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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

04. Juli 2017 Therapieansätze mit Ponatinib bei multiresistenter CML

Patienten mit stark vorbehandelter chronischer myeloischer Leukämie (CML) profitieren von Ponatinib (Inclusig®) in der Drittlinientherapie. Die Zulassung erfolgte für Patienten, die resistent gegenüber den Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) geworden sind und/oder Unverträglichkeiten gegen die TKIs in der Erst- und Zweitlinientherapie entwickelt haben. Ponatinib umgeht Resistenzbildungen, und für Patienten mit einer T315I-Mutation im BCR-ABL-Gen kann Ponatinib direkt eingesetzt werden. Um Nebenwirkungen der Therapie mit Ponatinib möglichst gering zu halten, empfiehlt PD Dr. Susanne Saußele, Heidelberg, eine Dosisanpassung vorzunehmen.
Ponatinib ist in der Behandlung der chronischen Phase der CML (CP-CML) von großem therapeutischem Interesse, es bindet hochaffin an BCR-ABL und hemmt relevante Tyrosinkinasen der ABL-, SRC-, FGFR-, PDGFR-, VEGFR-Kinase-Familie. Besonders bei Patienten mit Mehrfachmutationen oder mit einer T315I-Mutation im BCR-ABL-Gen ist Ponatinib in der Drittlinie eine sehr wirksame Substanz, um Resistenzbildungen durch weitere Mutationen zu umgehen, im Gegensatz zu den TKIs der ersten und zweiten Generation. Weitere Analysen von Lipton et al. (1) stellten eine bemerkenswerte Wirksamkeit und eine doppelt so hohe Ansprechrate unter Ponatinib gegenüber allen bisher zugelassenen TKIs fest. Die Patienten zeigten insgesamt bessere Ansprechraten, wenn sie weniger stark TKI-vorbehandelt waren. Die Raten für MCyR (major cytogenetic response), CCyR (complete cytogenetic response) und MMR (major molecular response) lagen nach Vorbehandlung mit 2 TKIs (Ponatinib in der Drittlinientherapie) bei jeweils 71%, 65% und 42% und nach Vorbehandlung mit 3 TKIs (Ponatinib in Viertlinientherapie) nur noch bei jeweils 49%, 45% und 37% (2).

Die häufigsten Nebenwirkungen unter Ponatinib sind arterielle Gefäßverschlüsse (Thrombosen) sowie weitere kardiovaskuläre Erkrankungen. Mit einer Dosisanpassung von 45 mg auf 15 mg/Tag kann dieses Risiko jedoch um bis zu 33% gesenkt werden (3). „Bei Patienten mit CP-CML sollte eine Dosisreduktion wirklich in Betracht gezogen werden“, so Saußele. Daten der klinischen Phase-II-Studie PACE (Ponatinib PH-ALL und CML-Evaluation), beruhend auf 4-Jahres-Daten (4) sowie ein Update vom ASCO 2017 (5), bestätigten eine anhaltende Wirksamkeit von Ponatinib über den gesamten Behandlungszeitraum bei Dosisreduktion. Auch eine zytogenetische Remission kann über den gesamten Therapiezeitraum erreicht werden.

(jp)

Quelle: Presseveranstaltung: „Einsatz von Ponatinib (Inclusig®) in der täglichen Praxis – Update zu den Therapie-empfehlungen, 31.05.17, Frankfurt am Main; Veranstalter: Incyte

Literatur:

(1) Lipton JH et al. Leuk Res 2015 Jan; 39(1):58-64.
(2) Hochhaus A et al. American Society of Hematology (ASH) Orlando 2015; Abstract 4025.
(3) Dorer DJ et al. Leuk Res 2016 Sep;48:84-91.
(4) Cortes JE. European Hematology Association (EHA) 2016;133215; Abstract P228.
(5) Kantarjian HM. American Society of Clinical Oncology (ASCO) Annual Meeting 2017; Abstract 7012.


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