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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

26. April 2017
Seite 1/3
mCRPC: Wechselwirkungen in der antihormonellen Therapie mit Abirateronacetat und Enzalutamid

H.-P. Lipp, Universitätsklinikum Tübingen, K. Miller, Charité Berlin.

In der modernen antihormonellen Therapie des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC) gelten Abirateronacetat und Enzalutamid als gut verträgliche und ungefähr vergleichbar wirksame Erstlinienoptionen. Unterschiede bestehen jedoch beim pharmakokinetischen Interaktionspotential auf Ebene des Arzneimittelmetabolismus. Gegenüber Abirateronacetat weist Enzalutamid ein deutlich breiteres Wechselwirkungsspektrum auf, das vor allem bei älteren multimorbiden Patienten mit Polymedikation beachtet werden muss. Entsprechend fanden sich in einer aktuellen Analyse der bei Prostatakarzinompatienten häufigsten Komedikation in Verbindung mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT) wesentlich mehr Enzalutamid-relevante interagierende Arzneimittel als Abirateron-relevante. Im Versorgungsalltag sind daher ein erhöhtes Problembewusstsein und die Kenntnis über den Einfluss der Tumortherapie auf den Metabolismus der Komedikation wichtige Aspekte zur Prophylaxe klinisch relevanter Arzneimittelinteraktionen.
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Hintergrund – Multimorbidität und Polymedikation im Alter

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung und häufig bestehenden Multimorbidität im Alter resultiert eine leitliniengerechte Therapie multimorbider geriatrischer Patienten oftmals in einer Polymedikation. Darunter wird gemeinhin die gleichzeitige Einnahme von 5 oder mehr Medikamenten verstanden. Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2015 nehmen onkologische Alterspatienten im Schnitt mehr als 9 verschiedene Medikamente gleichzeitig ein, nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel und pflanzliche Präparate mitgerechnet (1). Daraus ergeben sich verschiedene Medikationsprobleme. Polymedikation verschlechtert die Therapietreue und birgt – auch aufgrund der altersbedingten Abnahme der hepatischen und renalen Clearance – ein immanent erhöhtes Risiko von unerwünschten Arzneimittelwirkungen und Interaktionen.


Pharmakokinetische Wechselwirkungen stehen an erster Stelle

Die häufigsten Arzneimittelinteraktionen sind pharmakokinetisch bedingt, d.h. durch gegenseitige Beeinflussung des Medikamentenabbaus. Hier spielt das Cytochrom-P450-System in der Leber und dessen Isoenzyme eine zentrale Rolle (2). Etwa die Hälfte aller Arzneimittel wird über Cyp3A4 metabolisiert und ca. 25% über Cyp2D6; weitere 20% des Arzneimittelabbaus erfolgen über die beiden Cyp2C-Isoformen Cyp2C9 und Cyp2C19 und nur etwa 5% werden über Cyp1A2 metabolisiert (Abb. 1) (3). Cyp-Induktoren können den Abbau der betreffenden (Ko-)Medikamente beschleunigen, so dass diese im schlimmsten Fall nicht ausreichend effektive Wirkspiegel erreichen können (Wirkverlust). Cyp-Hemmer hingegen können den Medikamenten-Wirkspiegel und damit das Risiko von vermehrten unerwünschten Wirkungen erhöhen (2). In der klinischen Praxis stellt neben der regelmäßigen und vollständigen Arzneimittelanamnese (inklusive frei verkäufliche Präparate) die Überprüfung der Verordnungspläne auf potenziell interagierende Medikamente die wichtigste Prophylaxe dar. Dafür stehen unter anderem auch Web-basierte Interaktionsdatenbanken, wie z.B. www.druginteractions.com, zur Verfügung, mit denen sich Wechselwirkungen über das Cyp-System schnell überprüfen lassen.
 
Abb. 1: Prozentualer Anteil der wichtigsten Cyp-Isoenzyme des Arzneimittelmetabolismus in der Leber und ihr Anteil an der Arzneimittelmetabolisierung (mod. nach (3)).
Abb. 1: Prozentualer Anteil der wichtigsten Cyp-Isoenzyme des Arzneimittelmetabolismus in der Leber.

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