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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. September 2016 Polycythaemia vera: Ruxolitinib auch bei Patienten ohne Splenomegalie in der Zweitlinie wirksam

Myeloproliferative Neoplasien

Patienten mit Polycythaemia vera, bei denen eine Erstlinientherapie mit Hydroxyurea versagt hat oder die diese Substanz nicht vertragen, sprechen auf den JAK-Inhibitor Ruxolitinib besser an als auf alle anderen verfügbaren Therapien. Was bereits für Patienten mit Splenomegalie galt, konnte in der Phase-III-Studie RESPONSE-2 nun auch für Patienten ohne Milzvergrößerung nachgewiesen werden.
Die Polycythaemia vera ist eine myeloproliferative Erkrankung, die durch eine Erythrozytose, den Patienten belastende Symptome und ein erhöhtes thromboembolisches Risiko gekennzeichnet ist. Ein Hauptziel der Therapie ist deshalb die Kontrolle des Hämatokrits. Für Patienten mit und ohne Splenomegalie steht dafür seit einigen Jahren der JAK-Inhibitor Ruxolitinib zur Verfügung, der in der RESPONSE-Studie bei Patienten mit Splenomegalie, die gegen Hydroxyurea resistent waren oder es nicht vertrugen, besser als die bis dato verfügbaren Behandlungen den Hämatokrit kontrollieren konnte, ohne dass dafür eine Phlebotomie erforderlich war. Weil im Gegensatz zur Myelofibrose die Splenomegalie bei der Polyzythämie eine zahlenmäßig viel geringere Rolle spielt, wurde in der RESPONSE-2-Studie die gleiche Fragestellung bei Patienten untersucht, die keine tastbare Vergrößerung der Milz aufwiesen. Die ersten Ergebnisse stellte Francesco Passamonti, Varese, beim 21. Kongress der European Hematology Association (EHA) in Kopenhagen vor.

149 Patienten mit Polycythaemia vera, die resistent gegenüber Hydroxy-urea waren oder es nicht vertrugen, aber keine Splenomegalie aufwiesen, wurden randomisiert, entweder Ruxolitinib oder die beste verfügbare konventionelle Therapie zu erhalten. 70,5% der Patienten hatten vor Einschluss in die Studie nur eine einzige Therapielinie (Hydroxyurea) erhalten. Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten, die nach 28 Wochen eine Kontrolle des Hämatokrits erreicht hatten, ohne dass zwischen der 8. und der 28. Woche nach Beginn der Therapie eine Phlebotomie nötig war. Das war im Ruxolitinib-Arm bei 62% der Patienten der Fall, im Kontrollarm nur bei 19% (p<0,0001). 23% der Patienten erreichten unter Ruxolitinib, aber nur 5,3% unter Kontrolltherapie eine komplette hämatologische Remission. Zum gleichen Zeitpunkt zeigten 45% der Verum-, aber nur 23% der Kontrollpatienten eine mindestens 50%ige Reduktion der Symptome, bestimmt mit dem MPN-SAF TSS (Myeloproliferative Neoplasm Symptom Assessment Form Total Symptom Score); bei 50% vs. 7,7% verschwanden die Symptome vollständig (p=0,0006).

Zusammen mit den Resultaten der RESPONSE-Studie gestatten diese Ergebnisse laut Passamonti die Aussage, dass Ruxolitinib als Standard-Zweitlinientherapie für alle Patienten mit Polycythaemia vera nach Behandlung mit Hydroxyurea angesehen werden kann, unabhängig vom Vorliegen einer Splenomegalie.


Myelofibrose: Ruxolitinib auch nach 5 Jahren noch wirksam und sicher

Auch bei Patienten mit primärer Myelofibrose führt Ruxolitinib zu einer raschen Verbesserung von Splenomegalie und Symptomatik und verlängert das Überleben der Patienten gegenüber den besten verfügbaren konventionellen Therapien, wie die 5-Jahres-Ergebnisse der COMFORT-I-Studie zeigen: In dieser Studie wurden 309 Patienten mit Myelofibrose der Risikoklassen Intermediär-2 und Hochrisiko auf Ruxolitinib oder Placebo randomisiert. Nach der ersten Interimsanalyse (nachdem alle Patienten 24 und die Hälfte 36 Wochen der Behandlung hinter sich hatten) bzw. zu jedem Zeitpunkt bei einer Verschlechterung der Spenomegalie, war für Patienten des Placeboarms ein Crossover zu Ruxolitinib möglich. Primärer Endpunkt war der Anteil an Patienten, der nach 24 Wochen eine mindestens 35%ige Reduktion des Milzvolumens erreicht hatte. In diesem Punkt konnte Ruxolitinib seine Überlegenheit gegenüber Placebo überzeugend zeigen, was zusammen mit den Ergebnissen der COMFORT-II-Studie, die den Inhibitor gegen die beste verfügbare Therapie getestet hatte, zur Zulassung führte. Die 5-Jahres-Ergebnisse, die Srdan Verstovsek, Houston, in Kopenhagen vorstellte, bestätigten, was bereits in der 3-Jahres-Analyse erkennbar war, dass nämlich der Vorteil durch Ruxolitinib über die Zeit anhält: Die mediane Dauer der mindestens 35%igen Milzgrößenreduktion liegt bei 168 Wochen; die Verkleinerung wurde ebenso von den Patienten erreicht, die vom Placeboarm zu Ruxolitinib wechselten.


Vorteil im Gesamtüberleben unter Ruxolitinib im Vergleich zu Placebo oder bester verfügbarer Therapie

Obwohl zwei Drittel der Patienten im Placeboarm von dieser Möglichkeit Gebrauch machten, findet sich auch nach 5 Jahren noch ein signifikanter Unterschied in den Überlebenskurven zwischen den beiden Gruppen: Mit einer Hazard Ratio von 0,69 konnte Ruxolitinib, von Anfang an gegeben, das Mortalitätsrisiko um 31% reduzieren (p=0,025).

Da aus der COMFORT-II-Studie ähnliche 5-Jahres-Ergebnisse bekannt wurden, kann Ruxolitinib damit als sichere Therapieoption für Patienten mit Myelofibrose betrachtet werden, deren Wirksamkeit und Verträglichkeit auch nach 5 Jahren noch anhalten.


Mit freundlicher Unterstützung der Novartis Pharma GmbH

(jg)


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