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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. Dezember 2020 Herausforderungen der Arzt-Patienten-Kommunikation

Es kommt häufig vor, dass Ärzte nicht bemerken, dass ein Patient sie nicht versteht, da sie einen anderen Sprachgebrauch gewohnt sind. Dadurch kommt es des Öfteren zu Missverständnissen, wie sie Prof. Dr. Axel Matzdorff, Schwedt/Oder, an einem fiktiven Beispiel eines Patienten mit Immunthrombozytopenie (ITP) veranschaulichte.
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Die ITP ist eine seltene Erkrankung des körpereigenen Immunsystems, gekennzeichnet durch einen Thrombozytenmangel. Ein typisches erstes Symptom sind plötzlich auftretende blaue Flecken auf der Haut, wie bei dem Patienten­beispiel, an dem Matzdorff einen typischen Krankheitsverlauf schilderte:

Wegen der blauen Flecken steht bereits zu Beginn die Angst im Raum, an Leukämie erkrankt zu sein. Der Hausarzt führt eine Blutuntersuchung durch, ist alarmiert wegen der niedrigen Thrombozytenwerte, beruhigt den Patienten aber mit den Worten, es sei sicher nichts Ernstes, er solle sich keine Sorgen machen. Gleichzeitig gibt er ihm eine Überweisung in die Notaufnahme mit dem Vermerk „Verdacht auf AML“. In der Notaufnahme fällt wieder das Wort „Leukämie“. Der Stationsarzt verkündet schließlich, er habe eine schwere ITP mit einem Thrombozytenwert unter 5.000, das müsse gleich mit Steroiden behandelt werden. Er verabschiedet sich mit den Worten „Machen Sie sich keine Sorgen, das kriegen wir in Griff.“ Als die Frau des Patienten ihn später besucht und fragt, was denn die Ärzte gesagt hätten, weiß er nur noch, dass er sich keine Sorgen machen soll.

„Die Erfahrung zeigt, dass ein Patient nicht mehr als 4 Dinge aus einem Gespräch mitnimmt und die Hälfte der Informationen zuhause schon wieder vergessen hat“, sagte Matzdorff. Das Thema Patientenkommunikation werde im Studium leider nicht gelehrt. Seminare an Unikliniken oder während Kongressen würden jedoch sehr gut angenommen und insbesondere den jüngeren Ärzten bescheinigte Matzdorff eine hohe Bereitschaft, ihr Kommunikationsverhalten zu verbessern.

Die ITP-Patienten Frau Arnold, Leiterin der ITP-Selbsthilfegruppe in Gießen, und Herr Grieser, die zur Diskus­sionsrunde eingeladen waren, hatten beide das Glück, dass die Diagnose ITP sehr zügig gestellt wurde. Doch häufig vergingen Wochen bis Monate bis zur Dia­gnosestellung, berichtete Matzdorff. Als wichtig für die Zukunft erachten die Patientenvertreter standardisierte Informationshilfen für ITP-Patienten, da die Erstdiagnose immer zu Ängsten führt. In Deutschland gibt es kein ITP-Zentrum, da die Krankheit so selten ist. Doch alle in der Onkopedia ITP-Leitlinie genannten Autoren könnten bei Fragen angesprochen werden, versicherte Matzdorff abschließend.

Dr. rer. nat. Anita Schweiger

Quelle: Virtuelle Presseveranstaltung „Was sagt der Arzt – was hört der Patient?“, 02.11.2020; Veranstalter: Novartis


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