Eisenangebot in der Tumorumgebung könnte Ausbreitung von Glioblastomzellen fördern
Freiburger Forscher:innen haben Hinweise gefunden, dass ein hohes Eisenangebot direkt in der Tumorumgebung die Ausbreitung von Glioblastomzellen begünstigt. Langfristig könnte der Eisenstoffwechsel deshalb ein Ansatzpunkt sein, um besonders invasive Tumorzellen gezielter zu beeinflussen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Neuro-Oncology veröffentlicht [1]. Ob Eisen aus der Ernährung oder aus Nahrungsergänzungsmitteln dabei eine Rolle spielt, lässt sich aus der Studie nicht ableiten.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass bestimmte Hirntumore stärker im Gehirn streuen, wenn die Zellen viel Eisen in der Umgebung haben", sagt Studienleiterin Dr. Vidhya Madapusi Ravi, Forschungsgruppenleiterin an der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Freiburg.
Eisen verstärkt Bewegung und Wachstum von Tumorzellen
Glioblastome gehören zu den aggressivsten Hirntumoren. Besonders schwierig ist, dass einzelne Krebszellen weit in das umliegende Gehirngewebe eindringen können. Dort lassen sie sich bei einer Operation kaum vollständig entfernen. Verbleibende Zellen können später einen Rückfall auslösen.
Die Freiburger Forscher:innen zeigen nun in Zellkulturen und menschlichen Hirngewebeschnitten, dass zusätzliches Eisen bei bestimmten Tumorzellen Bewegung und Wachstum und damit die Ausbreitung im Gehirn verstärkte. Die Vermutung der Forschenden ist, dass dafür ein besonders aktiver Eisenstoffwechsel verantwortlich ist. „Damit rückt nicht nur die Tumorzelle selbst, sondern auch ihre unmittelbare Umgebung stärker in den Blick“, sagt Madapusi Ravi. Dass Krebszellen ihren Eisenstoffwechsel verändern, ist bereits von anderen Tumorarten bekannt. Bei den schwer behandelbaren Glioblastomen war das bislang nicht geklärt.
Keine Aussage zu eisenreicher Ernährung möglich
Untersucht wurde ausschließlich, wie sich mehr Eisen direkt in der Tumorumgebung auswirkt. Die Ergebnisse erlauben deshalb keine Aussage darüber, ob eisenreiche Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel den Verlauf der Erkrankung beeinflussen.
Offene Fragen zum zugrunde liegenden Mechanismus
Noch ist außerdem offen, ob Eisen die beobachteten Veränderungen direkt auslöst oder Teil eines komplexeren Zusammenspiels im Tumorgewebe ist. Die Forschenden wollen nun klären, welche Mechanismen dahinterstehen und ob sich der Eisenstoffwechsel langfristig therapeutisch beeinflussen lässt.
Quelle:Universitätsklinikum Freiburg
Literatur:
- (1)
Petry C. et al. Spatially restricted iron-metabolism-associated stress programs prime invasive mesenchymal glioblastoma states in human tissue-context models, DOI: 10.1093/neuonc/noag220.