Photodynamische Therapie auch ohne Sauerstoff wirksam
Die photodynamische Therapie (PDT) gegen Krebs basiert darauf, Patient:innen eine inaktive Substanz zu verabreichen, die erst im Tumor durch gezielte Lichtbestrahlung aktiviert wird. Dann erzeugt sie reaktive Sauerstoffspezies, die die Krebszellen töten. Die Methode stößt an Grenzen, wo kein Sauerstoff vorhanden ist. Die Gruppe von Prof. Dr. Johannes Karges von der Ruhr-Universität hat einen Durchbruch erzielt, der die Behandlung solcher Tumore ermöglicht: Wo kein Sauerstoff vorhanden ist, tritt ein alternativer Wirkmechanismus in Kraft. Er nutzt Wasserstoffperoxid, ein natürliches Stoffwechselprodukt der Zellen. Die Forschenden berichten im Journal of the American Chemical Society vom 6. April 2026 [1].
Sauerstoffunabhängiger Wirkmechanismus entdeckt
Die PDT ist eine etablierte Behandlungsmethode gegen Krebs, die vielfach im klinischen Einsatz ist. Karges und sein Team haben einen völlig neuen Wirkmechanismus dafür entwickelt, der unabhängig von der Sauerstoffkonzentration im Gewebe funktioniert: Der Ruthenium-basierte Wirkstoff wird durch Licht in einen angeregten elektronischen Zustand überführt. Ist Sauerstoff vorhanden, erfolgt eine Energieübertragung auf molekularen Sauerstoff, wodurch Singulett-Sauerstoff entsteht, der zellschädigend wirkt. „Dieser Prozess entspricht dem klassischen, sauerstoffabhängigen Mechanismus der photodynamischen Therapie", so Karges.
Wasserstoffperoxid als Alternative bei Sauerstoffmangel
Bei Sauerstoffmangel wird dieser Weg durch einen alternativen Mechanismus ersetzt. Ursache dafür ist die Koordination von intrazellulärem Eisen an den Wirkstoff. Diese Wechselwirkung verändert die elektronischen Eigenschaften des Systems so, dass statt eines Energietransfers ein ultraschneller Metall-zu-Metall-Elektronentransfer vom angeregten Ruthenium-Zentrum auf das Eisenzentrum erfolgt. Dadurch wird Wasserstoffperoxid in hochreaktive Hydroxylradikale umgewandelt. „Da Wasserstoffperoxid ein natürliches Stoffwechselprodukt der Zelle ist, kann dieser Prozess unabhängig von molekularem Sauerstoff ablaufen", erklärt Johannes Karges. Die gebildeten Hydroxylradikale führen zu oxidativen Schäden an zentralen zellulären Strukturen und töten die Krebszelle dadurch ab.
Anwendung bei verschiedenen Tumorarten möglich
Das bedeutet, dass die Substanz auch unter schwierigen Bedingungen aktiv bleibt, in denen bisherige Therapien versagen. In der aktuellen Studie haben die Forschenden das an Brustkrebszellen nachgewiesen. „Prinzipiell kommt die Methode aber für viele verschiedene Tumore infrage", sagt Johannes Karges. „Allerdings sind wir noch nicht beim Menschen angekommen und arbeiten an der Entwicklung.“
Quelle:Ruhr-Universität Bochum
Literatur:
- (1)
Montesdeoca N et al. (2026) Exploiting Metal-to-Metal Electron Transfer in a Ru(II) Polypyridine–Deferasirox Conjugate for Hypoxic Photodynamic Therapy, Journal of the American Chemical Society, DOI: 10.1021/jacs.5c20295.