Brustkrebsmonat 2026: Brustkrebs besser behandeln und Versorgung sichern
Brustkrebs ist nach wie vor die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland – zugleich verändern neue wissenschaftliche Erkenntnisse und therapeutische Möglichkeiten die Versorgung kontinuierlich. Im Brustkrebsmonat Oktober rücken die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) und die Deutsche Gesellschaft für Senologie e. V. (DGS) deshalb die aktuellen Bedingungen für die Prävention, Früherkennung, Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms in den Fokus.
Qualitative Brustkrebsversorgung muss dauerhaft gewährleistet sein
Etwa jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts wurden allein im Jahr 2023 mehr als 75.000 Brustkrebsneuerkrankungen bei Frauen diagnostiziert. Gleichzeitig eröffnen Fortschritte in Früherkennung, Diagnostik und Therapie zunehmend Möglichkeiten für eine individuellere und häufig auch schonendere Behandlung. Dem wachsenden medizinischen Potenzial und dem steigenden onkologischen Versorgungsbedarf stehen jedoch zunehmende ökonomische Herausforderungen im Gesundheitswesen gegenüber. Für DGGG und DGS ist deshalb entscheidend, dass Maßnahmen zur Stabilisierung der Gesundheitsausgaben im GKV-Bereich nicht zulasten einer qualitätsgesicherten Brustkrebsversorgung gehen. Gerade bei einer Erkrankung mit einer so hohen volkswirtschaftlichen Relevanz müssen Prävention, Früherkennung und eine moderne, evidenzbasierte Therapie dauerhaft verlässlich gewährleistet werden.
Mammographie-Screening: Früherkennung braucht verlässliche Rahmenbedingungen
Das Mammographie-Screening-Programm ist ein zentraler Bestandteil der strukturierten Brustkrebsfrüherkennung in Deutschland. Es ermöglicht anspruchsberechtigten Frauen regelmäßige Untersuchungen unter verbindlichen Qualitätsstandards und mit kontinuierlicher wissenschaftlicher Evaluation. Damit diese hohen Standards und eine flächendeckende Versorgung auch künftig gewährleistet werden können, braucht es verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen. „Eine Budgetierung darf nicht dazu führen, dass ausgerechnet bei einer strukturierten Früherkennungsmaßnahme finanzielle Begrenzungen den Zugang oder die Qualität der Versorgung beeinträchtigen“, sagt der DGGG-Präsident Prof. Dr. Gert Naumann.
DGGG und DGS sprechen sich deshalb ausdrücklich gegen eine Budgetierung des Mammographie-Screening-Programms aus. Medizinische Qualität, Patientinnensicherheit und ein verlässlicher Zugang zur Brustkrebsfrüherkennung müssen Vorrang vor kurzfristigen budgetären Einsparzielen haben. Hintergrund ist das geplante GKVBeitragsstabilisierungsgesetz, mit dem die bislang extrabudgetäre Vergütung des Mammographie-Screening-Programms aufgehoben und die Leistung künftig einer Budgetierung unterworfen werden könnte. Eine solche Veränderung der Finanzierungsgrundlage käme zu einem Zeitpunkt, an dem das Früherkennungsprogramm weiterentwickelt und ausgeweitet werden soll. Umso wichtiger ist es, die bestehenden Strukturen und ihre flächendeckende Versorgung nachhaltig zu sichern und die hohe Qualität des Mammographie-Screenings auch künftig zu gewährleisten.
Brustkrebs bei Männern: Seltener, aber nicht weniger relevant
In Deutschland erkranken jährlich etwa 700 Männer neu an Brustkrebs. Das Mammakarzinom des Mannes tritt damit deutlich seltener auf als bei der Frau. Ein reguläres Früherkennungsprogramm besteht nicht. Die Erkrankung wird daher häufig erst im Rahmen der ärztlichen Abklärung von Veränderungen oder Beschwerden diagnostiziert, die den Betroffenen selbst aufgefallen sind. Frühe Diagnose, genetische Beratung und eine leitliniengerechte Behandlung sind zentrale Voraussetzungen für eine optimale Versorgung und eine nachhaltige Verbesserung der Versorgungsqualität. Die in diesem Jahr aktualisierte S3-Leitlinie zum Mammakarzinom betont deshalb unter anderem, wie wichtig eine bessere Aufklärung, insbesondere durch Hausärzte und Urologen, über das individuelle Risiko, typische Symptome, die notwendige Diagnostik und die leitliniengerechte Behandlung ist. Betroffenen Männern soll eine genetische Beratung empfohlen, die Teilnahme an Studien ermöglicht, qualifizierte genderspezifische Informationen bereitgestellt und der Zugang zu Selbsthilfeangeboten gefördert werden.
Deeskalation und Lebensqualität: So viel Therapie wie nötig, so wenig Belastung wie möglich
Der medizinische Fortschritt in der Brustkrebsbehandlung bedeutet heute nicht nur neue und wirksamere Therapien, sondern zunehmend auch die Möglichkeit, Behandlungen gezielter und schonender einzusetzen. Die aktualisierte S3-Leitlinie zum Mammakarzinom empfiehlt für bestimmte Patientinnengruppen eine Deeskalation operativer Maßnahmen, wenn zusätzliche Eingriffe keinen nachgewiesenen Nutzen bringen. Damit rückt auch die Vermeidung vermeidbarer Nebenwirkungen und Langzeitfolgen stärker in den Mittelpunkt. „Deeskalation in der Therapie von Brustkrebs bedeutet nicht weniger Sicherheit, sondern eine präzisere Auswahl derjenigen Maßnahmen, von denen die einzelne Patientin tatsächlich profitiert“, so der DGS-Vorsitzende Prof. Dr. Andreas Schneeweiss.
Eine zeitgemäße Brustkrebsversorgung berücksichtigt deshalb neben dem individuellen Tumorprofil und dem zu erwartenden Therapieerfolg auch die möglichen Belastungen und die Lebensqualität der Betroffenen. Ziel ist eine personalisierte Behandlung, die Über- und Unterversorgung vermeidet, Nebenwirkungen reduziert und auch langfristig eine möglichst hohe Lebensqualität ermöglicht. Mit zunehmender Präzision der Diagnostik und Therapie wächst die Chance, die Behandlung noch stärker auf die individuelle Situation der Betroffenen auszurichten. Selbsthilfe und Patientinnenvertretungen sind dabei ein wichtiger Bestandteil einer patientenzentrierten Versorgung: Sie bringen die Perspektive der Betroffenen ein, geben Orientierung und unterstützen Patientinnen im Umgang mit den Herausforderungen einer Krebserkrankung.
Eine zukunftsfähige Brustkrebsversorgung muss medizinischen Fortschritt, Patientenzentrierung und wirtschaftliche Verantwortung zusammenbringen. Entscheidend ist, dass Frauen wie auch Männer mit Brustkrebs Zugang zu einer qualitätsgesicherten, evidenzbasierten und möglichst schonenden Versorgung in zertifizierten Brustzentren und Unterstützung durch Selbsthilfe erhalten. DGGG und DGS setzen sich deshalb dafür ein, Innovation, Qualität und Patientenzentrierung zusammenzudenken und die Brustkrebsversorgung auch unter veränderten gesundheitspolitischen und ökonomischen Bedingungen nachhaltig weiterzuentwickeln.
Quelle:Deutsche Gesellschaft für Senologie