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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

04. November 2016 mCRPC: Therapiesequenz mit Cabazitaxel begünstigt Prognose

Die derzeitige Datenlage beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) zeigt durchweg, dass nach dem Versagen einer Docetaxel-Therapie die Weiterbehandlung mit Cabazitaxel (Jevtana®) die Prognose von mCRPC-Patienten verbessert.

Das mCRPC ist klinisch und pathologisch eine stark heterogene Erkrankung. Tumoren können sowohl Androgen-abhängige als auch -unabhängige Zellen enthalten. Verschiedene Metastasen eines Patienten können molekularbiologisch komplett unterschiedlich sein. Das heißt, dass nach einer bestimmten Therapie einige Metastasen verschwinden und andere nicht, erklärte PD Dr. Frank König, Berlin. Nun gilt es, die Erkenntnisse über die Heterogenität der Erkrankung in den klinischen Behandlungsalltag zu integrieren. „Wir wissen, dass unser derzeitiges Repertoire an Präparaten nicht dazu in der Lage ist, all diese heterogenen Tumorkriterien adäquat zu behandeln“, sagte Prof. Dr. Peter Albers, Düsseldorf.

Im Fall des mCRPC gibt es keine prospektiv-randomisiert validierten Parameter, die eine Therapieentscheidung erleichtern, daher stellt sich in der Erstlinie immer die Frage: Taxan- oder Hormontherapie, erläuterte Dr. Stefan Machtens, Bergisch Gladbach. Der Gleason Score (GS) kann als Entscheidungskriterium dienen. Docetaxel zeigte einen Überlebensvorteil bei einem GS ≥ 7 und Abirateron bei einem GS < 8. Auch die Dauer der primären Androgendeprivation (ADT) kann als Kriterium zur Therapiewahl in der Erstlinie herangezogen werden. Bei einer Krankheitsprogression unter oder kurz nach (< 3 Monate) einer Docetaxel-Therapie oder bei einem nur sehr kurzen Ansprechen auf die primäre ADT sollten Patienten vorrangig den Mikrotubuli-Inhibitor Cabazitaxel erhalten, erklärte Machtens. Cabazitaxel umgeht eine Taxan-Resistenz und seine Wirksamkeit ist unabhängig von einer vorherigen gegen den Androgenrezeptor gerichteten Therapie, so Machtens. In der PROSELICA-Studie wurde mCRPC-Patienten, die während oder nach einer Docetaxel-basierten Behandlung (n=1.200) einen Progress erlitten, 20 mg Cabazitaxel und 10 mg Prednisolon (n=598) oder 25 mg Cabazitaxel und 10 mg Prednisolon (n=602) verabreicht (1). Der primäre Endpunkt, das OS, wurde erreicht und hierbei war die niedrigere Cabazitaxel-Dosis der höheren nicht unterlegen. Unter 25 mg Cabazitaxel war die Dauer bis zu einem Rezidiv („PSA-Progress“) mit 6,8 Monaten signifikant länger (vs. 5,7 Monate) und das PSA-Ansprechen war mit 42,9% signifikant besser als unter 20 mg Cabazitaxel (29,5%). Die höhere Cabazitaxel-Dosis scheint eine höhere Antitumoraktivität zu haben, so Machtens. Therapiebedingte, unerwünschte Ereignisse traten unter der niedrigeren Cabazitaxel-Dosis seltener auf.

Die QoLiTime-Studie zeigte unter Cabazitaxel-Behandlung ein deutlich verbessertes PFS und OS bei einem PSA-Abfall ≥ 50. Mehr als ein Drittel der Patienten zeigte eine gute PSA-Antwort nach 4 Therapiezyklen mit Cabazitaxel, erklärte Machtens. Zudem blieb der allgemeine Gesundheitszustand unabhängig vom PSA-Ansprechen erhalten. Daraus lässt sich schließen, dass die PSA-Antwort möglicherweise ein Surrogatmarker für ein verbessertes PFS und OS durch Cabazitaxel/Prednis(ol)on ist (2). Welchen Einfluss die Wahl der Therapiesequenz auf das OS hat, untersuchte eine vergleichende Analyse der Therapiesequenzen aus 13 verschiedenen retrospektiven Studien nach Docetaxel-Versagen. Im Hinblick auf das OS zeigte sich keine klare Überlegenheit einer der 3 Strategien. Eine Therapiesequenz, die Cabazitaxel enthält, scheint jedoch einen möglichen OS-Vorteil zu haben, erklärte Machtens (3) (Abb. 1).
 

Abb. 1: Retrospektive Analyse der Überlebenszeit (OS) von mCRPC-Patienten (mod. nach (3)). DOC=Docetaxel; ABI/ENZA=Abirateron oder Enzalutamid; CAB=Cabazitaxel
Abb. 1: Retrospektive Analyse der Ãœberlebenszeit (OS) von mCRPC-Patienten (mod. nach (3)). DOC=Docetaxel; ABI/ENZA=Abirateron oder Enzalutamid; CAB=Cabazitaxel


Patienten mit einem hormonsensitiven mCRPC, vor allem jene mit ungünstigen Risikofaktoren (kurzes Ansprechen auf Hormondeprivation, hoher initialer GS, viszerale Metastasierung), sollten eine kombinierte Chemotherapie erhalten, wobei diese Teil einer sequenziellen Therapie sein sollte, fasste Machtens zusammen. Auch Patienten höheren Alters sollte eine Chemotherapie nicht vorenthalten werden, da sie in einem vergleichbaren Ausmaß von der Chemotherapie profitieren wie jüngere Patienten.

Quelle: Satellitensymposium „What's hot in mCRPC“, DGU-Kongress, 29.09.2016, Leipzig; Veranstalter: Sanofi Genzyme

Literatur:

(1) de Bono JS et al. J Clin Oncol 2016 (suppl Abstr. 5008, ASCO 2016).
(2) Hammerer P et al. EAU 2016 Abstract 768.
(3) Maines F et al. Crit Rev Oncol Hematol 2015.


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