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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

26. Juni 2020
Seite 1/5
Sequenzielle Therapiekonzepte beim metastasierten kolorektalen Karzinom

A. Stein1, F. Lordick2, R.-D. Hofheinz3, S. Lorenzen4.
1Hämatologisch-Onkologische Praxis Eppendorf, Hamburg, 2Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Leipzig, 3Tagestherapiezentrum, Universitätsmedizin Mannheim, 4III. Medizinische Klinik, Klinikum rechts der Isar, München.

Das kolorektale Karzinom (CRC) ist nach Brustkrebs mit jährlich 60.500 Fällen das am zweithäufigsten diagnostizierte Malignom (beider Geschlechter) in Deutschland und eine der Hauptursachen für krebsbedingte Todesfälle weltweit (1). Das Hauptmanifestationsalter liegt nach dem 70. Lebensjahr; etwa 10% erkranken jedoch bereits vor dem 55. Lebensjahr. Inzwischen gibt es interdisziplinäre Behandlungskonzepte und individualisierte Strategien, die dazu beitragen, dass die Lebensqualität und die Prognose entscheidend verbessert werden konnten. Dieser Beitrag stellt die Behandlungsprinzipien der ersten, zweiten und dritten Linie und die Therapieziele beim metastasierten kolorektalen Karzinom (mCRC) vor.
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Therapieprinzipien

 
In irresektablen, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Stadien ist das CRC mit den derzeit verfügbaren Therapien in den meisten Fällen nicht heilbar. Die systemische Therapie, deren Rückgrat auch heute noch vorwiegend Zytostatika sind, steht im Vordergrund der palliativen Therapiemaßnahmen. Eine Vielzahl systemischer Therapien ist beim mCRC verfügbar. Sie werden als Monotherapie oder in Kombinationen bis hin zu Vierfach-Regimen eingesetzt. Dazu gehören die Chemotherapeutika
  • 5-Fluorouracil mit Folinsäure (5-FU/FS)
  • Capecitabin
  • Oxaliplatin
  • Irinotecan und
  • Trifluridin/Tipiracil (TAS-102).
 
Hinzu kommen die antiangiogen wirksamen Substanzen
  • Bevacizumab
  • Aflibercept und
  • Ramucirumab,
 
die Epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR)-Antikörper
  • Cetuximab und
  • Panitumumab
 
und der Multityrosinkinase-Inhibitor
  • Regorafenib (in Deutschland vom Markt genommen).
Dabei stellt die Abfolge sequenzieller Therapien einen entscheidenden Schritt in der Verbesserung der Prognose und Verlängerung des Überlebens dar (2). Obwohl durch die Betrachtung einzelner Studien gelegentlich der Eindruck entstehen kann, dass der Zugewinn durch eine einzelne neue Substanz nicht sehr groß ist, so bringt in der Summe die Möglichkeit der sequenziellen Behandlung mit aufeinanderfolgenden Therapieregimen oder Einzelsubstanzen eine mittlerweile sehr beträchtliche Verlängerung der medianen Gesamtüberlebenszeit (mOS) von bis zu 30 Monaten in klinischen Studien.
 
Auch wenn der 4-6-monatigen Erstlinien (Induktions-)therapie ein hoher Stellenwert im Erzielen eines möglichst langen OS zukommt, ist die weitere Sequenz von besonderer Bedeutung, um eine optimale Balance zwischen Tumorkontrolle und Lebensqualität zu ermöglichen. Neue Behandlungskonzepte während des continuum of care werden in Studien überprüft, etwa Erhaltungstherapien, Behandlung mit antiangiogenen Substanzen über mehrere Linien sowie Deeskalations- und Re-Induktionskonzepte. Das Denken in „Linien“ wird zunehmend verlassen, und Begriffe wie
 
  • Maintenance
  • Re-Induktion
  • Re-Challenge
etc. gewinnen an Bedeutung.
 
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