Donnerstag, 22. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Lonsurf
 
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
31. Mai 2017

Erstattung von molekularpathologischer Genexpressionsdiagnostik beschleunigen

G. Kempny, Geschäftsführerin Bundesverband Deutscher Pathologen, Berlin.
Bis zum Sommer 2016 war die molekularpathologische Genexpressionsdiagnostik primär ein Privileg privat versicherter Patientinnen. Mit Inkrafttreten einer neu gefassten Richtlinie* zur Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) zur Behandlung von gynäkologischen Tumoren am 10.08.2016 ist die Genexpressionsdiagnostik erstmals auch für gesetzlich versicherte Patientinnen verfügbar. Die neue ASV-Richtlinie ist damit ein guter Schritt in Richtung Versorgungsgerechtigkeit.
Anzeige:
Ibrance
Ibrance
 
Das Konzept der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung ist, Patientinnen an der Schnittstelle von ambulanter und stationärer Versorgung von einem interdisziplinären ÄrztInnen-Team mit spezieller Expertise behandeln zu können. Die neue Richtlinie ermöglicht das Einbeziehen fast aller Brustkrebs­patientinnen durch die Streichung der bisherigen Restriktionen auf „schwere Verlaufsfälle“. Somit kann allein in Deutschland mindestens 14.000 Patientinnen ermöglicht werden, auf eine unnötige und oftmals von starken Nebenwirkungen gekennzeichnete Chemo­therapie zu verzichten. Die Frauen können so gezielter, schonender und erheblich kostengünstiger behandelt werden als bisher.

Der Zugang zu der molekularpathologischen Leistung ist allerdings nur über eine ASV vorgesehen, und die dafür notwendigen gemischten Teams aus Krankenhaus und ambulantem Bereich werden – unter anderem wegen der bürokratischen Hemmnisse – noch lange nicht flächendeckend zur Verfügung stehen. Auch das Symposium zu „5 Jahren ASV“ des Bundesverbandes ASV e.V. bewies einmal mehr, dass sich ASV-Teams nach einiger Zeit zwar etablieren können, aber in der Regel nur die Ballungszentren davon profitieren. Auf die Bildung von ASV-Teams für den Bereich der gynäkologischen Tumoren zu warten, kann aber von den Patientinnen nicht verlangt werden, zumal die meisten von ihnen bereits jetzt in flächendeckend vorhandenen von OnkoZert zertifizierten Brustkrebszentren behandelt werden, die der Qualitätsphilosophie, die die ASV auszeichnen soll, mindestens gleichermaßen gerecht werden.

Sinnvolle Selektivverträge

„Es ist einer Patientin nicht zuzumuten, nur deshalb auf die Diagnostik verzichten zu müssen, weil sich ihr Brustkrebszentrum formal (noch) nicht als ASV-Einrichtung definieren lässt“, betont Prof. Dr. Karl-Friedrich Bürrig, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Pathologen (BDP). Der BDP hat sich daher im September 2016 an alle gesetzlichen Krankenkassen gewandt und ein vereinfachtes Verfahren vorgeschlagen, um in Brustkrebsfällen schnell die flächendeckende Versorgung der Patientinnen mit Genexpressionstests zu gewährleisten. Der BDP bietet den Kassen an, dass seine Mitglieder die Diagnostik rasch zu einem attraktiven Preis zur Verfügung stellen. Die Kassen sollen im Gegenzug aus sozialmedizinischen Gründen den bei ihnen versicherten Brustkrebspatientinnen die Genexpressionsdiagnostik als selbstbeschaffte Leis­tung erstatten. Die Abwicklung über einen vorbereiteten Selektiv­vertrag könnte sofort erfolgen.

Der BDP konnte schon erste positive Reaktionen der Kassen auf seinen Vorschlag verzeichnen und setzt darauf, dass die anderen Kassen sich ebenso offen zeigen. Die Kassenseite hat schon in den letzten Monaten patientenfreundlichen Regelungen für die molekularpathologische Tumordiagnostik zugestimmt. Das zum 01.07.2016 geltende EBM Kapitel 19.4 „In-vitro-Diagnostik tumorgenetischer Veränderungen“ ist dafür ein guter Beleg.

Tatsächlich scheint, abseits der neuen ASV-Richtlinie, die Möglichkeit selektivvertraglicher Regelungen neuen Schwung in die Vergütung der Genexpressionsdiagnostik zu bringen. Im Januar 2017 gab die Knappschaft als erste gesetzliche Krankenkasse bekannt, dass sie in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Genomic Health bundesweit den Genexpressionstest Oncotype DX® erstattet. Der BDP befindet sich aktuell in konkreten Verhandlungen zu Selektivverträgen mit bundesweit aufgestellten Krankenkassen. Es bleibt also zu hoffen, dass die Erstattung von molekularpathologischer Genexpressionsdiagnostik weiter beschleunigt werden kann.

*https://www.g-ba.de/informationen/beschluesse/2164/

Weitere Informationen zu den Vorschlägen des BDP erhalten Sie unter: bv@pathologie.de


 
Gisela Kempny Gisela Kempny

Bundesverband Deutscher Pathologen
Robert-Koch-Platz 9
10115 Berlin

E-Mail: bv@pathologie.de

Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
Das könnte Sie auch interessieren
Gesundheitliche Beschwerden nicht auf die leichte Schulter nehmen
Gesundheitliche+Beschwerden+nicht+auf+die+leichte+Schulter+nehmen
Alexander Raths / Fotolia.com

Arzttermine aus Furcht vor dem Coronavirus auf die lange Bank schieben? Davon rät der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums ab. Symptome und Schmerzen sollten ernst genommen und vom Arzt abgeklärt werden. In den meisten Fällen wird es sich nicht um eine schwerwiegende Erkrankung wie Krebs handeln. Wenn aber doch, dann ist es besser, sie möglichst früh zu erkennen und, wenn nötig, sofort zu...

Die Björn Schulz Stiftung
Die+Bj%C3%B6rn+Schulz+Stiftung
© Александра Вишнева / fotolia.com

in Deutschland leben derzeit rund 50.000 Familien mit einem lebensbedrohlich oder lebensverkürzend erkrankten Kind. Ihre Zahl steigt, denn dank des medizinischen Fortschritts haben schwerst- oder unheilbar kranke Kinder heute eine höhere Lebenserwartung als noch vor 20 Jahren. In der für die betroffenen Kinder und Angehörigen schwierigen Situation bieten Kinderhospizdienste eine intensive Begleitung sowie eine umfassende...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Erstattung von molekularpathologischer Genexpressionsdiagnostik beschleunigen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.