Donnerstag, 18. April 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. Juni 2016 Multiples Myelom: Verbesserte Prognose durch neue Behandlungsoptionen mit Panobinostat

Der Fortschritt bei den Therapiemöglichkeiten des Multiplen Myeloms (MM) sei „imposant“, und die Prognose für die Patienten habe sich deutlich verbessert, stellte Prof. Monika Engelhardt, Freiburg, bei einem Pressegespräch in Freiburg heraus. Seit 2015 wurden insgesamt 7 neue Medikamente zur Behandlung des MM in Deutschland zugelassen, darunter der Histon-Deacetylase(HDAC)-Inhibitor Panobinostat (Farydak®), der in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason eine neue Möglichkeit der Behandlung eröffnet.
Anzeige:
Mit 4-6 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner jährlich zählt das MM zu den häufigsten malignen hämatologischen Erkrankungen (1). Trotz großer therapeutischer Fortschritte in den letzten Jahren besteht bei Rezidivraten von > 90% der Bedarf an neuen Therapiemöglichkeiten (2, 3). Die Behandlung des MM beinhaltet eine initiale Induktionstherapie und eine darauf folgende, von Alter und Fitness abhängige Hochdosistherapie mit allogener oder autologer Stammzelltransplantation (SZT) (1). Ziel der anschließenden Erhaltungstherapie ist es, das therapiefreie Intervall und das Gesamtüberleben (OS) zu verlängern (1).

Neben den bekannten Therapiemöglichkeiten durch Chemotherapie (Glukokortikoide und Alkylanzien), Bestrahlung und SZT gibt es neue Substanzklassen wie Proteasom-Inhibitoren (PI), immunmodulatorische Substanzen (IMiDs), HDAC-Inhibitoren und Antikörper, die eine gezieltere Behandlung ermöglichen. Die Therapiemöglichkeiten sind vielfältig geworden und „allein bei der Entität MM haben wir 55 Therapieprotokolle aufgestellt“, sagte Engelhardt. Besonders die Kombination von bekannten mit neuen Substanzklassen ermöglicht zahlreiche Protokolle zur gezielten Behandlung der Erkrankung und stellt somit eine Verbesserung für die Patienten dar.


Panobinostat: Eine neue Behandlungsoption beim MM

Prof. Ralph Wäsch, Freiburg, berichtete über den Einsatz von Panobinostat in der MM-Therapie. Seit August 2015 ist Panobinostat in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason in der EU zugelassen. Damit steht erwachsenen Patienten mit rezidiviertem bzw. rezidiviertem und refraktärem MM, die mindestens 2 vorausgegangene Behandlungen, darunter  Bortezomib + IMiD, erhalten haben, eine neue, wichtige Therapieoption zur Verfügung (4).

Die Wirksamkeit und Sicherheit der Kombination Panobinostat + Bortezomib + Dexamethason (FVD) beim MM wurde in der Phase-III-Studie PANORAMA-1 überprüft (5). Unter der Panobinostat-Kombination zeigte sich im Vergleich zum Kontrollarm (VD) eine Verlängerung des medianen progressionsfreien Überlebens (PFS) um 7,8 Monate: Mit Panobinostat lag das PFS bei 12,5 Monaten, ohne Panobinostat bei 4,7 Monaten (HR=0,47) (Abb. 1) (4). Zudem erzielten 21,3% der Patienten mit Panobinostat eine tiefe Remission im Sinne eines vollständigen (CR) oder nahezu vollständigen Ansprechens (nCR) und damit mehr als doppelt so viele wie in der Vergleichsgruppe (8,1%) (4). Das Erreichen einer tiefen Remission ist von prognostischer Bedeutung im Hinblick auf das OS (medianes OS nach 60 Monaten nicht erreicht vs. 25,4 Monate; HR=0,22; 95%-KI 0,09-0,55) (5).

Zudem wurde mit der Panobinostat-Kombinationstherapie ein verlängertes therapiefreies Intervall erreicht, so konnte die Behandlung durchschnittlich für 4,7 Monate ausgesetzt werden, ohne dass es zu einem Progress der Erkrankung kam (4). Es konnten Nebenwirkungen vom Grad 3/4 festgestellt werden: Thrombozytopenie (67%), Lymphopenie (53%), Diarrhoe (26%) und Asthenie/Fatigue (24%) (5). Die mittlerweile etablierte subkutane Gabe von Bortezomib verbessert die Verträglichkeit im Vergleich zur intravenösen Applikation.

Insgesamt haben sich auf dem Gebiet des MM in den letzten Jahren beeindruckende Entwicklungen vollzogen. Die mannigfaltigen Möglichkeiten erfordern die Arbeit und den Austausch in einem interdisziplinären Team, um die bestmöglichen Therapieentscheidungen zu treffen. Neue Therapieansätze und interdisziplinäre Zusammenarbeit sind die Schlüsselfaktoren einer erfolgreichen Myelom-Therapie.

(ma)

Quelle: Pressegespräch „Das Multiple Myelom umfassend therapieren – eine 360° Betrachtung“, 12.05.2016, Freiburg; Veranstalter: Novartis Oncology

Literatur:

(1) Naegele M et al. Heilberufe 2016; 68(2):24-27.
(2) Kortüm M et al. DGHO Leitlinie Multiples Myelom. www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/multiples-myelom/@@view/html/index.html
(3) Goldschmidt H. Onkologe 2014; 20:250-56.
(4) Richardson PG et al. Blood 2016;127(6):713-21.
(5) San-Miguel et al. Lancet Oncol 2014;15:1195-206.


Das könnte Sie auch interessieren

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst
© pressmaster / Fotolia.com

Sieben von zehn Menschen in Deutschland fürchten sich am meisten vor Krebs. Bei Erwachsenen zwischen 30 und 44 Jahren und Frauen ist die Angst besonders groß. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Studie der DAK-Gesundheit. Ein weiteres zentrales Ergebnis: Das Engagement für die eigene Gesundheit wächst. Immer mehr Menschen gehen zu Vorsorgeuntersuchungen und halten sich mit Sport und gesunder Ernährung fit.

Deutsche Bevölkerung hat große Angst vor Krebs und weiß wenig über moderne Krebstherapien

„Vor welcher Krankheit haben Sie persönlich am meisten Angst, dass Sie daran erkranken könnten?“ – Diese Frage stellte das Meinungsforschungsinstitut forsa in einer aktuellen repräsentativen Umfrage. Ergebnis: 57 Prozent der befragten Deutschen nennen Krebs an erster Stelle. Damit führt Krebs das Feld der gefürchtetsten Krankheiten mit großem Abstand an. Wie gleichzeitig ermittelt wurde, hat nur ein Drittel der Befragten* in letzter Zeit...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Multiples Myelom: Verbesserte Prognose durch neue Behandlungsoptionen mit Panobinostat"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.