Montag, 14. Oktober 2019
Navigation öffnen

Biosimilars

© Sbastien / Fotolia.com

Der Patentschutz mehrerer in der Onkologie/Hämatologie eingesetzter Biologika läuft in den folgenden Jahren (bis 2020) aus, darunter Rituximab, Trastuzumab, Cetuximab, Bevacizumab. Mit Biosimilars der ersten Generation, Erythropoetin, Filgrastim (G-CSF) hat man bereits jahrelange Erfahrungen, diese sind im klinischen Alltag etabliert. Die Neueinstellung auf ein Biosimilar gilt als unproblematisch, während man beim „Switch“ vom Original auf Biosimilar Vorsicht walten lässt. Offene Frage sind auch die genaue Namensgebung (Herstellername dazu?) und ob es wie bei Generika eine aut-idem-Regelung geben wird. Viele der großen Pharmafirmen drängen nun mit mehreren biosimilaren Wirkstoffkandidaten in den Markt. Das erste Rituximab-Biosimilar wurde gerade zugelassen.

Unter Biosimilars versteht man Nachbauten originaler Biologika nach Ablauf des Patentschutzes, mit dem Ziel der Kostenersparnis (20-40% Kostensenkung werden angestrebt, in Abhängigkeit von Rabattverträgen).

Die europäische Arzneimittelagentur EMA bewertet Biosimilars grundsätzlich anders als die bereits etablierten Generika:
Generika = identische Kopie des Originals, rein chemisch synthetisierbar, geringes Molekulargewicht
Biosimilar = ähnlich, aber nicht identisch mit dem Original, 10mal höheres Molekulargewicht als Generika (Beispiel Wachstumsfaktoren); Biosimilare Antikörper: 100x höheres Molekulargewicht als Generika, unterscheiden sich in Zelllinien, Herstellungsverfahren, verwendeten DNA-Vektoren etc.

Bei einem Generikum handelt es sich um den wirkstoffäquivalenten Nachbau eines Originalpräparats, das eine eher geringe Molekülmasse hat (Beispiel Aspirin und ASS). Die chemische Struktur ist identisch, daher müssen Generika ihre Wirksamkeit im Gegensatz zum Originalpräparat nicht mehr in Zulassungsstudien unter Beweis stellen.

Biosimilars/ Biosimilare Antikörper hingegen werden mit Hilfe von lebenden Zelllinien genauso aufwändig produziert wie die Biologika-Originale. Als monoklonale Antikörper haben sie eine hohe Molekülmasse von ca. 150.000 Dalton, dadurch ergeben sich größere Wahrscheinlichkeiten auf Varianzen. Entsprechend genau sieht die EMA bei Biosimilars hin und verlangt eine präklinische und eine klinische Studie mit dem Wirkstoffkandidat. Diese klinische Studie wird nur in einer Indikation durchgeführt, auch wenn das Original-Biologikum für mehrere Indikationen zugelassen ist. Kann für das Biosimilar in dieser Indikation die gleiche Qualität, Bioäquivalenz, Wirksamkeit und Sicherheit nachgewiesen werden, wird es für alle Indikationen des Originals zugelassen (Extrapolation).

Da die Sicherheit von biosimilaren Antikörpern im Rahmen des auf diese Weise verkürzten Zulassungsverfahrens nicht ausreichend geprüft werden kann, wird mit einem auf der Spitze stehenden gleichschenkligen Dreieck sowie dem Hinweis "Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung“, darauf hingewiesen.

Seit Februar 2017 hat die EMA zusätzlich auch ein Pilotprojekt zur Unterstützung der Entwicklung neuer Biosimilars gestartet: http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Other/2016/12/WC500218206.pdf

Literatur:

EMA Guideline CHMP/BWMP/403543/2010 (30. Mai 2012).
EMA: Guideline on Similar Biological Medicinal Products http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Scientific_guideline/2014/10/WC500176768.pdf
http://www.ema.europa.eu/ema/index.jsp?curl=pages/regulation/general/general_content_000408.jsp&mid=WC0b01ac058002958c

Registrieren Sie sich jetzt und nutzen Sie
das gesamte Angebot unserer Plattform

Jetzt registrieren

News

HER2-positives Mammakarzinom im Frühstadium: 3-Jahres-Daten bestätigen Wirksamkeit und Sicherheit von Trastuzumab-Biosimilar

Beim Jahreskongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Barcelona wurde ein Update der Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten des Trastuzumab-Biosimilars Herzuma® (CT-P6) (1) nach mehr als 3 Jahren Nachbeobachtung vorgestellt (2). Die therapeutische Gleichwertigkeit zum Referenzprodukt in der neoadjuvanten und adjuvanten Behandlung von Patientinnen mit frühem HER2-positivem Mammakarzinom bestätigte sich im Langzeitverlauf erneut (2).

Aktuelle Aspekte in der onkologischen Supportivtherapie und der adjuvanten Behandlung des Pankreaskarzinoms

Die Prophylaxe von febrilen Neutropenien (FN) mittels Granulozyten-koloniestimulierenden Faktoren (G-CSF) kann Leben retten und sollte selbstverständlicher Bestandteil myelosuppressiver Chemotherapien sein, forderte Prof. Hartmut Link, Kaiserslautern. Er stellte die Ergebnisse der zweiten deutschlandweiten Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie (AGSMO) und der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) der Deutschen Krebsgesellschaft zur...

DLBCL: Sicherheitsstudie zeigt vergleichbare Ansprechraten für CT-P10 wie für Referenz-Rituximab

Das Rituximab-Biosimilar CT-P10 (1) scheint im klinischen Alltag für die Behandlung von Patienten mit diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) wirksam und sicher zu sein (2). Dabei sind die Ansprechraten auf eine CT-P10-basierte Therapie ähnlich den bisher veröffentlichten Ergebnissen zum Referenz-Rituximab (3). Das zeigen die ersten Daten einer laufenden nicht-interventionellen Sicherheitsstudie zum Einsatz von CT-P10 beim DLBCL, die kürzlich beim Jahreskongress...

NHL und CLL: Keine erhöhte Rate an IRR durch schnelle CT-P10-Infusion

Schnelle Infusionen mit dem Rituximab-Biosimilar CT-P10 über einen Zeitraum von maximal 90 Minuten pro Applikation führen im klinischen Alltag bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) und chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) zu einer Rate an infusionsassoziierten Reaktionen (IRR) von 8% (1). Das zeigen die Interimsdaten einer laufenden nicht-interventionellen Sicherheitsstudie, die beim Jahreskongress der European Hematology Association (EHA) 2019 in Amsterdam...

Biosimilars: ADKA unterstützt den Einsatz ohne Aut-idem-Prinzip

Biosimilars gewinnen als therapeutische Alternative zum Referenzarzneimittel im deutschen Klinikalltag zunehmend an Relevanz. Der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker e. V. (ADKA) befürwortet einen rationalen und strukturierten klinischen Einsatz biosimilarer Antikörper (1). Die Ausweitung der Aut-idem-Regelung auf Biosimilars lehnen der ADKA (2) wie auch die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) (3) und die Bundesärztekammer (BÄK) (3)...

CLL und NHL: Therapeutische Gleichwertigkeit von CT-P10 gegenüber dem Referenz-Rituximab

Kürzlich präsentierte Daten des deutschen wissenschaftlichen Verlaufsregisters ONCOreg der Projektgruppe internistische Onkologie (PIO) zum Einsatz von Rituximab-Biosimilars (in knapp 95% der Fälle Truxima® (CT-P10)) bei Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) und Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) weisen auf die therapeutische Gleichwertigkeit von CT-P10 gegenüber dem Referenz-Rituximab im klinischen Alltag hin (1-3). Es wurden keine...

Videos

  • 0/5 Sternen
    3:04

    Prof. Dr. med. Christian Buske, Ulm 
    Was bedeutet die Einführung biosimilarer Antikörper für die Zukunft der Hämatologie / Onkologie?