Tislelizumab plus Induktionschemotherapie bei lokal fortgeschrittenem Ösophaguskarzinom: Erhaltungstherapie ohne Zusatznutzen
Nina HaußerEine chinesische Phase-II-Studie hat erstmals Tislelizumab in Kombination mit Induktionschemotherapie und simultaner Radiochemotherapie (CRT) bei lokal fortgeschrittenem Ösophaguskarzinom untersucht – mit oder ohne anschließende Erhaltungsimmuntherapie.
Randomisierung in zwei unterschiedlich lange Regime
Eingeschlossen wurden 114 Patient:innen mit lokal fortgeschrittenem, nicht resektablem Plattenepithelkarzinom des Ösophagus (Stadium II–IVB). Davon befanden sich 64,9% im Stadium IV. Alle erhielten zunächst zwei Zyklen Induktionschemotherapie (Paclitaxel/Cisplatin) plus Tislelizumab, gefolgt von simultaner Radiochemotherapie mit wöchentlichem Paclitaxel/Cisplatin und 50,4 Gy in 28 Fraktionen (ca. 5,5 Wochen Bestrahlungsdauer).
Gruppe A (n=57) bekam Tislelizumab insgesamt für 16 Zyklen (zwei Induktion, zwei simultan, zwölf zur Erhaltung). Gruppe B (n=57) erhielt nur vier Zyklen (zwei Induktion, zwei simultan, keine Erhaltung). Beide Gruppen wurden jeweils gegen eine historische Kontrollgruppe verglichen, die in einer früheren Studie ausschließlich Radiochemotherapie ohne Immuntherapie erhalten hatte. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS).
Signifikante Verbesserung von Überleben und Remissionsrate in Gruppe ohne Erhaltungstherapie
Nach median 22,7 Monaten Nachbeobachtung zeigte Gruppe B (ohne Erhaltungstherapie) eine 1-Jahres-PFS-Rate von 71,9% (95%-KI: 61,1–84,6). Als Vergleich diente eine historische Kontrollkohorte mit einer 1-Jahres-PFS-Rate von 56,4% (95%-KI: 44,7–71,1). Gegenüber dieser Kontrolle war das PFS in Gruppe B signifikant verbessert (Hazard Ratio 0,54; 95%-KI: 0,32–0,94; p=0,026), das mediane PFS lag bei 30,1 Monaten. Auch das Gesamtüberleben war in Gruppe B im Vergleich zur historischen Kontrolle deutlich besser (HR=0,42; 95%-KI: 0,22–0,82; p=0,0082).
Komplette Remissionen (CR) drei Monate nach Radiochemotherapie wurden bei 70,2% (95%-KI: 56,9–81,1) erreicht – ebenfalls signifikant häufiger als in der historischen Kontrollgruppe (40%; p=0,0003). Diese Ergebnisse übertreffen auch die in früheren Phase-III-Studien zur definitiven Radiochemotherapie berichteten 1-Jahres-PFS-Raten von 40–60% deutlich.
Erhaltungstherapie zeigt keinen Vorteil
Gruppe A mit zwölf zusätzlichen Erhaltungszyklen schnitt dagegen nicht besser ab als die historische Kontrolle: Das 1-Jahres-PFS lag bei 52,6% (HR 1,06; P=0,81), die CR-Rate bei 50,9%, das mediane PFS bei nur 13,8 Monaten. Eine mögliche Erklärung sehen die Autor:innen darin, dass das Immunsystem bereits durch die Induktionstherapie ausreichend aktiviert wurde – ein Konzept, das auch aus Studien beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom bekannt ist.
Hämatotoxizität häufig, aber handhabbar
Hinsichtlich der Verträglichkeit traten Nebenwirkungen ab Grad 3 bei 86,0% (Gruppe A) bzw. 80,7% (Gruppe B) auf. Am häufigsten waren Lymphopenie (77,2% bzw. 73,7%), Leukopenie und Anämie. Ösophagitis Grad ≥3 trat bei 19,3% in Gruppe B auf, während in Gruppe A nur 8,8% betroffen waren. Therapiebedingte Todesfälle wurden nicht berichtet. Hämatologische Toxizitäten waren erwartungsgemäß häufig, aber handhabbar.
Biomarker liefern Erklärungen und Ansätze für künftige Patientenselektion
Explorative Analysen zeigten, dass NRF2-Pathway-Mutationen, die mit Strahlenresistenz und schlechterem Outcome assoziiert sind, in Gruppe A signifikant häufiger auftraten (P=0,04). Dies könnte trotz Randomisierung zu einem ungünstigen Ungleichgewicht geführt und das fehlende PFS-Signal in Gruppe A mitverursacht haben.
Darüber hinaus identifizierten die Forschenden mehrere Biomarker, die künftig zur Patientenselektion beitragen könnten: PD-L1-Expression (CPS ≥1), hohe CD8⁺-T-Zell-Dichte und ctDNA-Clearance vor Radiotherapie waren mit besseren CR-Raten und PFS assoziiert. Besonders Patient:innen mit früher ctDNA-Clearance (vor oder während CRT) zeigten deutlich bessere Remissionsraten.
Nach Ansicht der Autor:innen rechtfertigen die Daten eine Phase-III-Studie zur Bestätigung der Ergebnisse, wobei die Selektion anhand von Biomarkern und die Limitation durch den historischen Kontrollgruppen-Vergleich berücksichtigt werden sollten.
Quelle:Chen B et al. (2026) Tislelizumab Combined With Induction Chemotherapy and Concurrent Chemoradiotherapy in Locally Advanced Esophageal Squamous Cell Carcinoma: A Multicenter, Randomized, Phase II Trial (EC-CRT-002), Journal of Clinical Oncology, DOI: 10.1200/JCO-25-03044