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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. Juli 2020
Seite 1/4
Operative Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms

M. J. Schnabel, M. Burger, W. Otto, Klinik für Urologie, Caritas-Krankenhaus St. Josef, Lehrstuhl des Universität Regensburg.

Das Nierenzellkarzinom (RCC) hat in Deutschland eine Inzidenz von 3% und stellt mit 99% die häufigste Entität aller malignen Nierentumoren dar (1). In der Regel handelt es sich hierbei um einen asymptomatischen Zufallsbefund im Rahmen einer Abdomen-Sonographie oder Schnittbildgebung. Die klassische Symptomtrias aus palpablem Tumor, Makrohämaturie und Flankenschmerzen ist eine Rarität geworden. Unabhängig von der Tumorgröße kann bereits bei Erstdiagnose eine metastasierte Tumorerkrankung vorliegen, dies ist bei 11% der Patienten der Fall (1). Im folgenden Artikel möchten wir den Stellenwert der chirurgischen Therapie im metastasierten Erkrankungsstadium beleuchten und insbesondere Bezug auf die intensive Diskussion im Nachgang der Veröffentlichung der CARMENA-Studie vor 2 Jahren nehmen (2).
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Risikoklassifikation

 
Patienten mit einem metastasierten RCC befinden sich in einer palliativen Situation, allein aufgrund der Metastasierung kann jedoch keine klare Prognose abgeleitet werden. Verschiedene Prognosemodelle wurden entwickelt, um den weiteren Erkrankungsverlauf abschätzen zu können. Mit den 2002 veröffentlichten Memorial Sloan Kettering Cancer Center (MSKCC Motzer Score For Renal Cell Carcinoma Calculator)-Kriterien wurde eine Kategorisierung in 3 Prognosegruppen für das klarzellige RCC etabliert (3). Als Risikofaktoren für dieses Modell wurden genutzt: eine erhöhte Laktatdehydrogenase (LDH), ein erniedrigtes Hämoglobin (Hb), ein erhöhtes Serum-korrigiertes Kalzium, ein Karnofsky-Performance-Status < 80% und die Zeit bis zum Auftreten von Metastasen < 1 Jahr. Die Gruppe mit guter Prognose (ohne Risikofaktor) wies ein medianes progressionsfreies Überleben (mPFS) von 8,3 Monaten und ein medianes Gesamtüberleben (mOS) von 29,6 Monaten auf. Die intermediäre Gruppe (mit 1-2 Risikofaktoren) zeigte ein mPFS von 5,1 Monaten und ein mOS von 13,8 Monaten. Die Gruppe mit schlechter Prognose (3-5 Risikofaktoren) hatte ein mPFS von 2,5 Monaten und ein mOS von 4,9 Monaten. Da die Arbeit von Motzer et al. auf Patienten unter Interferon-Therapie basiert, ist eine Übertragung in die aktuelle Therapielandschaft nur eingeschränkt möglich. Eine Aktualisierung erfolgte 2009 mit den IMDC (International Metastatic RCC Database Consortium)-Kriterien, die an Patienten unter Therapie mit Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) erstellt wurden (4). Als Risikofaktoren wurden hierbei neben den bereits von Motzer ausgewiesenen Faktoren eine erhöhte Thrombozytenzahl und eine erhöhte Neutrophilenzahl integriert, die LDH wurde von Heng nicht berücksichtigt (Tab. 1). Erwartungsgemäß hatte sich die Prognose der TKI-Patienten in allen 3 Prognosegruppen gebessert (Tab. 2). Eine etablierte und validierte Risikoklassifikation für Patienten unter Checkpoint-Inhibitoren (CI) ist bisher nicht vorhanden.
 
Tab. 1: Vergleich der Risikofaktoren nach Motzer und Heng (3, 5).
Risikofaktoren

 
Tab. 2: Vergleich der Prognose nach Motzer und Heng (3, 5). OS=Gesamtüberleben
Prognose

 
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