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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

14. November 2020 COVID-19: Management und Prävention von Hotspots in der Onkologie

Patienten mit Krebs und COVID-19 haben ein erhöhtes Risiko für ungünstige Verläufe. Die Gesamtmortalität und Schwere der Erkrankung ist bei onkologischen Patienten signifikant höher als für die Allgemeinbevölkerung (13% Krebs + COVID vs. 6% nur COVID (global)). Dies gilt insbesondere, wenn weitere Risikofaktoren wie Alter, männliches Geschlecht und ein ECOG-Performance-Status 2+ hinzukommen. Prof. Dr. Carsten Bokemeyer, Hamburg, informierte auf dem DGHO 2020 über Management und Präventionsmöglichkeiten von Hotspots in der Onkologie.
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Bokemeyer führte eine Studie an, die dieses Jahr auch auf dem ASCO 2020 präsentiert worden ist (1). Darin wurde nachgewiesen, dass Patienten mit thorakalen Malignomen häufig schon aufgrund von Alter, Nikotinabusus und vorbestehender Einschränkung der Lungenfunktion eine Risikogruppe darstellen. In die Studie waren 400 Patienten eingeschlossen (n=400), die mit 35% eine hohe Mortalitätsrate aufwiesen. Dabei wurde festgestellt, dass die Verabreichung von Chemotherapie als alleinige Modalität oder in Kombination mit Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert ist, eine alleinige ICI-Therapie jedoch nicht.

Fallbeispiel COVID-19 und Leukämie

Bokemeyer stellte den Fall eines 34-jährigen Patienten ohne Vorerkrankungen vor, der aufgrund einer Hyperleukozytose eingewiesen wurde. Am 13.03.2020 erhielt der Patient die Diagnose einer akuten lymphatischen Leukämie (B-ALL), BCR-ABL-positiv. Bei der Aufnahme zeigte er keine klinischen Infektzeichen oder Fieber. Fünf Tage später, am 18.03.2020, konnten im Rahmen des PET-Stagings bipulmonale Infiltrate nachgewiesen werden. Aufgrund des bildmorphologischen Verdachts auf COVID-19 wurde eine sofortige mikrobiologische Diagnostik durchgeführt, die eine COVID-19-bedingte Pneumonie zeigte.

Der Patient wurde umgehend isoliert und auf die Intensivstation verlegt. Der Patient entwickelte ein beatmungspflichtiges Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) und wurde 5 Tage lang intensiv beatmet. Parallel wurde gemäß Studienprotokoll eine Induktionstherapie durchgeführt. Die Pneumonie besserte sich im Verlauf deutlich, sodass der Patient auf die COVID-Normalstation verlegt werden konnte. Dort wurden beidseitige Beinvenenthrombosen festgestellt, weshalb auf die PEG-Asparaginase verzichtet wurde.

„Als Fazit kann festgehalten werden“, so Bokemeyer „dass der Patient eine Komplettremission der akuten Leukämie erfuhr. Die COVID-19-Erkrankung galt als komplett ausgeheilt, da sie in Abstrichen nicht mehr nachweisbar war. Es gibt keinerlei Anzeichen für Folgeschäden; der Patient erhält die allogene Transplantation nach Plan.“ Antikörper gegen SARS-CoV-2 waren nicht nachweisbar – die behandelnden Ärzte vermuten einen Zusammenhang mit der Rituximab-haltigen Immunchemotherapie.

Erfahrungen in Management und Prävention

Im Umgang mit onkologischen COVID-19-Patienten haben sich die folgenden Maßnahmen bewährt:
⋅ Einrichtung eines COVID-Bereichs und sofortige Verlegung (COVID-Intensiv- und COVID-Normalstation)
⋅ vorübergehende Arbeit unter Vollschutz in betroffenen Bereichen
⋅ konsequente Quarantänisierung potenziell betroffener Mitarbeiter und Patienten
⋅ Aufbau einer onkologischen Station für COVID-Patienten mit vollständig getrennten Teams (Pflege, Ärzte, Essensversorgung und Reinigungsservice)
⋅ räumliche und personelle Trennung der onkologischen Stationen in 3 Bereiche (Non-COVID/COVID+/Quarantäne-Station)
⋅ interdisziplinäres Betreuungssystem aus Onkologie, Infektiologie, Krankenhaushygiene usw.
⋅ zentrumseigene Task Force – kontinuierliche und offene Kommunikation

„Zur Vermeidung von Hotspots sollte vor allem auf folgende Dinge geachtet werden“, sagte Bokemeyer:
⋅ Umsetzung der Abstandsregeln, Hygieneregeln, Symptomkontrolle telefonisch vor Aufnahme, Aufnahmescreening unter Isolationsbedingungen
⋅ 2x wöchentlich Screening auf onkologischen Stationen
⋅ Screening bei Fieber im Rahmen einer erweiterten klinischen Routine
⋅ Besuchsverbot
⋅ niederschwellige routinierte (7- bis 14-täglich) Mitarbeiter-Testung
⋅ täglich symptombezogene Selbstauskunft der Mitarbeiter
⋅ Arbeiten mit FFP2-Masken in allen onkologischen Bereichen am Patienten
⋅ kontinuierliche Anpassung von Maßnahmen in zentrumsinterner Task Force mit wöchentlichen und On-demand-Meetings

Take-Home-Message

„Wie zu erwarten war, weisen Krebspatienten ein erhöhtes Mortalitätsrisiko bei einer SARS-CoV-2-Infektion auf“, so Bokemeyer. Patienten mit hämatologischen Neoplasien seien besonders stark betroffen, während Patienten mit einer Infektion unter oder kurz nach allogener Knochenmarktransplantation sogar eine dismale Prognose aufwiesen. „Ob es nach einer Infektion zu Immunität kommt, gerade bei hämatologischen Entitäten, ist weiterhin unklar“, betonte Bokemeyer. Daher müssten die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der vulnerablen Patientenpopulation – Masken, Abstand, Testung vor Therapie – auch in den nächsten Monaten gelten.

(sm)

Quelle: Virtuelle Veranstaltung „Essentials SARS-CoV2/COVID-19, Session II“, 11.10.2020, Veranstalter: DGHO

Literatur:

(1) Horn L et al. ASCO 2020, LBA111.


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