Freitag, 23. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Medical Cloud CAR T
 

Medizin

27. April 2017 ELCC: Grippeschutzimpfung mögliche Kontraindikation für Lungenkrebs-Patienten unter Immun-Checkpoint-Blockade

Lungenkrebs-Patienten, die mit PD-1/PD-L1-Checkpoint-Inhibitoren behandelt werden, könnten nach einer Grippeschutzimpfung einem erhöhten Nebenwirkungsrisiko ausgesetzt sein, so das Ergebnis einer Studie, die als Poster auf dem ELCC* in Genf vorgestellt wird.
Anzeige:
Polivy
"Immun-Checkpoint-Inhibitoren sind in der klinischen Routine angekommen, allerdings sind besonders Lungenkrebs-Patienten von Influenza und damit assoziierten Komplikationen bedroht", so Prüfarzt PD Dr. Sacha Rothschild, Basel. "Obwohl Krebspatienten die Grippeschutzimpfung bereits seit langem empfohlen wird, besteht nun die Befürchtung, dass bei Patienten, die Checkpoint-Inhibitoren erhalten, dadurch eine übersteigerte Immunantwort getriggert werden könnte." Diese vorläufigen Ergebnisse müssen nun weiter untersucht werden.

Die prospektive Studie schloss 23 Patienten ein (medianes Alter 58,7 Jahre), 16 davon mit einem NSCLC, 4 mit RCC, 3 mit malignem Melanom. 50% der Patienten hatten mindestens 2 Vortherapien erhalten und erhielten nun Nivolumab bzw. 1 Patient bekam Pembrolizumab.

Die Patienten wurden mit einem trivalenten Grippeimpfstoff geimpft (Okt./Nov. 2015) und bezüglich immunbezogener Nebenwirkungen (immune-related adverse events, irAEs) überwacht.
10 gesunde Personen als Kontrollgruppe erhielten denselben Grippeimpfstoff.

Alle Patienten zeigten eine adäquate Immunantwort mit Antikörper-Titern gegen alle 3 Virusstämme. in den ersten 30 Tagen gab es keinen schweren Nebenwirkungen, die mit der Impfung zusammenhingen.

Keine der geimpften Personen erkrankte in der Saison 2015/16 an Grippe. Allerdings gab es viele irAEs (52,2%), bei 6 Patienten vom Grad 3/4. Darunter waren vor allem Hautausschläge, Arthritis, Colitis, Enzephalitis, Hypothyreoidismus, Pneumonitis und Neuropathien.

"Die immunbezogenen Nebenwirkungen fielen signifikant höher aus als bei ungeimpften Patienten, die mit PD-1/PD-L1-Inhibitoren behandelt werden", so Rothschild. "Wir sind in unserem Zentrum von 25,5% immunbezogenen Nebenwirkungen ausgegangen, mit etwa 9,8% vom Grad 3/4, bzw. haben uns daran orientiert, was in der Literatur angegeben wird, das sind 30-35%."

"Unsere Hypothese ist, dass bei dieser Population durch die Impfung eine überbordende Aktivierung des Immunsystems  stattgefunden hat."
Inflammatorische Zytokine im peripheren Blut waren jedoch nicht erhöht.

"Trotz diese hohen Nebenwirkungsrate in dieser Studienkohorte sind wir der Ansicht, dass vor allem Patienten mit Lungenkrebs vor einer Grippe und den möglichen Komplikationen wie Pneumonie und Lungenversagen bewahrt werden müssen, weil die Lunge durch den Krebs bereits vorgeschädigt ist: oftmals wurden Teile der Lunge reseziert, was zu einer entsprechenden Verringerung des Lungenvolumens führt. Wägt man Risiko und Nutzen einer saisonalen Grippeschutzimpfung für Patienten mit einer Monotherapie mit einem PD-1/PD-L1-Inhibitor ab, muss man gerade bei den Patienten mit Lungenkrebs von Fall zu Fall entscheiden, bis gesicherte Erkenntnisse aus größeren Kohorten vorliegen", schloss er.
(Übers. v. AB)

*Abstract 112P_PR ‘Immune response and adverse events to influenza vaccine in cancer patients undergoing PD-1 blockade’ will be on Poster Display on 6 May at 12:30 CEST.

Mehr Informationen zur European Lung Cancer Conference (ELCC) 2017
 

Quelle: European Lung Cancer Conference (ELCC) 2017


Anzeige:
Empliciti
Empliciti

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"ELCC: Grippeschutzimpfung mögliche Kontraindikation für Lungenkrebs-Patienten unter Immun-Checkpoint-Blockade"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA25 virtuell
  • Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert
  • CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress
  • Sichelzellerkrankung: Verbesserung der Lebensqualität ist wichtigstes Therapieziel aus Sicht der Patienten – neue Behandlungsoptionen erwünscht
  • PV: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting
  • Neuer BCR-ABL-Inhibitor Asciminib bei bisher unzureichend therapierten CML-Patienten in Phase-I-Studie wirksam
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie für jüngere und ältere Patienten vergleichbar sicher
  • Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam
  • CML: Hohe Rate an tiefem molekularen Ansprechen nach 24-monatiger Therapie mit Nilotinib in der Zweitlinie
  • Systemische Mastozytose: neuer Prädiktor für das OS entdeckt
  • MF: Real-world-Daten bestätigen relevante Reduktion des Mortalitätsrisikos unter dem Einfluss von Ruxolitinib