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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. April 2020
Seite 1/3
Neuroendokrine Neoplasien: Behandlung funktioneller Syndrome

D. Hörsch, R. Fijalkowski.
Innere Medizin/Gastroenterologie und Endokrinologie, Zentrum für neuroendokrine Tumore Bad Berka – ENETS Center of Excellence

Endokrin aktive Zellen des diffusen neuroendokrinen Systems gelten als Ursprungszellen der Neuroendokrinen Neoplasien (NEN). Je nach Sitz des Primärtumors sind zwischen 20-40% der NEN durch die autonome Sekretion von Hormonen funktionell aktiv. Diese funktionellen Syndrome sind durch die Klinik und den serologischen Nachweis der Hormonsekretion definiert. Funktionelle Syndrome können im Verlauf der Erkrankung manifest werden, und es können mehrere Syndrome parallel existieren. Funktionelle Syndrome lassen sich durch die Behandlung der NEN und durch medikamentöse Therapieansätze behandeln.
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Das diffuse neuroendokrine System besteht aus einzelnen oder gruppierten Zellen in vielen Organen und reguliert zahlreiche physiologische Prozesse, z.B. die Magensäuresekretion durch Gastrin-produzierende G-Zellen, die Blutzuckerregulation durch Insulin- und Glukagon-produzierende ß- und α-Zellen oder die intestinale Motilität durch Serotonin-produzierende enterochromaffine (EC) Zellen. NEN entstehen durch die maligne Transformation von Zellen des diffusen neuroendokrinen Systems. Diese Tumoren sind meistens nicht funktionell aktiv. Bei einem Teil der Patienten entwickeln sich jedoch klinische Syndrome durch die autonome Sekretion von Hormonen. Diese funktionellen Syndrome fallen durch typische klinische Präsentation auf und werden durch die Klinik und den Nachweis einer erhöhten Hormonsekretion definiert. Der alleinige immunhistochemische Nachweis von Hormonen in den neuroendokrine Neoplasien qualifiziert nicht für eine funktionelle Aktivität (1-4). Im Folgenden werden typische funktionelle Syndrome und ihre medikamentöse Behandlung vorgestellt.
 

Karzinoidsyndrom
 
Das Karzinoidsyndrom entsteht durch eine Hypersekretion von Serotonin und anderen Hormonen wie Neurokininen und Tachykininen in 20-30% der NEN, die aus EC-Zellen entstehen. Diese Tumoren wurden 1907 zum ersten Mal beschrieben und als Karzinoide bezeichnet. NEN aus EC-Zellen kommen v.a. im Dünndarm, Appendix und im Bronchialsystem vor. Sie sind gekennzeichnet von sekretorischer Diarrhoe, anfallsartigen Gesichts- und Hautrötungen (Flush), Luftnot durch bronchiale Konstriktionen und Kreislaufstörungen. Bei hohen Serotoninspiegeln kann bei einem Teil der Patienten eine rechtsseitige Herzerkrankung entstehen. Diese Karzinoidherzerkrankung ist eine Fibrosierung der rechten Herzkammern mit Stenosen/Insuffizienzen der Pulmonalklappe und der Trikuspidalklappe.
 
Somatostatin-14 und Somatostatin-18 sind körpereigene Hormone, die die Sekretion von Hormonen vieler endokrinen Zellen inhibieren. NEN können Somatostatin-Rezeptoren überexprimieren, was für die Bildgebung mittels Somatostatin-Rezeptor PET/CT und die Therapie durch eine Peptidrezeptor-vermittelte Radionuklidtherapie ausgenutzt wird. Somatostatine reduzieren effektiv die autonome Sekretion von Serotonin funktionell aktiver NEN. Durch die kurze Halbwertszeit sind Somatostatine jedoch klinisch nur i.v. einsetzbar. Somatostatin-Analoga zeichnen sich durch eine längere Halbwertszeit aus und sind als Depotpräparate verfügbar. Octreotid-LAR (Sandostatin-LAR®) oder Lanreotide-Autogel (Somatuline-Autogel®) sind für eine 4-wöchentliche Injektion zugelassen. Sofern diese Medikation nicht ausreicht, kann zusätzlich kurz-wirksames Octreotid s.c. oder i.v. verabreicht werden. Somatostatin-Analoga sind die Basistherapie des Karzinoidsyndroms und können bei den meisten Patienten die Symptome gut beherrschen. Eine weitere Option ist Interferon-α, das aber eine höhere Nebenwirkungsrate hat und daher wenig eingesetzt wird.
 
Circa 20% der Patienten mit einem Karzinoidsyndrom werden im Verlauf der Erkrankung Somatostatin-Analoga-resistent. Hier kann zusätzlich zu Somatostatin-Analoga ein peripherer Serotonin-Synthese-Hemmer verabreicht werden. Telotristatethyl ist ein Tryptophanhydroxylase-Inhibitor und reduziert die Serotoninspiegel im peripheren Gewebe, nicht aber zentralnervös. Die Wirkung von Telotristat-ethyl konnte in 2 zulassungsrelevanten Phase-III-Studien gezeigt werden. Telotristatethyl reduziert v.a. die Anzahl der Diarrhoen und steigert dadurch die Lebensqualität. Die Wirkung auf die Anzahl der Flushs und abdominelle Schmerzen ist weniger ausgeprägt. Seit Oktober 2017 ist Telotristatethyl (Xermelo®) in einer Dosierung von 3x 250 mg zusätzlich zu Somatostatin-Analoga zugelassen. Die meisten Nebenwirkungen von Telotristatethyl betreffen gastrointestinale Störungen. Depressionen treten unter der Therapie mit Telotristatethyl gering vermehrt auf und können i.d.R. gut behandelt werden. Telotristatethyl sollte mit Mahlzeiten eingenommen werden (1-6).
 
 
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