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Medizin

05. Mai 2020 NSCLC: Chemo-/Immuntherapie nur mit den geprüften Präparaten sicher und wirksam

Interview mit PD Dr. med. Jürgen Fischer, Klinik Löwenstein

Die Kombination aus Krebsimmuntherapie plus Chemotherapie hat sich als Erstlinienstandard für Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) etabliert. Sie bietet den Patienten die Chance auf eine anhaltende Tumorkontrolle mit der Perspektive auf ein Langzeitüberleben. Der Chemotherapie-Partner spielt dabei eine wichtige Rolle. Im Gespräch warnt PD Dr. Jürgen Fischer, Klinik Löwenstein, davor, das zytostatische Originalpräparat gegen ein Generikum auszutauschen.
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Welche Bedeutung kommt der Chemotherapie bzw. dem Chemotherapie-Partner im Rahmen der Kombinationstherapie mit einem Checkpoint-Inhibitor zu?

Fischer: Randomisierte Phase-III-Studien beim fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom haben gezeigt, dass die Kombination aus Chemo- und Immuntherapie deutlich wirksamer ist als die alleinige Chemotherapie. Wir sehen additive Effekte mit anhaltenden Remissionen. Die Fortschritte basieren auf Evidenz-basierten Ergebnissen, die aufgrund der Komplexität des Zusammenspiels von Chemo- und Immuntherapie nur für die jeweils in den Zulassungsstudien eingesetzten Kombinationstherapien validiert sind. Sie sind nicht auf andere Kombinationen übertragbar.

Kann der Chemotherapie-Partner im klinischen Alltag durch ein Generikum ausgetauscht werden? Diese Frage stellt sich zum Beispiel beim Einsatz von nab-Paclitaxel, das in Kombination mit Atezolizumab bzw. Pembrolizumab für die Erstlinientherapie beim fortgeschrittenen NSCLC zugelassen ist. In den Zulassungsstudien wurde jeweils das Originalpräparat (Abraxane®) eingesetzt.

Fischer: Abraxane ist ein besonderes und komplexes Molekül, bei dem die Wirksubstanz „Paclitaxel“ mittels Albumin an Nanopartikel gebunden ist, welche die Wirksubstanz zielgerichtet ins Tumorgewebe transportieren, wo sie freigesetzt wird und akkumuliert. Das hat den Vorteil, dass das allergisierende Potenzial von „Paclitaxel“ umgangen wird und auf den Einsatz von Kortison als Begleitmedikation verzichtet werden kann. Wir wissen, dass Kortison die Aktivität der Immunfunktionen reduziert. Bereits ein kurzer Kontakt reicht aus, damit Kortison eine immunsupprimierende Wirkung entfaltet. Für die kombinierte Behandlung aus Chemo- und Immuntherapie ist der Verzicht auf Kortison daher ein wichtiger Vorteil.

Werden Chemo- und Immuntherapie kombiniert, kommt es zu komplexen Interaktionen. Abraxane hat sich hier unter Evidenz-basierten Bedingungen als wirksamer und sicherer Kombinationspartner sowohl für Pembrolizumab als auch für Atezolizumab erwiesen. Das komplexe Zusammenspiel zwischen Chemo- und Immuntherapie sollte – speziell bei Gabe von nab-Paclitaxel – nicht durch den Einsatz eines Generikums gefährdet werden, das nicht als Kombinationspartner der Immuntherapie validiert wurde. Ich rate im Fall der kombinierten Chemo-/Immuntherapie dringend davon ab, Abraxane durch ein Generikum zu ersetzen.

Welche Gefahren sehen Sie, wenn Abraxane durch ein Generikum ersetzt würde?

Fischer: Wir reden über ein sehr spezielles Medikament, bei dem die allergisierende Wirkung durch eine intelligente Molekülstruktur soweit eliminiert wurde, dass auf Kortison als Begleitmedikation verzichtet werden kann. Wir haben keine Evidenz-basierten Daten, die uns belegen, dass wir Abraxane durch ein Generikum ersetzen können, ohne Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung zu gefährden. Es ist bekannt, dass das Immunsystem unvermittelt immunologische Nebenwirkungen induzieren kann. Wir sollten daher alles vermeiden, das zusätzlich dazu beitragen kann, dass das Immunsystem lebensbedrohliche Situationen induziert.

Ihr Fazit aus unserem Gespräch?

Fischer: Mir ist wichtig, vor einer gewissen Sorglosigkeit zu warnen. Ich habe mehrere Jahre in der Grundlagenimmunologie gearbeitet, mich mit einem tumorimmunologischen Thema habilitiert und mich mit immunsuppressiven Faktoren beschäftigt. Wir wissen, dass Kortison das Immunsystem blockiert. Lasse ich Kortison weg, obwohl ich es brauche, um allergische Reaktionen zu verhindern, ist das ein Behandlungsfehler. Genauso wenig dürfen wir – vor dem Hintergrund der komplexen Interaktionen zwischen Chemo- und Immuntherapie – ein Medikament gegen ein anderes austauschen, das nicht in dieser Indikation geprüft ist. Nur mit den in den Zulassungsstudien validierten Kombinationen liegen die entsprechenden Erfahrungen vor, welche die Grundlage für eine wirksame und sichere Behandlung unserer Patienten sind.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Birgit-Kristin Pohlmann, Nordkirchen.

Quelle: Red.


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