Samstag, 19. September 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

16. September 2019
Seite 1/4
Differentialdiagnostik bei Peritonealkarzinose

J. M. Werner, H. J. Schlitt, M. Hornung, Klinik und Poliklinik für Chirurgie, Universitätsklinikum Regensburg.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Behandlung von Patienten mit einer Peritonealkarzinose (PC) grundsätzlich verändert. Eine reine Palliativversorgung hat sich in bestimmten Fällen zu einem erfolgreichen Behandlungsansatz mit kurativer Intention entwickelt. Insbesondere die Einführung der zytoreduktiven Chirurgie ggf. in Kombination mit der hyperthermen intraperitonealen Chemotherapie und einer systemischen Chemotherapie hat wesentlich zu dieser Veränderung beigetragen. Hierbei kommt der richtigen Patientenselektion eine Schlüsselrolle zu. Daher ist neben der histologischen Sicherung der Tumorentität ein möglichst frühzeitiges und exaktes Beurteilen des Ausmaßes der PC in Verbindung mit der Suche nach Fernmetastasen erforderlich. Da die Schnittbildgebung mittels CT oder MRT bzw. PET-CT bei der sicheren Identifizierung früher peritonealer Läsionen mit einer Größe von < 0,5 cm sowie bei der genauen Charakterisierung einer diffusen peritonealen Beteiligung Grenzen aufweist, kommt der diagnostischen Laparoskopie eine große Bedeutung zu.
Anzeige:
Fachinformation
Die PC ist definiert als metastatische Ausbreitung eines bösartigen Tumors in der Bauchhöhle. Das Bauchfell oder Peritoneum ist eine durchgehende Membran, die als parietales Peritoneum die Bauch- und Beckenhöhlen auskleidet und als viszerales Peritoneum die jeweiligen Bauchorgane bedeckt.
 
Histopathologisch unterteilt man die PC in primäre und sekundäre Neoplasien. In den meisten Fällen entsteht eine PC als sekundäre Neubildung bei metastasierten Tumoren von Magen-Darm- und Eierstockmalignomen. Das Pseudomyxoma peritonei stellt eine Sonderform dar. Häufig ausgehend von schleimbildenden Zellen der Appendix vermiformis kommt es hierbei zu einer massiven tumorzellarmen Schleimansammlung im gesamten Peritonealraum. Zusätzlich werden unter dem Begriff PC auch die primär malignen Tumoren des Bauchfells, wie das Peritonealmesotheliom und das primäre Peritonealkarzinom, zusammengefasst. Der Begriff „PC“ stellt somit bzgl. des histologischen Ursprungs und möglicher Behandlungsansätze ein sehr heterogenes Krankheitsbild dar.
 
In der Vergangenheit bedeutete das Vorhandensein einer PC in der Bauchhöhle eine unheilbare, tödliche Krankheit, bei der eine kurative chirurgische Therapie keine vernünftige Option mehr darstellte. Neuere chirurgische Techniken und Innovationen im Bereich der medizinischen Behandlungsstrategien haben den Krankheitsverlauf in den letzten Jahren dramatisch verändert. Wirksame Therapieansätze haben sich weiterentwickelt, die eine Verbesserung der Krankheits- und Gesamtüberlebensrate ermöglichten (1).
 

Epidemiologie
 
Eine PC tritt v.a. bei malignen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und der weiblichen Fortpflanzungsorgane auf. Bei weitem am häufigsten findet man eine PC beim Ovarialkarzinom, beim Kolorektal- und beim Magenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium (Tab. 1). Malignome anderer abdomineller Organe wie z.B. Bauchspeicheldrüse, Blinddarm, Dünndarm und Uterus können ebenfalls eine PC verursachen, die jedoch sehr viel seltener vorkommt. In sehr seltenen Fällen kann eine PC durch primäre Malignome außerhalb des Abdomens verursacht werden. Beispiele hierfür sind Mammakarzinom, Lungenkarzinom und malignes Melanom (2).
 
Ovarialkarzinome sind aufgrund der anatomischen Lage der Ovarien und ihres engen Kontaktes mit dem Peritoneum sowie der embryologischen Entwicklungskontinuität von Ovarialepithelzellen mit peritonealen Mesothelzellen die häufigste Ursache einer PC. Patienten mit einem Kolorektalkarzinom (CRC) tragen zu der hohen Anzahl von Patienten mit PC bei, da diese Malignome insgesamt häufig auftreten. So entwickeln etwa 15% der Patienten eine synchrone Peritonealmetastasierung. Das Magenkarzinom neigt dazu, bereits bei der ersten Präsentation ein fortgeschrittenes Stadium zu erreichen, daher weisen 10-20% dieser Fälle bereits Peritonealmetastasen auf (3). Bei ungefähr 9% der Patienten mit einem nicht-endokrinen Pankreaskarzinom tritt eine PC auf. Ein neuroendokriner Tumor aus dem Magen-Darm-Trakt (GI-NET) ist ein langsam wachsendes Malignom und kann ebenfalls peritoneal metastasieren, was bei etwa 6% der GI-NET-Patienten eintritt. Wie bereits beschrieben, entsteht bei 10% der Patienten eine PC auf dem Boden eines primär extraabdominellen Malignoms. Hierbei machen Mammakarzinom (41%), Lungenkarzinom (21%) und malignes Melanom (9%) die Mehrzahl der Fälle der extraabdominellen Primarien aus (4).
 
Eine große bevölkerungsbezogene Studie aus Irland hat gezeigt, dass die jährliche Inzidenz von Peritonealmetastasen von 228 im Jahr 1994 auf 402 im Jahr 2012 angestiegen ist. Die Mehrzahl der Fälle waren Frauen und 70% der Patienten waren zum Zeitpunkt der Diagnose 60 Jahre oder älter (5).
 
Tab. 1: Auswahl von Chronifizierungsprädiktoren aus chirurgischer Sicht bei Nicht-Tumorschmerzpatienten (mod. nach (4)).
Tumorentität Inzidenz der Peritonealkarzinose
Ovarialkarzinom 45-65% bei der Primärdiagnose;
55-75% als Rezidiv
Kolorektales Karzinom 15-20% isoliert;
20-30% mit anderen
Lokalisationen, z.B. Leber
Magenkarzinom 10-20% bei Erstdiagnose;
30-40% für T3N+;
40-50% beim Rezidiv
Pankreaskarzinom,
Cholangiozelluläres Karzinom,
Neuroendokriner Tumor des
GI-Trakts (GI-NET)
5-10%
Mammakarzinom,
Lungenkarzinom,
Malignes Melanom
< 5%
 
 
 
Vorherige Seite

Anzeige:

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Differentialdiagnostik bei Peritonealkarzinose"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab