Dienstag, 20. August 2019
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. April 2017
Seite 1/5
Chirurgische Behandlung des Klatskin-Tumors

U. F. Wellner, T. Keck, Klinik für Chirurgie, UKSH Campus Lübeck.

Das Cholangiokarzinom (engl. cholangiocarcinoma, CC) geht vom Epithel der Gallenwege aus und wird nach der makroskopisch-anatomischen Lokalisation in das intrahepatische (iCC), extrahepatische perihiläre (pCC) und extrahepatische distale (dCC) Cholangiokarzinom eingeteilt. Makro- und histopathologisch werden bezüglich Vorläuferläsionen und Morphologie mehrere Subtypen unterschieden, zu denen z.T. deutliche Parallelen zu Neoplasien des Pankreas bestehen. Die chirurgische Resektion stellt die einzige kurative Therapie dar und richtet sich nach der Lokalisation. Insbesondere die pCC (sog. Klatskin-Tumore) erfordern ein differenziertes operatives Vorgehen und eine präoperative Konditionierung. Bei R0-Resektion und Fehlen von Lymphknotenmetastasen kann ein relativ gutes Überleben erreicht werden. Die Datenlage zur adjuvanten und neoadjuvanten Therapie ist limitiert.
Anzeige:
Fachinformation
Anatomie und Pathologie

Die Gallenwege werden in intrahepatische und extrahepatische aufgeteilt. Die Grenze liegt an der zweiten Aufteilung der Ductus hepaticus dexter et sinister. Von hier nach distal bis zum Abgang des Ductus cysticus wird die Bezeichnung perihiläre extrahepatische Gallenwege verwendet, danach folgen die distalen extrahepatischen Gallenwege (1). Im makroskopisch-pathologischen Wachstumsmuster werden der masseformende (MF), der periduktal infiltrierende (PD) und der intraduktal wachsende (ID) Typ unterschieden. Intrahepatische CC sind meist vom masseformenden Typ, während extrahepatische eher periduktal wachsen. Eine Sonderform stellt das intraduktale Wachstum in dilatierten Gallenwegen dar. Des Weiteren werden mehrere histopathologische Kategorien unterschieden, deren häufigste das sog. konventionelle CC ist (2).


Vorläuferläsionen

Als Vorläuferläsion für den periduktal infiltrierenden Typ gilt die (flache) biliäre intraepitheliale Neoplasie (BilIN), für den intraduktal wachsenden Typ die (zystische) intraduktale papilläre Neoplasie der Gallenwege (IPNB). Eine seltene Präkanzerose ist die muzinös zystische Neoplasie, welche durch fehlende Kommunikation mit dem Gallenwegssystem und ein sog. Ovar-ähnliches Stroma gekennzeichnet ist (2).


Pathologische Parallelen zum exokrinen Pankreas

Somit ergeben sich deutliche Parallelen zu Vorläuferläsionen und Karzinomen des exokrinen Pankreas: Auch hier unterscheidet man z.B. die pankreatische intraepitheliale Neoplasie (PanIN), die intraduktale papillär-muzinöse Neoplasie (IPMN) und die muzinös-zystische Neoplasie (MCN). Histomorphologisch sowie immunhistochemisch ähnelt auch das duktale Adenokarzinom des Pankreas stark dem konventionellen Typ des CC. Eine Rationale für diese Beobachtungen stellt die enge ontogenetische Verwandtschaft zwischen exokrinem Pankreas- und Gallengangsepithel dar (2).


Risikofaktoren

Als Risikofaktoren für das CC wurden identifiziert: chronisch entzündliche Erkrankungen der Gallenwege (primär sklerosierende Cholangitis, rezidivierende infektiöse Cholangitis) und Leber (Leberzirrhose), kongenitale Malformationen (Choledochuszyste), Morbus Caroli, sowie in Asien die Infestation durch Leberegel (Fasciola hepatica) (1).


Präoperative Diagnostik

Wesentliche Schwierigkeiten bestehen in der oft nicht zu erlangenden präoperativen histologischen Sicherung sowie in der auch mit modernen Methoden relativ unzuverlässigen lokalen Ausbreitungsdiagnostik. Als Tumormarker wird CA19-9 empfohlen (3).


Histologische Sicherung

Eine histologische Sicherung durch perkutane oder laparoskopische Biopsie ist in der Regel nur bei größeren masseformenden intrahepatischen CC möglich. Auch bei distalen CC besteht unter Umständen die Möglichkeit einer endoskopischen Zangen- oder endosonografisch gestützten Feinnadelbiopsie. Dies stellt jedoch die Ausnahme dar. Auch die Gallengangs(Bürsten)-Zytologie ist oft nicht aussagekräftig (3). Die Cholangioskopie mit Biopsie wird nur in sehr wenigen Zentren durchgeführt. Somit besteht aktuell im internationalen Konsens keine zwingende Notwendigkeit der präoperativen histologischen Sicherung (3). Andererseits führt dies in seltenen Fällen zur onkologischen Resektion benigner Läsionen, die in der Literatur als sog. Pseudo-Klatskin- oder Klatskin-like-Lesion bezeichnet werden (4).
 
Vorherige Seite
...

Das könnte Sie auch interessieren

Vor der Darmspiegelung ist „Abführen an zwei Tagen“ am effektivsten

Vor der Darmspiegelung ist „Abführen an zwei Tagen“ am effektivsten
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Je sauberer der Darm, umso aussagekräftiger ist das Ergebnis einer Darmspiegelung zur Krebsvorsorge. Darauf weisen Experten im Vorfeld des Kongresses Viszeralmedizin 2016 in Hamburg hin. Um den Darm optimal für die „Koloskopie“ vorzubereiten, sollten Patienten auf zwei Tage verteilt eine Poly-Ethylen-Glykol-Lösung (kurz: PEG) als Abführmittel zu sich nehmen, so die Mediziner. Die Darmspiegelung gilt als eines der effektivsten Verfahren der Krebsvorsorge...

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps
© Jenny Sturm / Fotolia.com

Ein Kurzurlaub in der Therapiepause – das hört sich für viele Betroffene verlockend an. Mal abschalten und die physischen und psychischen Belastungen der Erkrankung vorübergehend hinter sich lassen. Aber: Kann ich das als Krebspatient? Und worauf ist zu achten? Diese und weitere Fragen zum Thema „Reisen mit Krebs“ beantwortet der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums täglich von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr telefonisch unter 0800-420...

11. Krebsaktionstag: Austausch zu Alltagsfragen

11. Krebsaktionstag: Austausch zu Alltagsfragen
Universitätsklinikum Ulm

Senkt Sport das Rückfallrisiko bei Krebs? Welcher Badeanzug steht mir nach der Brustamputation? Wie ernähre ich mich so, dass ich fit bleibe? Um diese und weitere Fragen dreht sich der 11. Krebsaktionstag der Medizinisch-Onkologischen Tagesklinik (MOT) der Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Ulm. Krebspatient*innen, Angehörige und Interessierte sind am Freitag, den 14.09.2018 herzlich eingeladen, sich von 10.00 bis 16.30 Uhr bei kostenfreien Vorträgen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Chirurgische Behandlung des Klatskin-Tumors"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich