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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
25. Juni 2021
Seite 1/4

Protonentherapie in der modernen Sarkombehandlung – CME-Test Teil 2

Y.-L. Lin, B. Timmermann, Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen (WPE) gGmbH, Essen
Sarkome stellen eine heterogene Gruppe seltener Tumoren des Weichteil- und Knochengewebes dar. Diese zeigen nicht selten eine hohe Wachstumsgeschwindigkeit – mit jedoch oftmals erst später klinischer Manifestation. Lokalrezidive sind auch nach Therapie durchaus häufig. Eine onkologisch ausreichende In-sano-Resektion gelingt nämlich trotz umfangreicher chirurgischer Maßnahmen nicht immer bzw. würde die Mitnahme befallener Nachbarorgane und Rekonstruktionsnotwendigkeit von Knochen und Weichteilen nach sich ziehen. Um die lokale Tumorkontrolle zu verbessern, ist die Strahlentherapie heutzutage ein fester Bestandteil des multimodalen Therapieansatzes, die im Rahmen des multidisziplinären Sarkomboards evaluiert wird. Aus der relativen Strahlenresistenz der Sarkome resultiert zum einen der Bedarf einer hochdosierten Strahlentherapie. Zum anderen sind oftmals auch die Bestrahlungsvolumina recht groß, da sie die initiale und subklinische Tumorausdehnung, eine mögliche intraoperative Tumorzellverschleppung, sowie ggf. postoperativ verbliebene Tumorreste berücksichtigen müssen. Hierdurch ergeben sich für die Bestrahlungsplanung besondere Herausforderungen. Es gilt, eine ausreichend hohe und zielgenaue Dosisabgabe zu gewährleisten, bei gleichzeitiger Schonung der gesunden Umgebungsstrukturen. In dieser Komplexität der Sarkombehandlung bietet sich die Protonentherapie als hochkonformale Strahlentherapietechnik und Alternative zu herkömmlichen Bestrahlungsmethoden besonders an und wird zunehmend international erfolgreich eingesetzt.
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Sarkome sind seltene Neoplasien von mesenchymalem Ursprung und können überall im Körper auftreten. Bei Erwachsenen machen sie nur ca. 1% der Tumorerkrankungen aus, sie betreffen insbesondere Kinder und Jugendliche (1). Nach der WHO-Klassifikation gibt es mehr als 100 histologische Subtypen (2), wobei man erstmal grob zwischen den häufigeren Weichteilsarkomen und den selteneren Knochensarkomen unterscheidet, mit einem jeweiligen Anteil von 84% bzw. 14% (3). Während bei Erwachsenen undifferenzierte, pleomorphe Weichteilsarkome, Liposarkome und Leiomyosarkome vorherrschen (4), stellen Rhabdomyosarkome die häufigsten Weichteilsarkome im Kindes- und Jugendalter dar. Bei den Weichteilsarkomen sind die Lokalisationen unterschiedlich häufig betroffen: Am häufigsten die Extremitäten (43%), gefolgt von Viszera (19%), Retroperitoneum (15%), Rumpf (10%), Kopf- und Halsregion (9%) (5). Abhängig von der Malignität neigen sie zur Drucksymptomatik oder auch Infiltration des umliegenden Weichteilgewebes sowie des neurovaskulären Bündels. Typisch ist die Bildung einer sog. Pseudokapsel, die aus Zelltrümmern, Entzündungszellen und potenziell vitalen Tumorzellen besteht (6).

Die Chirurgie bleibt die Hauptsäule der lokalen Therapie mit dem Ziel einer vollständigen Tumorentfernung mit sicheren tumorzellfreien Resektionsrändern. Jedoch kann eine exakte Beurteilung der Resektionsränder z.B. durch eine vorliegende Pseudokapsel, eine Tumornekrose nach einer Induktionschemotherapie oder bei einem Zustand nach Knochen- sowie Weichteilrekonstruktion erschwert sein. Eine knappe Resektion, ein intraläsionaler Eingriff oder ein inoperabler Resttumor nach Chemotherapie stellen erhöhte Risikofaktoren für einen lokalen Rückfall bzw. Progress dar und bedürfen weiterer lokaler Therapiemaßnahmen im Sinne einer Strahlentherapie. Ihr Einsatz im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzeptes kann z.B. für Extremitätensarkome eine extremitätenerhaltende Operation mit zufriedenstellenden funktionellen Ergebnissen ermöglichen (7). Aber eine Strahlenbehandlung kann an einigen Tumorlokalisationen wie der Schädel­basis oder Wirbelsäule sehr anspruchsvoll sein. Hier wirken sich die komplexen anatomischen Gegebenheiten mit eingeschränkter Strahlentoleranz der gesunden Nachbarorgane aus, die in Konflikt mit den notwendigen, hohen Strahlendosen bei Sarkomen stehen können. Um die lokale Tumorkontrolle zu verbessern, wird mittels der modernen Bestrahlungstechnik stets angestrebt, das Tumorbett mit einer suffizienten Gesamtdosis zu bestrahlen und gleichzeitig die Umgebungsstrukturen maximal zu schonen. Insbesondere bei Tumoren im Kindesalter oder bei Tumoren nahe an kritischen Organen wird die Protonentherapie aufgrund ihrer dosimetrischen Vorteile und weltweit zunehmender Verfügbarkeit immer mehr in Betracht gezogen.
 
 

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Möglichkeiten der biologischen Rekonstruktionen bei Knochentumoren

Erschienen am 16.09.2020Knochensarkome weisen eine Häufigkeit von 0,2% aller malignen Tumoren auf und gehören damit zu den seltenen Erkrankungen (1). Das Osteosarkom zählt mit ca. 200 Fällen...

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