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Medizin

05. Dezember 2018 Fatigue als Symptom einer Immunthrombozytopenie häufig unterschätzt

Die Immunthrombozytopenie (ITP) ist eine erworbene Thrombozytopenie, die durch eine Autoimmunreaktion gegen Thrombozyten und Megakaryozyten verursacht wird. Typische Blutungssymptome der ITP sind Petechien und Schleimhautblutungen. Viele ITP-Patienten klagen zusätzlich über Erschöpfungssymptome und Fatigue bis hin zu depressiven Störungen (1). Nun zeigen aktuelle Daten des ITP World Impact Surveys (I-WISh), die von Dr. Carolin Kruse, Cleveland, Ohio, USA, und Kollegen beim ASH-Meeting als Poster präsentiert wurden, dass Ärzte das Symptom Fatigue nicht in gleichem Maße als substanzielles, die Lebensqualität deutlich einschränkendes Problem wahrnehmen wie die Patienten selbst (2).
Die Erhebung von Patient Reported Outcomes (PRO), also Symptomen und Wahrnehmungen, die von Patienten selbst berichtet werden, wird in der klinischen Hämatologie und Onkologie immer bedeutsamer. Während PRO früher nur zur Beobachtung in klinischen Studien erhoben wurden und damit Forschungszwecken dienten, werden sie heute immer häufiger so eingesetzt, dass sie einen Mehrwert für die Patienten bieten. Wichtige neue Erkenntnisse erbrachte jetzt eine weltweite Befragung von ITP-Patienten und ihren behandelnden Ärzten im Rahmen des I-WISh – einer Querschnitts-Befragung, die die Belastung durch die ITP und ihren Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten untersucht.

1.507 Patienten aus 13 Ländern und 472 Ärzte (66% Hämatologen, 33% Hämatonkologen) aus den gleichen Ländern füllten im Zuge der Untersuchung einen 30-minütigen Online-Fragebogen aus, der von Experten in Zusammenarbeit mit Patientenvertretern entworfen worden war. Die Patienten waren im Mittel 47 Jahre alt und 20% von ihnen waren splenektomiert. Sie standen im Mittel 23,3 Monate unter ihrer derzeitigen Behandkung.

Die am häufigsten genannten Symptome bei der ITP waren bei Ärzten und Patienten ähnlich und umfassten vor allem Blutungssymptome. Das Symptom, das die Patienten sowohl im Hinblick auf den Zeitpunkt bei der Diagnose der ITP als auch im Hinblick auf den Zeitpunkt der Befragung am häufigsten nannten und als besonders schwer einstuften, war die Fatigue. Im Vergleich zu den Patienten, die Fatigue in 73% der Fälle als Symptom bei der Diagnose nannten, das bei 65% auch zum Zeitpunkt der Untersuchung noch bestand, wurde dieses Symptom von den Ärzte deutlich seltener genannt (30% Diagnose, 31% allgemein). Die Ärzte schätzten auch die Schwere des Symptoms (definiert als Bewertung mit ≥ 5 Punkten auf einer 7-stufigen Skala) als nicht so hoch ein wie die Patienten.

Fazit der Autoren: Patienten und Ärzte stimmen darin überein, dass die Symptome der ITP eine große Belastung für die Patienten darstellen und sind sich auch hinsichtlich der Häufigkeit und Schwere der meisten Symptome einig. Unterschiede ergeben sich jedoch in der Einschätzung der Fatigue, die von den Ärzten als weniger häufig und weniger schwer eingestuft wird als von den Patienten. Die Autoren hoffen, dass die Ergebnisse des I-WISh dazu beitragen können, das Verständnis für die Symptomlast bei der ITP im Allgemeinen und für die Fatigue im Besonderen zu schärfen. Zudem gelte es, den Zusammenhang zwischen der Fatigue und der Krankheitsaktivität der ITP zukünftig besser zu verstehen.

cs
 

Quelle: ASH 2018

Literatur:

1. Onkopedia Leitlinie Immunthrombozytopenie. Online abrufbar unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/immunthrombozytopenie-itp/@@view/html/index.html. Letzter Aufruf: 26.11.2018
2. Kruse C et al. Patients with Immune Thrombocytopenia (ITP) Frequently Experience Severe Fatigue but Is It Under-Recognized By Physicians: Results from the ITP World Impact Survey (I-WISh). Poster im Rahmen der 60. Jahrestagung der American Society of Clinical Hematology (ASH) 2018, 1. Dezember 2018; Abstract 2273
 


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