Freitag, 25. September 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

16. September 2019
Seite 1/7
Therapieentscheidungen und Sequenztherapie beim metastasierten kolorektalen Karzinom

S. Nöpel-Dünnebacke, A. Reinacher-Schick, Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin, St. Josef-Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum.

Die Überlebenszeit von Patienten mit inoperablem, metastasiertem kolorektalen Karzinom (mCRC) hat sich durch moderne, sequenziell angelegte Behandlungsoptionen wesentlich verlängert. Für die Wahl der optimalen Sequenztherapie sind neben dem Allgemeinzustand der Patienten sowie molekularpathologischen Gesichtspunkten auch die Tumorbiologie, -ausdehnung und -lokalisation entscheidend. Der vorliegende Artikel beleuchtet die aktuell bekannten molekularpathologischen Mechanismen und Subgruppen und erläutert deren Therapiemöglichkeiten. In der Sequenztherapie des mCRC sind mittlerweile neben Mono- und Kombinationstherapien auch Deeskalationsstrategien zur Verbesserung der Lebensqualität entscheidend.
Anzeige:
Fachinformation
mCRC: Molekularpathologie und Genetik
 
Die Entstehung des kolorektalen Karzinoms über den klassischen oder alternativen (serratierten) Karzinogeneseweg ist mittlerweile anerkannt. Durch Mutation von bestimmten Onkogenen (z.B. BRAF, NRAS, KRAS, PI3K etc.) oder den Verlust von Tumorsuppressorgenen (z.B. APC, TP53, SMAD4, PTEN) kommt es zur Tumorentstehung (1). Inzwischen ist gesichert, dass nicht eine Genalteration der Tumorzelle allein für die Entwicklung bzw. den Verlauf einer Erkrankung verantwortlich ist, sondern auch das Microenvironment und vor allem die begleitende Immunreaktion eine Rolle spielen.
 

Erbliche Krebssyndrome und deren Genetik
 
Im Rahmen der Erstdiagnose vor allem bei einem jungen Erkrankungsalter (< 50 Jahre) ist es obligat, eine Familienanamnese zu erheben, um ein familiäres oder hereditäres CRC zu detektieren. Eine positive Familienanamnese findet sich bei ca. 20% aller Patienten, das häufigste hereditäre Tumorsyndrom in Bezug auf CRC stellt das Lynch-Syndrom dar (hereditäres nichtpolypöses Kolonkarzinom (HNPCC)).
 
In der Klinik haben sich Diagnosekriterien als Hilfsmittel zur Detektion des Lynch-Syndroms etabliert: die Amsterdam- bzw. revidierten Bethesda-Kriterien (Tab. 1A/B) (2, 3). Die Inzidenz des Lynch-Syndroms liegt bei ca. 5%. Ursächlich ist eine Keimbahnmutation eines der DNA-Mismatch-Reparaturgene (MLH1, MSH2, MSH6, PMS2, EPCAM). Dies führt charakteristisch schon im jungen Alter zu malignen Erkrankungen, am häufigsten zu einem CRC bzw. unter weiblichen Genträgern zu Endometriumkarzinomen. Ohne entsprechende Vor- und Nachsorge liegt das Lebenszeitrisiko, an einem Malignom zu erkranken, bei ca. 80%. Patienten mit Tumoren aus dem Formenkreis des Lynch-Syndroms und positiven Amsterdam- bzw. Bethesda-Kriterien sollten eine genetische Beratung erhalten.
 
Tab. 1A: Amsterdam-Kriterien (2-4).
Amsterdam-Kriterien
1. Mind. 3 Familienmitglieder mit Lynch-Syndrom-assoziierten Karzinomen
(Kolon/Rektum, Endometrium, Dünndarm, Urothel (Ureter/Nierenbecken))
2. Mind. 2 aufeinanderfolgende Generationen betroffen
3. Ein Familienmitglied erstgradig verwandt mit den beiden anderen
4. Ein Erkrankter zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 50 Jahre
5. Ausschluss einer familiären adenomatösen Polyposis
 
 
Tab. 1B: Revidierte Bethesda-Kriterien (2-4). Lj=Lebensjahr
Revidierte Bethesda-Kriterien
1. Patient mit CRC vor dem 50. Lj
2. Patient mit meta- oder synchronen kolorektalen
oder anderen Lynch-Syndrom-assoziierten Tumoren
(Kolon, Rektum, Endometrium, Magen, Ovar,
Pankreas, Ureter, Nierenbecken, biliäres System,
Gehirn (v.a. Glioblastom), Haut (Talgdrüsenadenome
und -karzinome, Keratoakanthome), Dünndarm)
unabhängig vom Alter bei Diagnose
3. Patient mit CRC vor dem 60. Lj mit typischer
Histologie eines Mikrosatelliten-instabilen
Tumors (Tumor-infiltrierende Lymphozyten,
Crohn‘s like Lesions, muzinöse oder siegel-
ringzellige Differenzierung, medulläres Karzinom)
4. Patient mit CRC, der einen Verwandten 1. Grades
mit einem CRC oder einem Lynch-Syndrom-
assoziierten Tumor vor dem 50. Lj hat
5. Patient mit CRC (unabhängig vom Alter), der mind.
2 Verwandte 1. oder 2. Grades hat, bei denen ein
CRC oder ein Lynch-Syndrom-assoziierter Tumor
(unabhängig vom Alter) diagnostiziert wurde
 
 
Vorherige Seite
...

Anzeige:
Fachinformation

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Therapieentscheidungen und Sequenztherapie beim metastasierten kolorektalen Karzinom"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab