Dienstag, 22. September 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

22. Juli 2019
Seite 1/4
Absetzen der CML-Therapie – „therapiefreie Remission“

A. Hochhaus1, A. Burchert2, S. Saußele3. 1Universitätsklinikum Jena, Klinik für Innere Medizin II, Abteilung Hämatologie und Internistische Onkologie, 2Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Immunologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Marburg, 3III. Medizinische Klinik, Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg, Mannheim.

Die Zahl der Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) nimmt weltweit rapide zu, weil die Einführung der ABL-Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKIs) ihre Lebenserwartung nahezu normalisiert hat. Das nächste Ziel bei dieser Erkrankung ist das Erreichen einer therapiefreien Remission (TFR) für möglichst viele Patienten, d.h. die Möglichkeit, die Therapie abzusetzen und dennoch die Leukämie langfristig kontrollieren zu können.
Anzeige:
Fachinformation
Vor der Einführung der TKIs war eine Heilung nur durch eine allogene Stammzelltransplantation (alloSZT) möglich, die lediglich einer Minderheit der Patienten angeboten werden kann. Sie ist aufwendig und mit einer erheblichen Morbidität und Mortalität assoziiert. Nachteile der lebenslangen TKI-Behandlung sind die häufig chronischen unerwünschten Arzneimittelwirkungen mit der einhergehenden Beeinträchtigung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, die vermutete Reproduktionstoxizität sowie die Belas-tung des Gesundheitswesens durch hohe Therapiekosten.
 
Bereits in der Prä-TKI-Ära wurde über das Absetzen von Interferon-α bei Erhalt der kompletten zytogenetischen Remission (CCyR) in wenigen Fällen berichtet. Allerdings war seinerzeit ein sensitiver Nachweis der minimalen Resterkrankung (MRD) wie heute mittels der quantitativen RT-PCR-Analyse nicht verfügbar. Über weitere Absetzerfolge unter TKI-Therapie wurde in Einzelfällen und in kleinen klinischen Studien berichtet. Diese Erfahrungen führten zur ersten systematischen Studie zum Absetzen des TKI Imatinib („Stop Imatinib“, STIM), die zwischen 2007 und 2009 in Frankreich rekrutierte und deren erste Ergebnisse 2010 publiziert wurden. Hier hatten 100 Patienten, die mit Imatinib eine tiefe molekulare Remission erreicht hatten, dieses abgesetzt, und 40% von ihnen waren dennoch median 77 Monate später noch in einer tiefen molekularen Remission (1).
 
 
Europaweite Evaluierung zum TKI-Absetzen: Euro-SKI-Studie
 
In dieser prospektiven, nicht randomisierten Studie wurden in 61 europäischen Zentren in 11 Ländern CML-Patienten registriert. In Frage kommende CML-Patienten in chronischer Phase hatten seit mind. 3 Jahren (ohne Behandlungsversagen gemäß den Empfehlungen des European LeukemiaNet, ELN) einen TKI erhalten und zeigten seit mind. einem Jahr eine tiefe molekulare Remission. Der primäre Endpunkt war das molekulare rezidivfreie Überleben, definiert als Verlust der guten molekularen Remission (MMR; > 0,1% BCR-ABL1 auf der internationalen Skala, IS) in mind. einer PCR. Sekundäre Endpunkte waren die Analyse der prognostischen Parameter zur Aufrechterhaltung der Remission nach dem Absetzen der Therapie sowie die Kostenkalkulation.
 
Zwischen Mai 2012 und Dezember 2014 wurden 868 CML-Patienten gescreent, von denen 758 für eine Interimsanalyse zur Verfügung standen. Das mediane Follow-up der 755 Patienten, für die molekulare Daten auswertbar waren, betrug 27 Monate (IQR: 21-34). Das molekulare rückfallfreie Überleben für diese Patienten betrug 61% (95%-KI: 57-64) nach 6 Monaten und 50% (95%-KI: 46-54) nach 24 Monaten. Von diesen 755 Patienten verloren 371 (49%) die MMR nach Absetzen der TKIs, 4 (1%) starben während der MMR aus CML-unabhängigen Gründen (Myokardinfarkt, Lungenkrebs, Nierenkrebs und Herzversagen). 6 Patienten (1%) starben nach MMR-Verlust und erneuter Einleitung der TKI-Therapie aus CML-unabhängigen Gründen, 2 (< 1%) Patienten verloren trotz erneuter TKI-Therapie die MMR.
 
Die prognostische Analyse von 405 Patienten, die Imatinib als Erstlinientherapie erhielten (Lernstichprobe), assoziierte eine längere Behandlungsdauer (Odds Ratio, OR, pro Jahr 1,14; 95%-KI: 1,05-1,3; p=0,0010) und längere tiefe molekulare Remission (OR=1,13; 95%-KI: 1,04-1,23; p=0,0032) mit einer besseren Aufrechterhaltung der MMR nach 6 Monaten und in der Validierungsstichprobe (n=171) bestätigt.
 
Der Stopp der TKI-Therapie war in der Gesamtstudie mit erheblichen Kosteneinsparungen verbunden (geschätzte 22 Mio. €). Es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse berichtet.

 
Vorherige Seite

Anzeige:
Fachinformation

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Absetzen der CML-Therapie – „therapiefreie Remission“"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA25 virtuell
  • Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert
  • CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress
  • Sichelzellerkrankung: Verbesserung der Lebensqualität ist wichtigstes Therapieziel aus Sicht der Patienten – neue Behandlungsoptionen erwünscht
  • PV: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting
  • Neuer BCR-ABL-Inhibitor Asciminib bei bisher unzureichend therapierten CML-Patienten in Phase-I-Studie wirksam
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie für jüngere und ältere Patienten vergleichbar sicher
  • Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam
  • CML: Hohe Rate an tiefem molekularen Ansprechen nach 24-monatiger Therapie mit Nilotinib in der Zweitlinie
  • Systemische Mastozytose: neuer Prädiktor für das OS entdeckt
  • MF: Real-world-Daten bestätigen relevante Reduktion des Mortalitätsrisikos unter dem Einfluss von Ruxolitinib