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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

09. September 2016 mCRC mit RAS-Wildtyp: Überlebensvorteil durch frühe Tumorschrumpfung unter Panitumumab

Auf dem diesjährigen WCGIC in Barcelona wurden erstmals Ergebnisse einer exploratorischen Meta-Analyse aus den gepoolten Daten der Studien PRIME, PEAK und PLANET zur Erstlinientherapie mit Panitumumab (Vectibix®) bei Patienten mit metastasiertem kolorektalen Karzinom (mCRC) mit RAS-Wildtyp (WT) präsentiert. Sie zeigen, dass eine frühe Tumorschrumpfung (ETS, early tumor shrinkage) mit einer Verlängerung des Gesamtüberlebens (OS) korreliert (PRIME, PEAK, PLANET) und mit einer Erhöhung der Resektionsrate assoziiert ist (PRIME, PEAK).
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Fachinformation
In den 3 Studien erreichten 48% bzw. 55% bzw. 66% der mCRC-Patienten mit RAS-WT eine ≥ 30%-ige ETS. Sie hatten im Vergleich zu Patienten mit < 30%-iger ETS ein um relativ 54% verbessertes OS (HR=0,46; 95% KI 0,38-0,55). Ähnliches gilt für das progressionsfreie Überleben (PFS): Das Risiko für einen Progress war bei Patienten mit ≥ 30%-iger ETS gegenüber denen mit < 30%-iger ETS um relativ 45% reduziert (HR=0,55; 95% KI 0,46-0,65). „Patienten mit ≥ 30%-iger ETS hatten einen beträchtlichen Überlebensvorteil. Die Konfidenzintervalle der Analyse sind sehr eng, so dass kein Zweifel besteht, dass die ETS mit einem verbesserten Überleben korreliert“, kommentierte Prof. Dr. Michael Geißler, Esslingen. Prinzipiell wurden bei den mit Panitumumab behandelten Patienten in PRIME und PEAK höhere ETS-Raten als in den Vergleichsarmen berichtet: In der PRIME-Studie erreichten 59% der mit Panitumumab plus FOLFOX-4 behandelten mCRC-Patienten mit RAS-WT bis Woche 8 eine ≥ 30%-ige ETS; bei alleiniger Gabe von FOLFOX-4 waren es nur 38%. In der PEAK-Studie waren es 64% im Panitumumab-Arm versus 45% im Kontrollarm mit Bevacizumab.

Auch die Resektionsraten waren bei früher Tumorschrumpfung verbessert: Sie waren bei Patienten mit ≥ 30%-iger ETS um relativ 60% höher als bei < 30%-iger ETS (OR=0,40; 95% KI 0,25-0,63). 86% bzw. 81% der Teilnehmer von PRIME bzw. PEAK mit ≥ 20%-iger ETS und je 75% der Patienten beider Studien mit ≥ 30%-iger ETS konnten R0-reseziert werden. Zudem hatten Patienten mit ≥ 20%-iger bzw. ≥ 30%-iger ETS eine um rund 70% höhere Chance auf eine R0-Resektion als die mit geringerer ETS (OR=0,31 bzw. OR=0,30) (1).

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Post-hoc-Analyse der PRIME-Studie, in der Patienten von der Lebermetastasenresektion mit einem langen OS von 5-6 Jahren profitierten (2).


Verbesserte Lebensqualität bei früher Tumorschrumpfung

Das frühe Ansprechen ist insbesondere für symptomatische mCRC-Patienten mit RAS-WT von Bedeutung, da es mit einer verbesserten Lebensqualität einhergeht. Das zeigt eine auf dem WCGIC vorgestellte retrospektive Analyse der PRIME-Studie, in der die Lebensqualität ein vorab definierter tertiärer Endpunkt war (3). Bei symptomatischen Patienten mit ETS waren Gesundheitsstatus (HSI; health state index) und die allgemeine Gesundheitseinschätzung (OHR; overall health rating) im Vergleich zu symptomatischen Patienten ohne frühe Tumorschrumpfung signifikant verbessert (p=0,02). Insgesamt wirkte sich die Addition von Panitumumab zur Firstline-Chemotherapie nicht ungünstig auf die Lebensqualität aus. Zwar können therapiebedingte Hautreaktionen die Lebensqualität beeinträchtigen, Siena et al. vermuten jedoch, dass diese Effekte durch die rasche Symptomlinderung unter Panitumumab wettgemacht werden. Das könnte erklären, dass die ETS bei initial symptomatischen Patienten mit einer verbesserten Lebensqualität assoziiert ist.


Fazit

Panitumumab in Kombination mit Standardchemotherapie führt bei Patienten mit mCRC vom RAS-WT zu einem raschen und tiefen Ansprechen. Die ETS geht mit
- einer Verlängerung von PFS und OS,
- einer verbesserten Lebensqualität bei initial symptomatischen Patienten und
- einer vermehrten Rate potenziell kurativer Metastasenresektionen einher.

Quelle: Satellitensymposium „Treatment of WT RAS mCRC: current practice and future perspectives“ im Rahmen d. 18th ESMO WCGIC 2016, Barcelona; Veranstalter: Amgen

Literatur:

(1) Rivera F et al. Ann Oncol 2016;27(Suppl1): Abstr. PD-031 (und Poster).
(2) Douillard JY et al. Eur J Cancer 2015;51:1231-42.
(3) Siena S et al. Ann Oncol 2016;27(Suppl1): Abstr. PD-024 (und Poster).


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