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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

16. September 2019 Daten zum Einsatz von Ruxolitinib bei Patienten mit Myelofibrose und Polycythaemia Vera

Langzeitsicherheitsdaten zum JAK-Inhibitor Ruxolitinib (Jakavi®*) bei Patienten mit Myelofibrose (MF) stellte Fiorenza Barraco, Pierre-Bénite, Frankreich, vor (1). Ziel der nicht-interventionellen post-authorization safety study (PASS) war es, Daten aus dem klinischen Alltag zur Langzeitsicherheit von Ruxolitinib bei 462 Patienten mit primärer oder sekundärer MF zu generieren. Zudem wurden interessante Daten der britischen Phase-II-Studie MAJIC PV bei Patienten mit Polycythaemia Vera (PV) präsentiert (2).
In der PASS erhielt ein Teil der MF-Patienten bereits Ruxolitinib (bestehende Anwender, n=260), ein anderer Teil wurde neu auf den JAK-Inhibitor eingestellt (Neu-Anwender, n=32). 170 Patienten blieben ohne Ruxolitinib-Therapie (Nicht-Anwender), doch wurden 57 dieser Patienten im Laufe der Studie auf den JAK-Inhibitor eingestellt (Switch-Gruppe). Primärer Endpunkt war die Inzidenz von Nebenwirkungen (adverse drug reactions (ADR)) und schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (serious adverse events (SAE)). Die statistische Auswertung wurde durchgeführt, nachdem der letzte Patient 3 Jahre an der Studie teilgenommen hatte.

Die auf die Expositionszeit adjustierten Inzidenzraten an ADR und SAE waren zwischen den Neu-Anwendern und bestehenden Anwendern vergleichbar und lagen bei 19% (ADR) bzw. 25% (SAE). In der Switch-Kohorte waren die Werte leicht erhöht (ADR: 33,4%; SAE: 29,1%).

Insgesamt waren die Real-world-Langzeitdaten zur Sicherheit von Ruxolitinib bei MF konsistent mit den Ergebnissen der zulassungsrelevanten Phase-III-Studien COMFORT I/II. Es gab keine neuen Sicherheitssignale im Langzeitverlauf. Die PASS umfasste allerdings eine breitere Patientenpopulation und schloss auch Patienten mit niedrigerem Risiko sowie ältere Patienten ein. Die aktuellen Daten untermauern die Evidenz für den sicheren Langzeiteinsatz von Ruxolitinib bei Patienten mit MF.

Neben der MF ist Ruxolitinib auch indiziert bei Patienten mit PV, die resis-tent gegen Hydroxyurea (HU) sind oder die Substanz nicht vertragen. Die MAJIC PV-Studie verglich bei PV-Patienten, die diese Kriterien erfüllten, das molekulare Ansprechen, das binnen eines Jahres unter einer Behandlung mit Ruxolitinib erreicht wurde, mit dem unter der besten verfügbaren Behandlung (BAT). In einem zweiten Schritt wurde mittels statistischer Methoden ermittelt, ob das molekulare Ansprechen in beiden Behandlungsarmen mit klinischen Endpunkten korrelierte. Wie Natalia Curto-Garcia, Birmingham, UK, berichtete, erreichten die Patienten im Ruxolitinib-Arm nach den Kriterien des European LeukemiaNet (ELN) 20 partielle molekulare Remissionen (PR: 29%) und in 48 Fällen ein Nicht-Ansprechen (NR: 71%), die Patienten im BAT-Arm entsprechend 10 PR (18%) und 46 NR (82%). Wurden die Patienten mit NR nach dem Ausmaß ihrer Krankheitsprogression weiter kategorisiert (Anstieg der JAK2-V617F-Allellast um 25-50% (PROG+) oder > 50% (PROG++)), zeigten sich auch hier Vorteile für Ruxolitinib gegenüber BAT. Von den 48 NR-Patienten unter Ruxolitinib hatten 2 PROG+ und 6 PROG++, von den 46 NR-Patienten unter BAT hatten 5 PROG+ und 3 PROG++.

Es fanden sich keine signifikanten Korrelationen zwischen dem molekularen Ansprechen (CR/PR, NR) und dem besten klinischen hämatologischen Ansprechen innerhalb eines Jahres (p=0,22), der Transformation der Erkrankung (p=0,63) und dem Auftreten hämorrhagischer Ereignisse (p=0,83). Allerdings korrelierte das molekulare Ansprechen nach einem Jahr signifikant mit dem Auftreten thrombotischer Ereignisse zu allen Studienzeitpunkten (p=0,01). Es zeigte sich auch ein Trend zu einer -Korrelation zwischen PROG+/++ und thrombotischen Ereignissen (p=0,07) sowie zwischen dem molekularen Ansprechen und einem verbesserten progressionsfreien Überleben (PFS, p=0,039).

Laut Curto-Garcia ist es mit dieser Untersuchung erstmals gelungen, eine Korrelation zwischen dem molekularen Ansprechen (CR/PR) und einem verminderten Thromboserisiko sowie einer Reduktion von thrombotischen und PFS-Ereignissen (Progress oder Tod) nachzuweisen. Diese Erkenntnisse könnten zukünftig sowohl das therapeutische Paradigma als auch das Monitoring der PV verändern.


Mit freundlicher Unterstützung der Novartis Pharma GmbH


* Jakavi® ist angezeigt für die Behandlung von
- krankheitsbedingter Splenomegalie oder Symptomen bei Erwachsenen mit primärer Myelofibrose (auch bekannt als chronische idiopathische Myelofibrose), Post-Polycythaemia-Vera-Myelofibrose oder Post-Essentieller-Thrombozythämie-Myelofibrose.
- Erwachsenen mit Polycythaemia Vera, die resistent oder intolerant gegenüber Hydroxycarbamid sind (3).

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Quelle: EHA 2019

Literatur:

1. Barraco F, Greil R, Herbrecht R et al. Real-world safety data from a non-interventional long-term postauthorization safety study of ruxolitinib in myelofibrosis. EHA, 14.06.2019; Abstract PF679.
2. Curto-Garcia N, Baxter J, Harris E et al. Molecular analysis in MAJIC PV correlation with clinical endpoints. EHA, 16.06.2019; Abstract S1607.
3. Fachinformation Jakavi®.


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