, veranstaltet von Mundipharma am 17. Juli 2012 in Frankfurt


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