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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
26. März 2021
Seite 1/2

Digital News | JOURNAL ONKOLOGIE 03 / 2021

Unsere Digital News im März: Digitalisierung der Tumorboards und Veranstaltungskalender eHealth & Co.
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Digitalisierung der Tumorboards

Das Tumorboard bietet einen effektiven, interdisziplinären Ansatz der Behandlungsplanung maligner Erkrankungen. Mehrere Ärzte unterschiedlicher Disziplinen diskutieren den medizinischen Zustand und die Behandlungsmöglichkeiten eines Patienten. Die Fachrichtung der Teilnehmer folgt der jeweiligen Erkrankung. Regelmäßig dabei sind Onkologen, Chirurgen, Radiologen, Pathologen und Strahlentherapeuten. Aus der Diskussion ergibt sich eine interdisziplinäre Meinung, die zum größten Vorteil des Patienten, aber auch zur Fort- und Weiterbildung der Ärzte genutzt werden kann. Mussten die Parteien hierfür früher noch physisch zusammenkommen, ist heute ein virtuelles Treffen möglich: das digitale Tumorboard.


Die Grundlage der Idee zur Digitalisierung der Tumorboards war die Erkenntnis, dass bei malignen, vor allem seltenen malignen Erkrankungen die Expertise von Spezialisten aus dem ganzen Land oder sogar der ganzen Welt genutzt werden sollte. Durch die Digitalisierung ist das Tumorboard ortsunabhängig durchführbar, da der vergleichsweise hohe organisatorische Aufwand, der mit einem physischen Treffen verbunden ist, entfällt. So entsteht der Kontakt zu anderen Ärzten, der andernfalls nicht zustande gekommen wäre. Gerade in Pandemie-Zeiten ermöglicht die digitalisierte Form das Zusammentreffen von Experten zu einer kontaktfreien Besprechung komplexer onkologischer Fälle.

Auf dem Markt befinden sich eine Reihe von Software-gestützten Angeboten, die in den meisten Fällen aus der Kooperation eines Tumorzentrums oder einer Universität mit einem Pharmaunternehmen und einem auf medizinische Belange spezialisierten IT-Unternehmen fußen. Die meisten Angebote unterscheiden sich hinsichtlich Kosten, Nutzerfreundlichkeit und Effektivität nur marginal voneinander und bieten den Nutzern im Wesentlichen den gleichen Ablauf:

1. Ein Arzt meldet den Patienten digital im Tumorboard an.
2. Der Fall wird an den Leiter des Tumorboards weitergeleitet.
3. Der Leiter sammelt Fälle und legt sie im jeweiligen virtuellen Besprechungsraum ab. Die dazugehörigen Daten werden in der Fachapplikation gespeichert.
4. Der Tumorboard-Leiter stellt ein Behandlungsteam zusammen und organisiert ein digitales Treffen.
5. Die Besprechung wird mit Anhängen und Literatur dokumentiert, um die Fälle genauestens zu protokollieren und einen evidenzbasierten Behandlungsvorschlag machen zu können. Dadurch ist alles, inklusive Originalbefunde, sorgfältig dokumentiert.
6. In der Fachanwendung werden alle relevanten medizinischen Daten sowie die gefällten Entscheidungen und Hinweise dokumentiert.

Durch die Standardisierung des Verfahrens ergeben sich zahlreiche Vorteile:

Enorme Zeitersparnis: In 1,5 Stunden können die Fälle von bis zu 10 Patienten besprochen werden.
Geringer administrativer Aufwand: In der Fachanwendung können alle relevanten medizinischen Daten sowie die getroffenen Entscheidungen und Hinweise dokumentiert werden. Dadurch gelangen alle relevanten Stellen schnell und effizient an die Daten. Zudem stehen statistische Auswertungen zur Verfügung. Das Protokoll jedes Tumorboards wird automatisch via E-Mail versendet.
Verbesserung der Behandlung: Durch das Zusammentreffen der Ärzte nicht nur aus verschiedenen Disziplinen, sondern auch aus unterschiedlichen Institutionen erhöht sich die Qualität der Behandlung.

Allerdings ist eine IT-Lösung kein Garant für einen optimalen Prozess. Multiprofessionelle Tumorkonferenzen sind etablierter Bestandteil der klinischen Routineversorgung von Krebspatienten. Ein Grund ist, dass Studien wie auch die klinische Erfahrung gezeigt haben, dass digital unterstützte Prozesse die Abwicklung von Tumorboards beschleunigen und die Rate an Patienten mit unvollständigen Befunden reduzieren. Neben technischen Schwierigkeiten, die vereinzelt auftreten können, ist ein reibungsloser Ablauf nur dann gewährleistet, wenn bereits beim Aufsetzen eines digitalen Tumorboards die entscheidenden Aspekte Berücksichtigung finden:
Eingabe und Bereitstellung relevanter Befunde
Startpunkt ist die Eingabe und Bereitstellung relevanter Befunde des Patienten für die Tumorkonferenz. Ein digitales Tumorboard erfordert sinnvollerweise ein strukturiertes Diktat oder eine strukturierte Eingabe des Arztes in das jeweilige Programm. Die Definition von zu befüllenden Pflichtfeldern in der Tumorboardeingabe ist schwierig, da manche Informationen bei Eingabe noch nicht aufliegen (können). Vieles bleibt auch „Handarbeit“ bei der Tumorboardeingabe, beispielsweise die Festlegung des endgültigen TNM-Stadiums aus den pathologischen und bildgebenden Befunden. Da hilft auch keine Schnittstelle aus dem Pathologiesystem. Komplizierter wird es zudem, wenn hämatologische Erkrankungen mit ihren doch sehr unterschiedlichen diagnostischen Methoden, Stadienklassifikationen und Risikoscores für das Hämatologische Board eingegeben werden müssen. Der Vorteil des digitalen Tumorboards liegt daher sicher nicht in einer automatischen Befüllung der Felder, sondern in der Aufforderung zu einer vollständigen Eingabe durch den Arzt. Wenn der Prozess so gestaltet ist, dass die digitale Eingabe in das Tumorboard inklusive eines Behandlungsvorschlages durch den Case Manager vollständig erfolgt, beginnt bereits der erste Mehrwert eines digitalen Tumorboards: Teilnehmer anderer Fachdisziplinen können sich anhand der Befunde optimal auf das Board und etwaige fachspezifische Fragen vorbereiten.

Der richtige Mix aus strukturierten Datenfeldern und Freitext in der Tumorboardeingabe/-empfehlung ermöglicht, dass (1) die Diskussion, die zu einer Tumorboardempfehlung geführt hat, als Freitext im Protokoll abgebildet werden kann, und (2) die strukturierten Daten auch für andere Anwendungen verwendet werden können. Behandlungsempfehlungen in einer strukturierten Form können zudem zur Qualitätskontrolle herangezogen werden. Durch die nachfolgende Erfassung der tatsächlich durchgeführten Therapie(n) in der Tumordokumentation kann auch ausgewertet werden, bei wie vielen Patienten die empfohlene Therapie nicht durchgeführt werden konnte.

Bei Wiedervorstellung des Patienten im Board ist eine Übernahme der bereits erfassten Daten sinnvoll, um eine redundante Eingabe von Daten zu vermeiden. Mehr noch, die Übernahme der Daten aus der Tumorkonferenz in die Tumordokumentation und damit medizinische Qualitätssicherung, sollte heutzutage Standard sein. Vorteilhaft ist dabei, dass durch die Vidierung des Tumorboards die Daten für die Tumordokumentation aus ärztlicher Sicht gleichzeitig freigegeben sind.

 
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