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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. Februar 2020 I-WISh-Studie bei ITP: Überwindung der Fatigue ist Patienten wichtiger als Ärzten

Die Immunthrombozytopenie (ITP) ist eine erworbene Thrombozytopenie, verursacht durch eine Autoimmunreaktion gegen Thrombozyten und Megakaryozyten. Typische Blutungssymptome sind Petechien und Schleimhautblutungen, doch viele Patienten klagen auch über Erschöpfungssymptome und Fatigue (1). Nun zeigen aktuelle Daten des ITP World Impact Surveys (I-WISh), die Dr. James Bussel, New York, USA, und Kollegen bei der ASH-Jahrestagung 2019 präsentierten, dass Ärzte und Patienten bestimmte ITP-Behandlungsziele – in besonderem Maße die Fatigue – unterschiedlich gewichten (2).
An der Querschnittsbefragung I-WISh nahmen 1.507 Patienten und 472 Ärzte (66% Hämatologen, 33% Hämatoonkologen) aus 13 Ländern teil. Die beim ASH vorgestellte Analyse widmete sich den Behandlungszielen, die von Ärzten und Patienten als am wichtigsten erachtet wurden. Zudem wurden die ITP-Behandlungen in verschiedenen Ländern zum Zeitpunkt der Umfrage und im Zeitraum davor evaluiert.

Die wichtigsten Behandlungsziele aus Sicht der Patienten waren eine Normalisierung des Blutbildes (64%), eine Verhinderung von ITP-Verschlechterungen (44%), eine Steigerung des Energieniveaus (41%), eine Reduktion spontaner Blutungen (38%) und eine verbesserte Lebensqualität (38%). Die Ärzte nannten eine Verringerung spontaner Blutungen (72%), eine bessere Lebensqualität der Patienten (64%) und eine Normalisierung des Blutbildes (51%) als die wichtigsten Behandlungsziele. Mehr Ärzte als Patienten gaben eine Reduktion der spontanen Blutungen (72% vs. 38%) und eine Verbesserung der Lebensqualität (64% vs. 38%) als Top-Behandlungsziele an. Dagegen nannten die Mediziner im Vergleich zu Patienten seltener das Erreichen normaler Blutzellzahlen (51% vs. 64%) und Reduktion der Fatigue (15% vs. 41%) als wichtigste Therapieziele – was unterstreicht, dass Ärzte das Symptom Fatigue nicht in gleichem Maße als substanzielles, die Lebensqualität deutlich einschränkendes Problem wahrnehmen wie die Patienten selbst. Mit Ausnahme von Indien unterschätzen die Ärzte in allen beteiligten Ländern den Leidensdruck der Patienten, der durch Fatigue verursacht wird.

Auch hinsichtlich der Verfahren, die zur Behandlung der ITP eingesetzt werden, gab es deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. Kortikosteroide wurden bei 79% der Patienten zur Behandlung von ITP verschrieben – 26% standen zum Zeitpunkt der Umfrage unter einer solchen Medikation – wobei Kolumbien (90%), Frankreich (85%) und die USA (82%) zu jedem Zeitpunkt der ITP-Behandlung die Länder mit dem höchsten und Japan sowie die Türkei (64 bzw. 68%) die Länder mit dem geringsten Einsatz von Kortikosteroiden waren. Deutschland lag mit 76% im Mittelfeld. Während der I-WISh-Umfrage ging die Nutzung von Kortikosteroiden in nahezu allen Ländern deutlich zurück, Steroide blieben aber die am häufigsten verordneten Medikamente. Thrombopoetin-Rezeptor-Agonisten (TPO-RAs) wurden zu jedem Zeitpunkt der ITP-Behandlung bei insgesamt 27%, in Deutschland bei 24% der Patienten verschrieben, zum Zeitpunkt der Umfrage standen 17% der Patienten unter einer Therapie mit TPO-RAs. TPO-RAs wie etwa Eltrombopag (Revolade®), die nach Ansicht der Autoren die Zweitlinien-ITP-Therapie wesentlich zum Vorteil für die Patienten verändert haben, werden demnach über alle Länder hinweg mit einer Häufigkeit von unter 30% eingesetzt.

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Literatur:

(1) Onkopedia-Leitlinie Immunthrombozytopenie. Stand August 2019. https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/immunthrombozytopenie-itp/@@view/html/index.html. Letzter Aufruf: 04.12.2019
(2) Bussel JB et al. ASH 2019, Abstract 1097.


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