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03. Dezember 2020
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Ramucirumab: Bestätigter Standard in der Zweitlinie des fortgeschrittenen Magenkarzinoms

Auf der virtuellen Jahrestagung 2020 der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) war die Therapie des fortgeschrittenen Magenkarzinoms ein wichtiges Thema, denn diese Patienten haben per se eine schlechte Prognose. Mit Ramucirumab (Cyramza®) (1), einem Antikörper gegen den Rezeptor 2 des Vascular Endothelial Growth Factors (VEGF), hat sich ein neuer Standard für die Zweitlinientherapie etabliert, der diesen Patienten eine Chance auf ein verbessertes Überleben geben kann. Im Rahmen eines Symposiums gab Prof. Dr. med. Stefan Kasper-Virchow, Ärztlicher Koordinator des Westdeutschen Magen- und Darmzentrums (WMDZ) in Essen, einen Überblick.
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Die 5-Jahres-Überlebensraten von Patienten mit Magenkarzinom sind mit rund 30% sehr viel niedriger als bei den meisten anderen onkologischen Erkrankungen (2). Wie Prof. Kasper-Virchow ausführte, ist das Magenkarzinom durch eine aggressive Tumorbiologie, einen schnellen Progress und kurze Überlebenszeiten charakterisiert. Hinzu kommt, dass die Mehrheit der Patienten bereits bei Diagnosestellung Fernmetastasen hat. Deshalb betonte Prof. Kasper-Virchow, dass sich die Notwendigkeit ergäbe, den Einsatz der derzeit verfügbaren Therapieoptionen in der Sequenz sorgfältig zu planen.

Standardbehandlung wenig wirksam

Die Standardbehandlung eines neu diagnostizierten HER2-negativen Adenokarzinoms des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs besteht bislang in einer Chemotherapie – meist einer platinbasierten Doublette, gegebenenfalls unter Hinzunahme von Docetaxel –, die allerdings mit medianen Überlebenszeiten von weniger als einem Jahr nicht sehr wirksam ist. Bei HER2-positiven Patienten wird diese um Trastuzumab erweitert. Für die Zweitlinientherapie hat Ramucirumab einen neuen Standard gesetzt, sowohl in der Kombination mit Paclitaxel als auch in der Monotherapie bei Patienten, für die Paclitaxel nicht geeignet ist (3). Auch für mit Trastuzumab vorbehandelte Patienten empfiehlt die S3-Leitlinie die Behandlung mit Ramucirumab plus Paclitaxel (3).

Überzeugende Studiendaten für Ramucirumab in der Zweitlinie

Die Basis für die Empfehlung von Ramucirumab plus Paclitaxel in der Zweitlinientherapie bildeten die Ergebnisse der RAINBOW-Studie bei 665 Patienten mit nicht resezierbarem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs, die innerhalb von 4 Monaten nach der letzten Dosis einer Erstlinien-Chemotherapie einen Tumorprogress erlitten hatten (4). Ramucirumab/Paclitaxel verbesserte im Vergleich zu Paclitaxel allein signifikant das mediane Gesamtüberleben (OS: 9,6 vs. 7,4 Monate; HR=0,81; 95%-KI: 0,68–0,96; p=0,017) und das mediane progressionsfreie Überleben (PFS: 4,4 vs. 2,9 Monate; HR=0,64; 95%-KI: 0,54–0,75; p < 0,0001). Zudem erreichten mit der Ramucirumab-Kombination signifikant mehr Patienten ein objektives Therapieansprechen (ORR: 28% vs. 16%, p < 0,0001) (4). Die REGARD-Studie belegte die verbesserten Überlebenschancen unter einer Ramucirumab-Monotherapie bei Patienten, für die eine Kombination mit Paclitaxel nicht infrage kam (5).

Positive Erfahrung aus der Praxis

Dass die Zweitlinientherapie mit Ramucirumab eine gute Option darstellen kann, zeigte Prof. Kasper-Virchow am Beispiel eines 57-jährigen Patienten mit histologisch gesichertem schlecht differenzierten Adenokarzinom G3 im Bereich des gastroösophagealen Übergangs (AEG II). Bei Progress nach Radiochemotherapie mit Cisplatin/5-FU (5-Fluorouracil) erfolgte bei nachgewiesener HER2/neu-Überexpression – wie in der S3-Leitlinie empfohlen – eine Therapie mit Trastuzumab/FLO (5-Fluororacil, Leucovorin und Oxaliplatin). Aufgrund einer zunehmenden Polyneuropathie erfolgte eine Deeskalation auf eine Erhaltungstherapie mit Trastuzumab. Bei zunächst gutem Ansprechen kam es im Verlauf zu einem pulmonalen Progress. Daraufhin erfolgte die Umstellung auf Ramucirumab plus Paclitaxel, was zu einer Remission der pulmonalen Herde und nach einer Deeskalation auf Ramucirumab mono zu einer Krankheitsstabilisierung (stable disease, SD) über 8 Monate führte.

Quelle: Lilly

Literatur:

(1) Fachinformation Cyramza®, aktueller Stand; www.lilly-pharma.de/cyramza
(2) https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Magenkrebs/magenkrebs_node.html. Letzter Aufruf: 17. Oktober 2020.
(3) S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Adenokarzinome des Magens und ösophagogastralen Übergangs (Version 2, 2019), https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/magenkar-zinom/, Letzter Aufruf: 17. Oktober 2020.
(4) Wilke H et al. RAINBOW Study Group. Ramucirumab plus paclitaxel versus placebo plus paclitaxel in patients with previously treated advanced gastric or gastro-oesophageal junction adenocarcinoma (RAINBOW): a double-blind, randomized phase 3 trial. Lancet Oncol 2014; 15: 1224–35.
(5) Fuchs CS et al. REGARD Trial Investigators. Ramucirumab monotherapy for previously treated advanced gastric or gastro-oesophageal junction adenocarcinoma (REGARD): an international randomized, multicenter, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet 2014; 383: 31–39.


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