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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. Oktober 2019
Seite 1/2
Dünndarmkarzinome: Diagnose, Therapie und Follow-up

W. Scheithauer, Universitätsklinik für Innere Medizin I & CCC, Abteilung für klinische Onkologie, MedUniWien.

Maligne Tumoren, die vom Dünndarm ihren Ausgang nehmen, sind sehr selten. Obwohl der Dünndarm mit seinen 3 Abschnitten Duodenum, Jejunum und Ileum mit 75% den längsten Abschnitt im Verdauungstrakt darstellt und 90% der absorptiven Oberfläche des Gastrointestinaltraktes beinhaltet, ist die Inzidenzrate um das 50- bis 100-Fache geringer als jene des kolorektalen Karzinoms (CRC) (1). Die Ursachen für diese auffallende Diskrepanz sind unklar, theoretisch werden die relative Sterilität des Dünndarms, die rasche Transitzeit in diesem Darmabschnitt und die bessere Tumorimmunität und Überwachung durch vermehrt vorhandene Lymphoidaggregate und erhöhte IgA-Konzentrationen im Dünn- im Vergleich zum Dickdarm diskutiert (2, 3).
Bei den malignen Dünndarmtumoren handelt es sich um verschiedene histologische Subtypen inklusive Adenokarzinome, Lymphome, Sarkome und neuroendokrine Tumoren. Über die Ätiologie dieser Tumorerkrankungen ist wenig bekannt, ein erhöhtes Risiko wurde bei Patienten mit M. Crohn, Zöliakie, Dünndarmadenomen, familiärer adenomatöser Polyposis und Peutz-Jeghers-Syndrom festgestellt. Angeborene oder erworbene Immundefekte (HIV-Infektion, Zustand nach Organtransplantation, Therapie mit Immunsuppressiva) stellen ebenfalls Risikofaktoren dar. Bestimmte Lebensgewohnheiten wie reichlicher Konsum von rotem oder geräuchertem Fleisch, Adipositas und -Nikotinabusus wurden als potenzielle exogene Risikofaktoren beschrieben.
 
Die Prognose der Adenokarzinome des Dünndarms (auf die sich der Artikel im Weiteren beschränkt) ist in Relation zum CRC – trotz vieler Gemeinsamkeiten wie der Entstehung über die Adenom-Karzinom-Sequenz, dem Auftreten der Tumoren innerhalb derselben Individuen (3-5) sowie dem identischen klinischen Management – signifikant schlechter (4). Die 5-Jahres-Überlebensrate der Dünndarmkarzinome variiert zwischen 50-60% im Stadium I und < 5% im Stadium IV. Die exakte Ursache für den ungünstigeren Krankheitsverlauf ist ungewiss, Unterschiede in der Detektion und Diagnosestellung könnten eine Rolle spielen. Frühsymptome, die auf das Vorliegen eines Dünndarmtumors hinweisen, sind praktisch inexistent. Beschwerden treten i.d.R. erst mit zunehmender Tumorgröße auf. Bei 40% aller Patienten bestehen bei der Erstdiagnose bereits Fernmetastasen. Mögliche klinische Symptome umfassen abdominelle Schmerzen, Anzeichen einer intestinalen Obstruktion, gastrointestinale Blutungen, Anorexie, Gewichtsverlust und Ikterus (im Falle eines duodenalen Primärtumors).
 

Diagnostik
 
Zur Abklärung bestehender Symptome und zur Erfassung des Krankheitsstadiums sollte initial eine Computertomographie (CT) von Thorax, Abdomen und Becken erfolgen. Zur Diagnosestellung dieser Tumoren bietet sich ferner eine MR-Sellink an, eine Dünndarm-Magnetresonanztomographie. Im Gegensatz zur konventionellen Dünndarmuntersuchung nach Sellink (Enteroklysma) kommt die MR-Sellink ohne Dünndarm-Sonde aus, das Kontrastmittel wird einfach getrunken und die Strahlenbelastung bei der Untersuchung fällt weg. Die Gastroskopie bzw. Endosonographie eignet sich für die Primärdiagnostik von Duodenalkarzinomen inklusive Histologiegewinnung. Mittels Kapselendoskopie kann zwar der gesamte Dünndarm eingesehen werden, allerdings können keine Gewebsproben entnommen werden, zudem ist diese Untersuchung bei suspizierter Darmobstruktion kontraindiziert. Bei einigen Patienten bedarf es aus dia-gnostischen +/- therapeutischen Gründen einer explorativen Laparoskopie bzw. Laparotomie. Der Serumtumormarker CEA sollte routinemäßig bestimmt werden.
 
 
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