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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

18. Oktober 2016 mCRC: Überlebensvorteil durch Tipiracil/Trifluridin in der „Lastline“

Vor Kurzem wurde in Deutschland das oral zu verabreichende Kombinationszytostatikum Tipiracil/Trifluridin (TAS-102, Lonsurf®) als neue Behandlungsoption für Patienten mit vorbehandeltem metastasierten kolorektalen Karzinom (mCRC) zugelassen, die bereits mit den verfügbaren Therapien behandelt wurden, oder die für diese Behandlungen nicht in Frage kommen. Prof. Dr. Volker Heinemann, München, und Prof. Dr. Meinolf Karthaus, München, stellten im Rahmen einer Pressekonferenz die aktuellen Therapiemöglichkeiten beim mCRC sowie die neue Lastline-Chemotherapie vor.
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Molekularprofil für Therapiealgorithmus entscheidend
 
Heinemann gab einen Überblick über die aktuellen Therapiemöglichkeiten beim mCRC. So liegt den aktuellen ESMO-Guidelines zu Folge der Fokus zur Therapieentscheidung mittlerweile auf dem Allgemeinzustand und der individuellen Molekularpathologie des Tumors von mCRC-Patienten (Abb. 1). Demnach können prinzipiell nur fitte Patienten einer aggressiven Therapie zugeführt werden. Je nachdem, ob ein Schrumpfen des Tumors oder aber eine Krankheitskontrolle das Behandlungsziel darstellen, gibt es unterschiedliche Optionen. Die eventuelle Kombination mit Antikörpern oder Biologika wird aufgrund des Molekularprofils des Tumors ermittelt. So hat sich bei RAS-Wildtyp-Tumoren der Einsatz einer Chemotherapie-Dublette gemeinsam mit einer Anti-EGFR-Therapie bewährt. Dies hat sich in Head-to-head-Vergleichen einem initialen Einsatz von Anti-VEGF-Antikörpern als überlegen erwiesen. Eine BRAF-Mutation, die laut Heinemann etwa 10% der mCRC-Patienten betrifft, sei mit einer sehr ungünstigen Prognose assoziiert und optimale Behandlungsstrategien wären noch nicht bekannt. „Leider gibt es dazu kaum klinische Studien, so dass es schwierig wird, hier einen Behandlungsstandard zu definieren“, gab Heinemann zu bedenken. Er ging auch auf die aktuellen Ergebnisse bezüglich der Wichtigkeit der Tumorlokalisation beim Kolonkarzinom ein: „Ein rechtsseitig gelegener Tumor ist im Vergleich zu einem linksseitig lokalisierten Tumor mit einer schlechteren Prognose verknüpft. Die Tumorlokalisation wird künftig auch als neuer, therapiebestimmender Faktor eine Rolle spielen.“ Er wies darauf hin, dass bei Nachweis einer Mikrosatelliten-Instabilität auch eine immuntherapeutische Behandlung mit einem PD-1-Inhibitor in Frage kommt. „Die Behandlung des mCRC wird immer komplexer. Daher sind für die Therapieentscheidungen multidisziplinäre Tumorboards unerlässlich“, sagte Heinemann abschließend.
 
Abb. 1: Therapiealgorithmus des mCRC anhand der ESMO-Guidelines (mod. nach (1)). CT=Chemotherapie, BSC=best supportive care
Abb. 1: Therapiealgorithmus des mCRC anhand der ESMO-Guidelines (mod. nach (1)). CT=Chemotherapie, BSC=best supportive care


Neue Therapieoption bei vorbehandeltem mCRC
 
„Mit der neuen Chemotherapie aus Trifluridin/Tipiracil können wir mCRC-Patienten nun eine neue Behandlungsmöglichkeit anbieten, wenn die anderen Therapien bereits ausgeschöpft sind“, sagte Karthaus. In der Phase-III-Studie RECOURSE, deren Ergebnisse zur Zulassung geführt haben, wurden 800 Patienten im Verhältnis 2:1 randomisiert zu entweder Trifluridin/Tipiracil (35 mg/m2 2x täglich oral d1-5, 8-12 alle 4 Wochen) oder Placebo (jeweils in Kombination mit Best Supportive Care (BSC). Das Gesamtüberleben – der primäre Studienendpunkt – konnte im Verumarm signifikant um 1,8 Monate im Vergleich zu Placebo (7,1 vs. 5,3 Monate) verlängert werden (HR=0,68; p<0,0001) (2). In einer neueren Auswertung betrug die Überlebenszeitverlängerung 2,0 Monate (7,2 vs. 5,2 Monate; HR=0,69; p<0,0001) (3). Dieser Vorteil für die Behandlung mit Tipiracil/Trifluridin war über alle Subgruppen hinweg konsistent. Auch das progressionsfreie Überleben (PFS) war unter der Chemotherapie signifikant verlängert (medianes PFS: 2,0 vs. 1,7 Monate; HR=0,48; p<0,0001).
 
Die Zytostatikakombination habe sich dabei laut Karthaus als relativ gut verträglich erwiesen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren gastrointestinale und hämatologische Ereignisse, der prozentuale Anteil an Patienten mit febriler Neutropenie betrug 3,8%. Darüber hinaus sei unter Trifluridin/Tipiracil der Allgemeinzustand länger stabil, und die Verschlechterung des ECOG-Performance-Status auf über 2 sei länger zu verzögern als unter Placebo. Auch die orale Verabreichungsform stellt für diese Patienten aufgrund der weit fortgeschrittenen Erkrankungssituation einen Vorteil dar, erklärte Karthaus.

sk

Quelle: Pressekonferenz zur Einführung von Lonsurf®, 14.09.2016, München; Veranstalter: Servier

Literatur:

1. van Cutsem E et al. Ann Oncol 2016; 27(8): 1386-1422.
2. Mayer RJ et al. N Engl J Med 2015; 372: 1909-19.
3. Mayer et al. J Clin Oncol 2016, 34 (suppl 4S, Abstr. 634).


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