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Medizin

08. Juli 2019 Auch bei Unter-40-Jährigen an Magenkarzinom denken

Magenkrebs darf nicht als Krankheit vorwiegend älterer Menschen betrachtet werden; vielmehr sollten jüngere Menschen < 40 Jahren mit chronischen Verdauungsproblemen proaktiver untersucht werden. Dies gilt ganz besonders für Menschen in Lateinamerika, so der Schluss einer retrospektiven Beobachtungsstudie aus Mexiko, in der festgestellt wurde, dass von mehr als 2.000 Patienten mit Magenkarzinom jeder Siebte jünger als 40 Jahre war und ein schlechteres Outcome als ältere Patienten aufwies.
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In der Studie wurden die Daten von 2.022 Patienten, bei denen zwischen 2004 und 2016 ein Magen-Adenokarzinom diagnostiziert worden war, ausgewertet. 290 Patienten (14%) waren jünger als 40 Jahre, wobei der Anteil an Frauen höher war (54% Frauen vs. 46% Männer). Bei den Frauen wurden zudem mehr diffuse (68% vs 32%; p=0,127) und gering differenzierte Tumoren (89% vs 84%; p=0,014), Siegelringzellen (76% vs 69%; p=0,049) und eine höhere Prävalenz von Stadium IV (59% vs. 41%; p=0,011) festgestellt, sodass sie ingesamt eine schlechtere Prognose hatten.
Das Gesamtüberleben betrug im Median 7 (Frauen) vs. 8 Monate (Männer) (p=0,03; HR=1,29; 95%-KI: 1,05-1,65). Das mittlere Gesamtüberleben war bei Patienten mit Tumoren am Übergang Ösophagus/Magen mit 7 vs. 14 Monaten (HR=0,68; 95%-KI: 1,05-2,688; p=0,23) und im fortgeschritteneren Krankheitsverlauf signifikant schlechter und betrug in den Stadien I-III, bei lokal fortgeschrittenem Tumor und im Stadium IV jeweils 33, 12 bzw. 5 Monate (HR=2,28; 95%-KI: 1,72-3,01; p=0,001).

Unabhängige Prädiktoren für das Gesamtüberleben wurden in einer Cox-Regressionsanalyse dargestellt: Geschlecht (HR=1,29; 95%-KI: 1,01-1,65; p=0,038), Primärtumor (HR=1,68; 95%-KI: 1,05-2,68; p=0,02) und das klinische Stadium (HR=2,28; 95%-KI: 1,72-3,01; p=0,001).

Bewusstsein für Magenkarzinom fördern

„Wir haben in den letzten 12  Jahren einen Anstieg von 120% bei Magenkrebs beobachtet, insbesondere bei Frauen, bei denen die Erkrankung in der Regel bereits fortgeschritten und daher mit einer schlechteren Prognose assoziiert ist – was sich wiederum nachteilig auf das Überleben auswirkt“, äußerte sich Dr. Germán Calderillo-Ruiz, National Cancer Institute, Tlalpan, Mexico, zu der Studie.

Während in früheren Studien vor allem Männer von Magen-CA betroffen waren, waren über Hälfte der Patienten unter 40 Jahren, die in die Studie aus Mexiko eingeschlossen waren, Frauen. Die Patientinnen wiesen zum Zeitpunkt der Diagnose häufiger diffuse und gering differenzierte Tumoren in einem späteren Stadium auf als Männer, sodass die Gesamtüberlebensrate signifikant niedriger war.

Vielfach sind es finanzielle Probleme, weshalb Frauen oft erst spät medizinische Versorgung in Anspruch nehmen. Diese Studie soll nun dazu beitragen, ein stärkeres Bewusstsein für ein erhöhtes Magenkrebs-Risiko auch bei jüngeren Menschen zu fördern, sodass Frauen mit gastrointestinalen Symptomen bereits früher medizinische Hilfe suchen. Das ist umso wichtiger, da Magenkrebs bei jungen Patienten aggressiver verläuft und entsprechend schlechter auf Therapien anspricht.

Prävention  

Man könne zwar genetische Faktoren nicht beeinflussen, jedoch andere Risikofaktoren, die das Risiko für Magenkrebs erhöhen, wie ungesunde Ernährung, Übergewicht und unbehandelte H. pylori-Infektionen, so Dr. Rodrigo Dienstmann, Vall d’Hebron Institute of Oncology, Barcelona, Spanien. Außerdem sollte jüngere Menschen, die regelmäßig unter Verdauungsstörungen, Sodbrennen und Magenbeschwerden leiden, geraten werden, diese Anzeichen nicht zu ignorieren, sondern einen Arzt zu konsultieren und sich diagnostischen Tests zu unterziehen. Ebenso sollten Ärzte die Möglichkeit von Magenkrebs bei Patienten < 40 Jahren aus Lateinamerika sowie bei Hispanoamerikanern grundsätzlich in Betracht ziehen, resümierte Dienstmann. Auf die neuesten Forschungsergebnisse aus Mexiko folgen weitere epidemiologische und molekulare Studien in Lateinamerika und Europa, um Subtypen von Magenkrebs in verschiedenen Regionen und Risikofaktoren in dieser Population zu untersuchen.

(übers. v. AH)

Quelle: ESMO World Congress on Gastrointestinal Cancer 2019


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