Fachärzteverband wehrt sich gegen Schuldzuweisungen
Die Auseinandersetzung um Sinn und Kosten bei vom Hausarzt vermittelten Facharztterminen wird nach Ansicht des BFAV-Vorstandes zu einem „für Patienten schädlichen Kesseltreiben“ gegen Kolleg:innen missbraucht. Es wird gefordert, angebliche Doppelvergütungen einzusparen. Mit diesem „Terminzwang-Diktat“, so BFAV-Vorstand Dr. Klaus Holler werden „Freiberuflichkeit und Leistung inzwischen selbst von den Parteien der Mitte mit Füssen getreten.“ Statistiken werden schamlos frisiert, kritisiert Holler die Verbreitung von gezielten Falschinformationen über die Vergütung und Terminvergabe von Fachärzt:innen.
Fachärzte sind budgetiert
Der BFAV-Chef stellt klar: „Die Fachärzte sind budgetiert. 20% des Honorars werden uns von Politik und Kassen vorenthalten. Eine Doppelvergütung gibt es nicht. Bei den angeblichen „Doppelzahlungen“ handelt es sich lediglich um eine Annäherung an die vorgesehene Vergütung.“
Über 40 Millionen fachärztliche Behandlungstermine würden jährlich unbezahlt für die Patient:innen erbracht. Mehrere Milliarden Euro Honorar werden von den Kassen dafür pro Jahr einbehalten. Der Hausarztvermittlungsfall für dringende Termine liegt bundesweit über alle Fachgruppen bei 1,8% der Fälle. „Ein Hausarzt erhält ausschließlich für die Vermittlung mehr Honorar, als manche Fachärzte für die ganze Behandlung“ beklagt Holler.
„In einer durchschnittlichen HNO-Praxis sind rund 20% der Patienten Notfallpatienten“, weiß Holler aus eigener Erfahrung als niedergelassener HNO-Arzt. Die Vermittlungsfälle müssten bei Beachtung der gesetzlich-medizinischen Vorgaben und einer angemessenen, sicheren Patientenversorgung viel höher liegen. Nirgendwo auf der Welt sei der Zugang zur fachärztlichen Versorgung leichter und schneller – bei geringen Kosten.
„Scheinheilige Wartezeitendiskussion“
Die Wartezeitendiskussion sei bei diesen Fakten „an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten.“ Die Politik verlangt durch Budgetierung weniger Termine und längere Wartezeiten. Wenn die Vergütung und Zuschläge für dringende Termine entfällt, werden künftig auch diese Fälle leider länger warten müssen,“ so die Befürchtung des BFAV-Chefs.
Die gesundheitspolitischen Wortführer der Koalition betrieben „ideologisches Facharzt Bashing“ statt sich um notwendige Reformen zu kümmern, wie die Diskussion zur Übernahme der versicherungsfremden Leistungen zeigt. Der Abbau überzähliger Krankenhausbetten, die Mondpreise der Pharmaindustrie und eine überflüssige Kassenkonkurrenz seien „in dieser Neiddiskussion kein Thema in Berlin“ bedauert Holler.
Quelle:Bayerischer Facharztverband e.V. (BFAV)