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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
23. Februar 2021

PARP-Inhibitoren bereichern Erstlinientherapie beim primär fortgeschrittenen Ovarialkarzinom

Die Erhaltungstherapie mit PARP-Inhibitoren hat in der Rezidivtherapie des platinsensitiven Ovarialkarzinoms zu einem Paradigmenwechsel geführt. Nun haben die Substanzen auch breiten Einzug in die Erstlinientherapie fortgeschrittener Ovarialkarzinome erhalten. Die Zulassung von Niraparib (Zejula®) für die Erstlinien-Erhaltungstherapie bei Frauen mit fortgeschrittenem epithelialen high-grade Ovarialkarzinom nach Ansprechen auf die Platin-basierte Chemotherapie hat das Therapiespektrum in der Erstlinie entscheidend erweitert.
Das Jahr 2020 stelle einen Meilenstein für Patientinnen mit primär fortgeschrittenem Ovarialkarzinom dar, so Prof. Dr. Sven Mahner, München, auf einem Satellitensymposium beim 14. Wintersymposium der LMU München. Neben der breiten Erstlinienzulassung von Niraparib für Patientinnen mit Platin-sensitiven Tumoren ohne Einschränkungen hinsichtlich des BRCA-Mutationsstatus oder der Funktionsfähigkeit der DNA-Reparatur via homologer Rekombination (HR) erfolgte außerdem die Zulassung von Olaparib für die Erstlinien-Erhaltungstherapie in Kombination mit Bevacizumab bei Patientinnen mit einer Defizienz der HR (HRD). Des Weiteren ist Olaparib als Monotherapie für die Erstlinien-Erhaltungstherapie bei Patientinnen mit einer BRCA-Mutation zugelassen. Die Herausforderung für die praktische Anwendung sei nun, die Substanzen so gut und rasch wie möglich in der Routine einzusetzen, sagte Mahner.
PRIMA-Studie – Basis für eine breite Erstlinienzulassung
In der PRIMA-Studie, die zur Erstlinien-Zulassung von Niraparib geführt hatte, konnte man anhand des HR-Status keine Patientin identifizieren, die nicht von der Erhaltungstherapie mit Niraparib profitierte (1). Bei den Patientinnen mit einer HRD betrug das mediane progressionsfreie Überleben (mPFS) im Niraparib-Arm 21,9 Monate gegenüber 10,4 Monaten im Placebo-Arm (HR=0,43; p<0,001). In der Gesamtpopulation lag das mPFS im Niraparib-Arm bei 13,8 Monaten vs. 8,2 Monaten im Placebo-Arm (HR=0,62; p<0,001). Aber auch bei HR-kompetenten Patientinnen wurde eine geringe Risikoreduktion von 32% beobachtet (HR=0,68) (1). „In der PRIMA-Studie erzielte Niraparib in der Frontline-Therapie des Ovarialkarzinoms einen Vorteil in allen Biomarker-Subgruppen“, fasste Prof. Dr. Antonio González-Martín, Madrid, Spanien, zusammen. Auch hinsichtlich des Alters, einer neoadjuvanten Chemotherapie oder des Tumorrests zeigten sich keine Wirksamkeitsunterschiede. Der Blick auf die Daten zur Zeit bis zur nächsten nachfolgenden Therapie mache deutlich, dass sowohl Frauen mit HR-defizienten als auch HR-kompetenten Tumoren langfristig profitierten, ergänzte González-Martín, Leiter der PRIMA-Studie. Häufigste Nebenwirkung der Erhaltungstherapie mit Niraparib war wie in der Rezidivsituation eine reversible und dosisabhängige Myelosuppression (1). Mit einem nachträglichen Amendment des Studienprotokolls erhielten Patientinnen unter 77 kg und/oder mit weniger als 150.000 Thrombozyten/µl eine reduzierte Startdosis von 200 mg statt 300 mg Niraparib 1x täglich. Diese individuelle Startdosis führte nicht zu einer Einschränkung der Wirksamkeit (2).
Strategien zur individualisierten Erhaltungstherapie
Ohne eine Erhaltungstherapie sei eine Verlängerung des PFS von Patientinnen mit primär fortgeschrittenem Ovarialkarzinom kaum zu erreichen, so González-Martín. „Patientinnen mit einem high-grade Ovarialkarzinom im Stadium III oder IV benötigen unbedingt eine Erhaltungstherapie – sonst treten selbst bei den Patientinnen mit der besten Prognose sehr bald Rezidive auf.“ Um jeder Patientin mit einem primären high-grade serösen Ovarialkarzinom im FIGO-Stadium III/IV die optimale Erhaltungstherapie zukommen zu lassen, wurden am Klinikum der LMU grundsätzliche Entscheidungswege erarbeitet, die Mahner vorstellte. Bei Indikation für Bevacizumab kann der Angiogenese-Inhibitor mit Olaparib kombiniert werden, wenn die Pa­tientin einen HR-defizienten Tumor hat. Hiervon ist auszugehen, wenn eine BRCA-Mutation vorliegt. Bei Patientinnen ohne BRCA-Mutation kann ein HRD-Test Aufschluss bringen, ob aufgrund der Mutation anderer Gene eine HRD vorliegt. Derzeit werde eine HRD-Testung mittels des Myriad myChoice Tests nur von der Uni Marburg durchgeführt, berichtete Mahner. Ist eine Erhaltungstherapie mit Bevacizumab nicht indiziert, stehen für Patientinnen mit BRCA-Mutation mit Olaparib und Niraparib 2 PARP-Inhibitoren zur Auswahl. Patientinnen ohne BRCA-Mutation ­und ohne Bevacizumab-Indikation hingegen kann erst seit der Erstlinienzulassung von Niraparib eine Erhaltungstherapie angeboten werden.

Mascha Pömmerl

Quelle: Symposium „PARP inhibition next level – mehr Möglichkeiten beim OvCa in der 1L Therapie“, 14. Wintersymposium München 2020, 19.12.2020; Veranstalter: GSK

Literatur:

(1) González‑Martín A et al. N Engl J Med 2019; 381:2391-2402.
(2) Mirza MR et al. ASCO 2020, Abstract 6050.


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