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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
24. September 2015

Freie Ärzteschaft: Totalausfall der Bundesärztekammer bei GOÄ-Verhandlung

Nach dem Hü und Hott zum Verhandlungsstand in Sachen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) verschwindet mehr denn je im Nebel, was die GOÄ-Novelle den Ärzten bringen wird. Zeit für die niedergelassenen Ärzte, das Heft selbst in die Hand zu nehmen und für den längst überfälligen Inflationsausgleich zu sorgen, erklärte die Freie Ärzteschaft (FÄ) heute in Essen.

"In vielen Behandlungsfällen ist es angemessen, einen höheren Steigerungsfaktor als den Schwellenwert von 2,3 anzusetzen", sagte Wieland Dietrich, Vorsitzender der FÄ. "Jeder Arzt sollte dies bei der Abrechnung seiner Leistungen nach der bisherigen GOÄ sorgfältig prüfen."

Im Einzelfall seien Gründe für höhere Steigerungsfaktoren etwa ein erhöhter Informationsbedarf des Patienten aufgrund zunehmender diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten oder ein erhöhter Aufklärungsbedarf durch verschärfte gesetzliche Rahmenbedingungen wie das Patientenrechtegesetz. Ebenso steige demografiebedingt der Behandlungsaufwand: Ältere Menschen erforderten aufgrund von Ko- und Multimorbiditäten oder Polypharmazie mehr zeitlichen und sachlichen Einsatz. Auch Anamnese und Diagnostik seien oft unter erschwerten Bedingungen zu leisten.

Skandalös ist nach Meinung Dietrichs, dass GOÄ-Verhandlungsführer Dr. Theodor Windhorst jüngst einen zweistelligen Prozentzuwachs über alle Bereiche der GOÄ angekündigt und dies kurz darauf in peinlicher Büßermanier gemeinsam mit der Verhandlungsführerin der Privaten Krankenversicherung (PKV), Dr. Birgit König, wieder kassiert hat. "Dass nun Bundesärztekammer(BÄK)-Präsident Professor Frank-Ulrich Montgomery ans Ruder soll, kommt einem Totalausfall der BÄK gleich - das Vertrauen der Ärzte in die BÄK ist zerstört. Inzwischen wäre es sinnvoller, die bisherige GOÄ mit Inflationsausgleich beizubehalten", so der FÄ-Chef. "Dieses Verhandlungsdilemma", ergänzt FÄ-Vorstand Dr. Heinz-Jürgen Hübner, "lässt sich nicht dadurch lösen, dass zwei Spitzenfunktionäre, die bisher immer im Gleichschritt marschiert sind, gegeneinander ausgetauscht werden. Die kleinlaute Rücknahme unseres GOÄ-Verhandlungsführers zeigt, dass unsere Vertreter offenbar gar keine eigenen Positionen mehr durchsetzen wollen.

Die Freie Ärzteschaft kritisiert die sich abzeichnende EBMisierung der GOÄ mit Mengensteuerung, Komplexleistungen und "robusten" Einfachsätzen. "Das ist die Abschaffung der freien Gebührenordnung und damit eines der Kernelemente des freien Arztberufs", betont Dietrich. Ohnehin sei es ein Unding, dass PKV und Beihilfe als Kostenträger am Verhandlungstisch säßen. Die PKV lasse keinen Zweifel daran, wohin die Reise gehen solle: "Absenkung der Bewertungen der Leistungen der neuen GOÄ" hatte PKV-Verhandlerin König formuliert. FÄ-Vorstand Hübner: "Das zeigt, wie dominant die Versicherungskonzerne agieren können. Damit scheint das ökonomische Fundament für unabhängige ärztliche Tätigkeit im Interesse guter Patientenversorgung bei den Verhandlungen immer belangloser zu werden."

Quelle: Freie Ärzteschaft


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