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Medizin

31. Mai 2016 2 Jahre klinische Erfahrungen mit Eribulin ab der 2. Linie beim fortgeschrittenen Mammakarzinom

Zum Einsatz von Halaven® (Eribulin) als Monochemotherapie des fortgeschrittenen Mammakarzinoms ab der zweiten Behandlungslinie liegen inzwischen weitreichende Erfahrungen aus dem klinischen Alltag vor. PD Dr. Ingolf Juhasz-Böss, Homburg, zog auf einer Pressekonferenz anlässlich des Senologiekongresses 2016 in Dresden eine sehr positive Bilanz. Zudem wurde der nicht Taxan-basierte Mikrotubuli-Inhibitor Eribulin am 2. Mai 2016 ebenfalls zur Behandlung erwachsener Patienten mit nicht resezierbarem Liposarkom, die wegen einer fortgeschrittenen oder metastasierten Tumorerkrankung eine Vorbehandlung mit einer Anthrazyklin enthaltenden Therapie (sofern sie geeignet war) erhalten haben, zugelassen. Die Zulassungserweiterung basiert auf einem überzeugenden Überlebensvorteil von Eribulin beim fortgeschrittenen oder metastasierten Liposarkom, der zuvor auch beim fortgeschrittenen Mammakarzinom gezeigt werden konnte (1-4).
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Fachinformation
Die Lebensverlängerung bleibt für Brustkrebspatientinnen auch im fortgeschrittenen Stadium fast immer das wichtigste Therapieziel. In dieser Hinsicht kann Eribulin überzeugen. Die Zulassungserweiterung für Eribulin zur Behandlung von Brustkrebspatientinnen bereits ab der zweiten Linie des fortgeschrittenen Mammakarzinoms nach Versagen einer Taxan- und Anthrazyklinvortherapie vor zwei Jahren stellt eine Bereicherung für viele Patientinnen dar, für die bis dahin oftmals keine wirksame Behandlung zur Verfügung stand. Dies betrifft Patientinnen, für die eine Behandlung mit zielgerichteten Substanzen, etwa einer Anti-HER2-Therapie, nicht infrage kommt“, erklärte PD Dr. Ingolf Juhasz-Böss, Leiter des Brustzentrums und stellvertretender Direktor der Klinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin am Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg.
 
Klinische Erfahrungen bestätigen die Studiendaten
 
Ca. fünf Jahre nach Erstzulassung für die Therapie des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinoms zunächst ab der dritten sowie seit 2014 ab der zweiten Therapielinie konnten PD Dr. Juhasz-Böss und Kollegen die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit von Eribulin anhand einer retrospektiven Auswertung von insgesamt 44 Patientinnen im klinischen Alltag bestätigen. „In einzelnen Fällen gingen die Behandlungserfolge mit Eribulin sogar noch weit über die Resultate der zulassungsrelevanten Studien hinaus. Selbst in der metastasierten Situation haben wir Patientinnen, bei denen der Progress über mehrere Monate bis über 2,5 Jahre vermieden werden konnte“, betonte der renommierte Brustkrebsexperte.
 
Wie die Auswertung weiter zeigte, wird die Therapie mit Eribulin zudem sehr gut toleriert. Die üblichen Nebenwirkungen von Zytostatika – Leukopenie, Polyneuropathie, Fatigue oder Übelkeit – treten während einer Eribulin-Therapie nur in Maßen auf. „Sollte es zu Nebenwirkungen kommen, sind diese nach unseren Erfahrungen sehr gut beherrschbar und führen äußerst selten zum Abbruch der Therapie. Wir verzeichnen bislang nur einen solchen Fall. Diese Patientin erhielt Eribulin in Kombination mit Trastuzumab als Siebtliniengabe“, erklärte PD Dr. Juhasz-Böss.
 
Überzeugender Überlebensvorteil mit Eribulin beim fortgeschrittenen Mammakarzinom
 
Eribulin hatte in zwei zulassungsrelevanten Phase-III-Studien als bislang einzige Monochemotherapie einen klinisch relevanten Vorteil hinsichtlich des Gesamtüberlebens (OS)  bei Anthrazyklin- und Taxan-vorbehandelten Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs erzielt (5).
 
In der offenen randomisierten Studie EMBRACE verlängerte Eribulin das Gesamtüberleben (primärer Studienendpunkt) im Vergleich mit anderen Monochemotherapien nach Wahl des Arztes bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs nach mindestens zwei Vortherapien (≥ 3rd-Line) signifikant um 2,7 Monate (13,2 vs. 10,5 Monate; HR 0,81; 95% KI 0,67–0,96; p-Wert = 0,014) (1).
 
In der Studie 301 [2] zeigte sich bei der Gesamtpopulation der Patientinnen im fortgeschrittenen Krankheitsstadium nach höchstens zwei erfolgten Chemotherapien als Vortherapie der fortgeschrittenen Erkrankung eine Tendenz zur Überlegenheit hinsichtlich des OS von Eribulin versus Capecitabin. Dabei erhielt die Mehrheit der Patienten (57,4%) die Studienbehandlung als Zweitlinientherapie. Subgruppenanalysen der Studie ergaben zudem nominal signifikante OS-Vorteile bei Patientinnen mit HER2-negativen (medianes OS: 15,9 vs. 13,5 Monate; HR 0,84; 95% KI 0,72–0,98; p = 0,03) sowie triple-negativen Tumoren (medianes OS: 14,4 vs. 9,4 Monate; HR 0,70; 95% KI 0,55–0,91; p = 0,01) (3). Vorhergehende Therapien der fortgeschrittenen Erkrankung sollten in beiden Studien (EMBRACE, 301) ein Anthrazyklin und Taxan enthalten haben, sofern keine Kontraindikation bestand (5). Die mit Eribulin in der Studie 301 gezeigte Lebensverlängerung ging dabei nicht zulasten der Lebensqualität (6).
 
Die Erfahrungen sprechen für den frühen Einsatz
 
„Die guten Studiendaten zu Eribulin und die darüber hinausgehenden überzeugenden klinischen Erfahrungen sprechen für einen frühen Einsatz der Substanz ab der zweiten Therapielinie im Rahmen der Indikation beim fortgeschrittenen und metastasierten Mammakarzinom. Wir wenden Eribulin frühzeitig an, weil es im Vergleich zu den anderen Monotherapie-Substanzen, die nach Anthrazyklin- und Taxan-Vorbehandlung infrage kommen, ein gutes Tumoransprechen zeigt und deutlich besser vertragen wird. Unsere Datenauswertung zeigt aber zugleich, dass auch stark vorbehandelte Patientinnen deutlich von einer Therapie mit Eribulin profitieren“, so PD Dr. Juhasz-Böss.
 
Zulassungserweiterung: Eribulin beim fortgeschrittenen Liposarkom
 
Halaven® (Eribulin) war bislang für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs indiziert, bei denen nach mindestens einer Chemotherapie zur Behandlung der fortgeschrittenen Erkrankung eine weitere Progression eingetreten ist. Die Vortherapien sollen ein Anthrazyklin und ein Taxan enthalten haben, es sei denn diese Behandlungen waren ungeeignet für den Patienten.
 
Eine signifikante Überlebensverlängerung zugunsten von Eribulin (13,5 Monate versus 11,5 Monaten, HR=0,768, 95 % KI 0,618–0,954; P=0,017) konnte jetzt auch in der Phase-III-Studie 309 (4) gezeigt werden, die bei Patienten mit zwei Weichteilsarkom-Subtypen, Liposarkom und Leiomyosarkom, Eribulin und Dacarbazin verglich. Bemerkenswert war die signifikante mediane Verlängerung des Gesamtüberlebens für die vordefinierte Patienten-Subgruppe mit inoperablem fortgeschrittenem oder metastasiertem Liposarkom unter Eribulin gegenüber Dacarbazin (15,6 Monate versus 8,4 Monaten, HR = 0,511; 95 % KI 0,346-0,753; P=0,0006) (4). Eribulin wies dabei ein Toxizitätsprofil auf, das die bisherigen Erfahrungen widerspiegelt. Es gab keine unerwarteten oder neuen Sicherheitserkenntnisse (4).
 
Auf diesen Daten basiert die am 2. Mai 2016 erfolgte Zulassungserweiterung für Eribulin in Europa für die Behandlung erwachsener Patienten mit nicht resezierbarem Liposarkom, die wegen einer fortgeschrittenen oder metastasierten Tumorerkrankung eine Vorbehandlung mit einer Anthrazyklin enthaltenden Therapie (sofern sie geeignet war) erhalten haben.
 
Hiermit liegen nun Nachweise vor, dass Halaven® (Eribulin) das Gesamtüberleben (OS) bei zwei unterschiedlichen Tumorentitäten (Mammakarzinom, Liposarkom) signifikant verlängert.
 
Besonderer Wirkmechanismus liefert mögliche Erklärung für den OS-Vorteil bei 2 Tumorentitäten
 
Eine mögliche Erklärung für den konsistent gezeigten Gesamtüberlebensvorteil bei verschiedenen Tumorentitäten könnte der besondere Wirkmechanismus von Eribulin sein, der in verschiedenen Studien untersucht wurde (7-8). Eribulin ist ein neuartiger Hemmer der Mikrotubulidynamik, der mit hoher Affinität für β-Tubulin am Plus-Ende der Mikrotubuli bindet (Endpoisoning) und selektiv nur die Wachstumsphase der Mikrotubuli inhibiert (5). Präklinische Studien zur Blutperfusion zeigen, dass Eribulin zur Umgestaltung des Tumorgefäßsystems (tumor vascular remodeling) und damit zu einer gleichmäßigen Durchblutung der Tumorkerne und Reoxygenierung hypoxischer Tumorbereiche führen kann (7). Daraus könnten ein verbessertes Ansprechen auf die Therapie, auch in nachfolgenden Behandlungslinien, und durch die gezeigte antihypoxische Wirkung von Eribulin eine Herabsetzung von Metastasierungsprozessen resultieren (7). Eine kürzlich veröffentlichte, klinische Untersuchung bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs konnte eine Reoxygenierung des Tumorgewebes im Anschluss an eine Behandlung mit Eribulin validieren (8).
„Wie die vorliegenden Daten zu Eribulin zeigen, könnten ähnliche klinische Erfolge wie beim fortgeschrittenen Mammakarzinom auch beim fortgeschrittenen Liposarkom zu erwarten sein“, erklärte Dr. Ingolf Juhasz-Böss in Dresden.

Quelle: Eisai

Literatur:

(1) Cortes J et al.: The Lancet. 2011;377:914-923
(2) Kaufman PA et al.: Cancer Res 2012;72: abstr S6-6
(3) Kaufman PA , Cortes J et al.: ASCO 2013; Poster 1049.
(4) Schöffski P et al. Lancet 2016; 387(10028):1629-37.
(5) Fachinformation HALAVEN® 0,44mg/ml Injektionslösung. Stand Mai 2016.
(6) Velikova G et al.: ESMO 2014; Poster392P.
(7) Funahashi Y et al.: Cancer Sci 2014;105:1334-1342.
(8) Ueda S et al.: Br J Cancer. 2016 May 24;114(11):1212-1218.


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