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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

26. Juni 2020
Seite 1/3
Roboterchirurgie im Kopf-Hals-Bereich – quo vadis?

C. A. Reichel, M. Canis. Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, LMU Klinikum, München

Die transorale Roboterchirurgie (TORS) hat sich in den letzten Jahren als minimal-invasive Behandlungsmodalität in der Kopf-Hals-Chirurgie etabliert. Zahlreiche klinische Studien haben die (onkologische) Sicherheit dieser sich rasch entwickelnden Technologie bereits gezeigt. Durch eine weitere Miniaturisierung von Operationsrobotersystemen bzw. deren Optimierung für den Kopf-Hals-Bereich könnte das Einsatzspektrum von TORS in naher Zukunft noch verbreitert und ihre Kosteneffizienz gesteigert werden. Die Integration von neuartigen bildgebenden Verfahren, augmented reality (AR) und künstlicher Intelligenz (KI) in TORS im Sinne einer image-guided surgery könnte chirurgische Präzision und Funktionserhalt weiter erhöhen und die Roboterchirurgie somit gegenüber herkömmlichen Operationstechniken im Kopf-Hals-Bereich überlegen werden lassen.

TORS

 
Mit der Einführung der TORS wurde in der Kopf-Hals-Chirurgie ein neues Zeitalter eingeleitet. Im Gegensatz zu offenen Operationstechniken und ähnlich wie bei der transoralen Lasermikrochirurgie (TLM) kann bei TORS auf Hautinzisionen oder invasivere Eingriffe wie z.B. die Schaffung von Zugangswegen über einen Mandibulasplit verzichtet werden. In der Kopf-Hals-Onkologie hat sich dieses minimal-invasive Verfahren inzwischen als sichere Behandlungsmodalität etabliert, welche einen langfristigen Funktionserhalt des oberen Luft-Speise-Wegs ermöglichen und die Intensität einer adjuvanten Therapie vermindern kann (1).
 
Im Jahr 2005 wurde die erste transorale Roboteroperation, eine supra-glottische Laryngektomie, an einem Hundemodell durchgeführt (2). Der erste Fallbericht zum Einsatz von TORS am Patienten wurde noch im gleichen Jahr veröffentlicht (3). Zwei Jahre später wurde die erste klinische Studie zu TORS abgeschlossen (4), bevor 2009 das erste Robotersystem für TORS in den USA von den zuständigen Behörden zugelassen wurde. Roboter führen OPs dabei keineswegs autonom durch, sondern unterstützen den erfahrenen Kopf-Hals-Chirurgen bei seiner Tätigkeit – ähnlich wie digitale Operationsmikroskope in der Ohr- und Speicheldrüsen-Chirurgie oder Winkeloptiken und powered instruments in der Chirurgie der Nasennebenhöhlen und der Schädelbasis: Nach Einsetzen eines geeigneten Retraktors wird zunächst eine Kamera zusammen mit den Armen des Operationsroboters über den Mund des Patienten in dessen Rachen eingeführt. Ein davon entfernt an einer Konsole sitzender Chirurg steuert sodann unter optischer Kontrolle über ein dreidimensionales Kamerabild die Bewegung von Kamera und Roboter-Armen. Letztere können den individuellen Erfordernissen der OP entsprechend flexibel mit unterschiedlichen Instrumenten zum Greifen und Schneiden, zur Elektrokoagulation oder zur Laserbehandlung ausgestattet werden. Ein am Patienten befindlicher Assistent unterstützt den Chirurgen bei der OP, beispielsweise durch das Absaugen von (Körper-)Flüssigkeiten. Die direkte Aufsicht und Möglichkeit der Manipulation bei TORS erlaubt nun auch, En-bloc-Resektionen von Tumoren in aus anatomischen Gründen weniger übersichtlichen Regionen des Kopf-Hals-Bereichs transoral durchzuführen, wohingegen andere minimal-invasive Verfahren wie TLM diese nur tangential zu erreichen und oftmals in Piecemeal-Technik abzutragen vermögen. Voraussetzung für den Einsatz von TORS ist wie bei TLM eine ausreichend gute Exposition des zu resezierenden Prozesses, welche bekanntermaßen von verschiedensten Faktoren wie Mundöffnung, Reklinierbarkeit oder Halslänge des Patienten abhängig ist (5).
 
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