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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
15. November 2019

Metastasiertes triple-negatives Mammakarzinom - IMpassion130-Studie: Ein wichtiger Schritt nach vorn

Interview mit Frau Prof. Dr. med. Tjoung-Won Park-Simon, Medizinische Hochschule Hannover.
IMpassion130 (1) ist die erste positive Studie mit einem Immuntherapeutikum beim metastasierten triple-negativen Brustkrebs (TNBC). JOURNAL ONKOLOGIE sprach mit Frau Prof. Dr. Tjoung-Won Park-Simon, Bereichsleitung Gynäkologische Onkologie und Stellvertretende Klinikdirektorin der Medizinischen Hochschule Hannover, über die Bedeutung dieses Ergebnisses für Frauen mit diesem aggressiven Tumor sowie künftige Herausforderungen.
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Tjoung-Won Park-Simon
Frau Prof. Park-Simon, was bedeutet das Ergebnis der IMpassion130-Studie für Patientinnen mit metastasiertem TNBC?
 
Beim TNBC handelt es sich um einen hoch aggressiven Tumor mit einem hohen Rückfallrisiko. Außer der Chemotherapie gab es bislang kaum Therapieoptionen. Mit IMpassion130 gab es nun erstmals eine positive Studie mit einem Immuntherapeutikum (Atezolizumab) in Kombination mit Chemotherapie (nab-Paclitaxel) beim TNBC. Das ist ein wichtiger Schritt nach vorn. Es tun sich damit mehr therapeutische Möglichkeiten auf.
 
Welche Patientinnen profitieren von der Kombination Atezolizumab/nab-Paclitaxel?
 
In IMpassion130 wurden zunächst alle Patienten mit TNBC unabhängig vom molekularen Subtyp eingeschlossen. Es zeigte sich, dass nicht alle Frauen mit metastasiertem TNBC von einer Immuntherapie gleichermaßen profitierten, sondern nur jene, die PD-L1-positive Immunzellen aufwiesen (PD-L1-IC-positiv). Das war bei 41% der Frauen der Fall (2).
 
Wie groß ist der Vorteil durch die kombinierte Immun-Chemotherapie?
 
Der primäre Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben, welches sich bei den PD-L1-positiven Patientinnen unter der kombinierten Immuntherapie von 2,5 Monaten auf 7,5 Monate signifikant verbesserte (HR=0,62; 95%-KI: 0,49-0,78; p<0,0001). Erstaunlicherweise – und doch für Immuncheckpoint-Inhibitoren durchaus bekannt – überträgt sich dieser relativ kleine PFS-Vorteil in ein langes Überleben. In der auf dem ASCO 2019 präsentierten Interimsanalyse (3) konnte das Gesamtüberleben in der Gruppe der PD-L1-IC-positiven Frauen um 7,0 Monate verbessert werden – von 18 Monaten in der Chemotherapie-Gruppe auf 25 Monate unter der Kombinationstherapie. Diese Zahlen sind sehr beeindruckend. Aufgrund des Studienprotokolls waren die Daten für die statistische Auswertung noch nicht reif und wir warten noch auf das definitive Ergebnis. Offenbar gibt es Patientinnen, die sehr lange ansprechen, was wir in dieser Form beim TNBC bisher noch nicht gesehen haben.
 
Was sind die nächsten Herausforderungen?
 
Der erste Schritt ist getan. Wir haben gesehen, dass die Immuntherapie funktioniert und dass PD-L1 ein guter Prädiktor ist. Es gibt sehr spannende Daten aus frühen klinischen Studien, die neue Immuntherapie-Kombinationen testen. Wir stehen jetzt vor der Herausforderung, die Kombinationstherapien zu finden, von denen die einzelnen Patientinnen am besten – mit einem langen Gesamtüberleben – profitieren.
 
Welche Rolle spielt nab-Paclitaxel speziell für Patientinnen mit TNBC?
 
nab-Paclitaxel ist in der klinischen Routine schon länger im Einsatz. In der tnAcity- und CALGB-Studie (4, 5) haben wir relativ hohe Ansprechraten gesehen, insbesondere bei Patientinnen mit TNBC. In der Neoadjuvanz bestätigt sich, was wir in der metastasierten Situation beobachten. In der GeparSepto-Studie (6) z.B. konnte mit nab-Paclitaxel eine höhere Rate an Komplettremissionen nachgewiesen werden als mit konventionellem Pac-litaxel. TNBC scheint also besser auf nab-Paclitaxel anzusprechen als auf Paclitaxel. Es gibt auch viele Vorteile von nab-Paclitaxel im Hinblick auf die Nebenwirkungen und die Begleitmedikation. Der Arm mit nab-Paclitaxel ist ein guter Standard-Arm und hat sich in IMpassion130 als Chemotherapiepartner angeboten, weil man es kortisonfrei geben und damit eine unerwünschte Immunsuppression vermeiden kann.
 
Die Polyneuropathie tritt unter nab-Paclitaxel zwar etwas häufiger auf, doch ist diese Nebenwirkung unter der empfohlenen Dosierung z.B. mit 125 mg/m2 oder 100 mg/m2 geringer und relativ gut beherrschbar. Insofern ist nab-Paclitaxel auf jeden Fall eine gute Option. Wenn ein hoher Remissionsdruck besteht, können wir es sehr gut mit Carboplatin kombinieren.
 
Patientinnen mit TNBC sind meist stark vortherapiert. Was bedeutet das für die Therapie in der metastasierten Situation?
 
Viele Patientinnen mit TNBC haben bereits eine Standardchemotherapie mit einem Anthrazyklin, Taxan und Cyclophosphamid bekommen. Häufig setzen Kollegen auch schon Carboplatin in der neoadjuvanten Situation ein. Dann gibt es Daten aus einer japanischen Studie, CREATE X (7), wonach Patientinnen, die auf eine neoadjuvante Chemotherapie nicht gut angesprochen haben, von einer postoperativen Behandlung mit Capecitabin profitieren. Somit haben die Patientinnen mitunter schon 5 Chemotherapeutika in ihrer neoadjuvanten und adjuvanten Therapie erhalten. Natürlich wirft das Fragen nach der optimalen Therapie in der metastasierten Situation auf. Für die Subgruppe der Patientinnen mit BRCA1/2-Mutation könnte man auf PARP-Inhibitoren zurückgreifen. Eine Reinduktion kommt in Frage, wenn die letzte Chemotherapie länger zurückliegt. Gerade weil die Patientinnen schon so stark vortherapiert sind, rücken molekulare Zielstrukturen in unseren therapeutischen Fokus. Wir haben den ersten Hinweis erhalten, dass die Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren funktioniert. Nun gilt es, die Immuntherapie noch zu verfeinern und neue Kombinationspartner zu finden, um die Patienten noch individualisierter behandeln zu können. Auf diesem Gebiet gibt es sehr viel Bewegung. Damit rückt die Aussicht näher, diese aggressive Erkrankung zukünftig noch besser kontrollieren zu können.
 
Vielen Dank für das Gespräch!

Dr. rer. nat. Anita Schweiger

Literatur:

(1) Schmid P et al. Atezolizumab and nab-Pac-litaxel in Advanced Triple-Negative Breast Cancer. N Engl J Med 2018;379:2108-21.
(2) Emens LA et al. IMpassion130: Efficacy in immune biomarker subgroups from the global, randomized, double-blind, placebo-controlled, phase III study of atezolizumab + nab-paclitaxel in patients with treatment-naïve, locally advanced or metastatic triple-negative breast cancer. SABCS 2018, abstract GS1-04.
(3) Schmid P et al. IMpassion130: updated over-all survival (OS) from a global, randomized, double-blind, placebo-controlled, Phase III study of atezolizumab (atezo) + nab-paclitaxel (nP) in previously untreated locally advanced or metastatic triple-negative breast cancer (mTNBC). J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr 1003).
(4) Yardley D et al. nab-paclitaxel + carboplatin or gemcitabine vs gemcitabine/carboplatin as first-line treatment for patients with triple-negative metastatic breast cancer: Results from the randomized phase 2 portion of the tnAcity trial. SABCS 2016, abstract P5-15-03.
(5) Rugo HS et al. Randomized Phase III Trial of Paclitaxel Once Per Week Compared With Nanoparticle Albumin-Bound Nab-Paclitaxel Once Per Week or Ixabepilone With Bevacizumab As First-Line Chemotherapy for Locally Recurrent or Metastatic Breast Cancer: CALGB 40502/NCCTG N063H (Alliance).
J Clin Oncol 2015;33(21):2361-9.
(6) Untch M et al. Nab-paclitaxel versus solvent-based paclitaxel in neoadjuvant chemotherapy for early breast cancer (GeparSepto-GBG 69): a randomised, phase 3 trial. Lancet Oncol 2016;17(3):345-56.
(7) Masuda N et al. Adjuvant capecitabine for breast cancer after preoperative chemotherapy. N Engl J Med 2017;376(22):2147-59.


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