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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

29. September 2020 Update zur paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie

Dr. med. Holger Hauspurg
Dr. med. Holger Hauspurg
Die paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH) ist eine sehr seltene Erkrankung mit unspezifischer und äußerst variabel ausgeprägter Symptomatik mit intravasaler Hämolyse, Thrombophilie sowie Zytopenien und beruht auf einer erworbenen Mutation im PIGA-Gen (Phosphatidylinositol Glycan Anker Biosynthese Klasse A, PIG-A) der hämatopoetischen Stammzelle, die zu einem Verlust von Glycosylphosphatidylinositol (GPI)-verankerten Oberflächenmolekülen führt. Die GPI-Defizienz setzt die Erythrozyten ungeschützt der Komplement-vermittelten intravasalen Hämolyse aus und begünstigt thrombembolische Ereignisse bevorzugt in atypischen Lokalisationen. Die Komplement-Inhibition mit C5-Antikörpern ist als effektive Therapie der PNH zur Unterdrückung der Hämolyse, Thrombophilie und ihrer Folgen etabliert.
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Eculizumab war der erste zur Therapie der PNH zugelassene humanisierte monoklonale Antikörper. Er bindet an den Komplementfaktor C5 und blockiert die Bildung des Membranangriffskomplexes (MAC). Eculizumab verhindert so die intravasale Hämolyse. Der Antikörper wird in den ers­ten 4 Wochen zur Aufsättigung wöchentlich, danach in 2-wöchigen Abständen verabreicht.

Ravulizumab ist hinsichtlich seiner Effektivität und des Nebenwirkungsprofils mit Eculizumab vergleichbar. Die längere Halbwertszeit von Ravulizumab ermöglicht eine Verabreichung in 8-wöchigen Abständen, beginnend 14 Tage nach der Initialdosis. Da die Komplement-Inhibition in aller Regel eine Dauertherapie ist, sind längere zeitliche Abstände zwischen den Infusionen für PNH-Patienten sicherlich vorteilhaft. Beim EHA25 virtual wurden die Ergebnisse der Zwischenauswertung einer Phase-II-Studie, in der Ravulizumab 10 mg/ml mit Ravulizumab 100 mg/ml, einer neuen Formulierung, durch die die Infusionszeit verkürzt werden kann, vorgestellt (1): 25 Patienten wurden von Ravulizumab 10 mg/ml auf die Formulierung mit 100 mg/ml umgestellt (19 m/6 w; mittleres Alter 44,6 Jahre). Die Umstellung hatte keinen Einfluss auf die Wirksamkeit der Therapie, eine Häufung unerwünschter Ereignisse wurde nicht registriert. Die Infusionsdauer konnte abhängig von der Dosis, die an das Körpergewicht des Patienten angepasst werden muss, um 78-102 Minuten verkürzt werden. Eine kürzere Infusionsdauer ohne zusätzliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen stellt für die Patienten, aber auch die betreuenden Einrichtungen, einen Gewinn dar. Die Auswertung für eine Patientengruppe mit 12-wöchentlichem Therapieintervall (vs. 8 Wochen) steht noch aus.

Ein weiterer Beitrag zur Komplement-Inhibition beschäftigte sich mit dem neuen humanen C5-Antikörper (IgG4) Pozelimab, für den bisher nur In-vitro-Daten vorlagen (2). Im Rahmen einer Phase-I-Studie wurde der Antikörper mit einer Startdosis von 30 mg/kg i.v. und danach 800 mg s.c. wöchentlich verabreicht. Die Behandlung der 6 Patienten der ersten Kohorte führte zu einer raschen Besserung der Hämolyse mit einer schnellen Normalisierung der Laktat­dehydrogenase (LDH)-Werte. Beachtenswert ist, dass Pozelimab auch bei einem Patienten mit einer bekannten C5-Variante, bei der Eculizumab und Ravulizumab wegen fehlender Affinität keinen therapeutischen Effekt haben, wirksam war. Hier könnte sich zukünftig eine therapeutische Option für PNH-Patienten ergeben, für die bisher im Falle einer PNH mit schwerer Symptomatik nur die ­allogene Stammzelltransplantation blieb.

 

Literatur:

(1) Röth A et al. EHA 2020, Abstract EP862.
(2)  Jang JH et al. EHA 2020, Abstract EP860.


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