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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. Mai 2019
Seite 1/4
Immuntherapie bei neuroendokrinen Neoplasien (NEN)

B. Cremer1, H. Lahner2. 1Universität zu Köln, Klinik I f. Innere Medizin, Köln, 2Universitätsklinikum Essen, Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechselerkrankungen, Essen.

Neuroendokrine Neoplasien (NEN) sind eine heterogene Gruppe von Tumorentitäten, die zum einen die gut differenzierten neuroendokrinen Tumoren (NET), zum anderen die neuroendokrinen Karzinome (NEC) beinhalten. Die metastasierten NET werden meist mit Somatostatin-Analoga (SSA), Peptidradiorezeptortherapie (PRRT), lokal-/regional-ablativen Verfahren sowie zielgerichteten Therapien behandelt. Der Goldstandard bei den aggressiven NEC im Stadium IV ist hingegen die Chemotherapie. Mit den Immun-Checkpoint-Inhibitoren (CIs) könnte sich insbesondere für Patienten mit NEC oder NET G3, Mikrosatelliteninstabilität (MSI) oder hoher Tumormutationslast (TMB) eine neue Therapieoption ergeben.
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NEN zählen zu den seltenen Tumorerkrankungen und kommen bevorzugt im gastroenteropankreatischen sowie im bronchopulmonalen System mit einer Inzidenz von 6,98/100.000 vor (1). Die WHO-Klassifikation von 2017 für pankreatische NEN unterteilt einerseits in histomorphologisch differenzierte NET mit unterschiedlicher Proliferation (NET G1: < 3% Ki67-Index, NET G2: 3-20% Ki67-Index, NET G3: > 20% Ki67-Index). Andererseits werden die histomorphologisch schlecht differenzierten NEC davon unterschieden, die stets einen Ki67-Index > 20% aufweisen und somit immer G3 sind. Eine besondere Herausforderung stellt die Überlappung differenzierter NET mit undifferenzierten NEC im Ki67-Bereich zwischen 20% und ca. 55% dar (2). Die saubere Trennung der Entitäten ist ausschlaggebend für die optimale Therapieauswahl.

Trotz eines kontinuierlichen medizinischen Fortschritts sind die Therapieoptionen für Patienten mit metastasierten NEN, insbesondere für Patienten mit aggressiven NEC, weiterhin limitiert. Im Zuge der neuen Immuntherapien, insbesondere der CIs, hat sich für andere Tumorentitäten mittlerweile eine neue hoffnungsvolle Therapieoption entwickelt. Ob sich diese für die NEN ebenso abbilden wird, möchten wir in diesem Artikel näher beleuchten.


Etablierte Therapiekonzepte

Die metastasierten differenzierten NET sind i.d.R. zunächst gut kontrollierbar durch die antiproliferativ und antisekretorisch wirksamen SSA, die PRRT – bei positiver Somatostatinrezeptor-Bildgebung – und die zielgerichtete Therapie (Everolimus). Pankreatische NET lassen sich systemisch zusätzlich mit einer Streptozotocin-basierten Chemotherapie oder Sunitinib behandeln. Aber auch der wiederholte Einsatz lokal-ablativer Verfahren wie Radiofrequenzablation (RFA), Mikrowellenablation (MWA), transarterielle (Chemo)embolisation (TAE/TACE) oder selektive interne Radiotherapie (SIRT) kann zu längerfristiger Krankheitskontrolle führen.

Die fortgeschrittenen gering differenzierten NEC hingegen werden meist chemotherapeutisch behandelt und zeigen häufig nur ein kurzes Gesamtüberleben von weniger als 12 Monaten. Die Behandlungsmöglichkeiten sind hier limitiert (3).

 
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