Mittwoch, 12. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Imfinzi NSCLC
Imfinzi NSCLC
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
11. Februar 2021

HCC: Updates zu Immuntherapien in Erst- und Zweitlinie

In der Phase-III-Studie IMbrave150 wurde die Kombination des PD-L1-Inhibitors Atezolizumab mit dem Anti-VEGFR-Antikörper Bevacizumab für die Therapie nicht vorbehandelter Patienten mit nicht resezierbarem Leberzellkarzinom (HCC) untersucht. Die Studie erreichte in der Primäranalyse den primären Endpunkt, eine im Vergleich mit Sorafenib signifikante Reduktion des Risikos zu versterben um 42% (HR=0,58; 95%-KI: 0,42-0,79; p<0,001) und der Tumorprogression um 41% (HR=0,59; 95%-KI: 0,47-0,76; p<0,001) (1). Wegen der überlegenen Ergebnisse wurde die Rekrutierung in die Studie gestoppt. Der Median für das Gesamtüberleben (OS) war – nach einem medianen Follow-up von 8,6 Monaten – im Kombinationsarm noch nicht erreicht und betrug unter Sorafenib 13,2 Monate. Beim ASCO-GI 2021 wurden aktualisierte Ergebnisse mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 15,6 Monaten präsentiert (2).
Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
 
In der IMbrave150-Studie erhielten 501 HCC-Patienten mit lokal fortgeschrittener oder metastasierter und/oder nicht resektabler Erkrankung ohne vorangegangene systemische Therapie 2:1 randomisiert Atezolizumab (1.200 mg, q3w) + Bevacizumab (15 mg/kg, q3w) oder Sorafenib (400 mg, 2x tägl.) bis zum Verlust eines klinischen Nutzens oder zu inakzeptabler Toxizität. In der aktualisierten Auswertung wurde die Überlegenheit von Atezolizumab + Bevacizumab gegenüber Sorafenib bestätigt. Die Kaplan-Maier-Kurven zum OS separieren sich früh und bleiben mit Raten von 85% vs. 72% nach 6 Monaten, 67% vs. 56% nach 12 Monaten und 52% vs. 40% nach 18 Monaten konsistent getrennt. Der Median für das OS war nun auch im Kombinationsarm erreicht und betrug median 19,2 vs. 13,4 Monate (HR=0,66; 95%-KI: 0,52-0,85; p=0,0009). Bezüglich der aktualisierten Ergebnisse zum progressionsfreien Überleben (PFS) waren 55% vs. 38% der Patienten nach 6 Monaten, 35% vs. 21% nach 12 Monaten und 24% vs. 12% nach 18 Monaten ohne Progress (HR=0,65; 95%-KI: 0,53-0,81; p=0,0001). Ein bestätigtes Ansprechen nach RECIST 1.1-Kriterien zeigten 30% vs. 11% und nach HCC-mRECIST-Kriterien 35% vs. 14% der Patienten unter Atezolizumab + Bevacizumab bzw. unter Sorafenib. Die mediane Dauer des Ansprechens betrug 18,1 vs. 14,9 Monate nach RECIST-Kriterien sowie 16,3 vs. 12,6 Monate nach HCC-mRECIST-Kriterien.

Pembrolizumab in der Secondline

Für die Zweitlinientherapie des HCC wurden beim ASCO-GI aktualisierte Ergebnisse der Phase-III-Studie KEYNOTE-240, die Pembrolizumab nach Sorafenib-Versagen gegen Placebo untersuchte, präsentiert (3). In der im Journal of Clinical Oncology veröffentlichten finalen Analyse wurde laut präspezifiziertem Ziel kein signifikanter Vorteil bezüglich des OS (Median: 13,9 vs. 10,6 Monate; HR=0,781; 95%-KI: 0,611-0,998) und des PFS (Median: 3,0 vs. 2,8 Monate; HR=0,775; 95%-KI: 0,609-0,987) beobachtet (4). Mit einer längeren Nachbeobachtungszeit von 40 Monaten, also zusätzlichen 18 Monaten seit der finalen Analyse, wurde der numerische OS-Unterschied zu Placebo bestätigt.

In der KEYNOTE-240-Studie erhielten insgesamt 413 Patienten mit bestätigtem HCC 2:1-randomisiert bis zu 35 Zyklen Pembrolizumab (200 mg, q3w) oder Placebo. Mit einer Hazard Ratio von 0,77 (95%-KI: 0,62-0,96; p=0,0112) wurde eine 24-Monats-OS-Rate von 28,8% vs. 20,4% und eine 36-Monats-OS-Rate von 17,7% vs. 11,7% beobachtet. Auch bezüglich des PFS erwies sich die numerische Überlegenheit mit einer Risikoreduktion um 30% als konsistent (HR=0,70; 95%-KI: 0,56-0,89; p=0,0011). Nach 24 Monaten waren 11,8% vs. 4,8% und nach 36 Monaten 9,0% vs. 0% der Patienten ohne Progress. Es sprachen 18,3% vs. 4,4% der Patienten auf die Studienmedikation an. Die Zeit bis zum Ansprechen betrug median 2,7 vs. 2,9 Monate, die Dauer des Ansprechens (DoR) median 13,9 (Spanne 1,5+ bis 41,9+) vs. 15,2 (Spanne: 2,8-21,9) Monate. Bei 53,7% (n=23) vs. 50,0% (n=2) der Patienten mit einem Ansprechen hielt dieses ≥ 12 Monate an. Mit der verlängerten Nachbeob­achtungszeit wurden keine neuen, unerwarteten oder immunvermittelten Nebenwirkungen festgestellt.

Nivolumab + Ipilimumab nach Sorafenib-Versagen

Ebenfalls in der 2. Therapielinie nach Sorafenib-Versagen untersuchte die 3-armige, offene, multizentrische Phase-I/II-Studie CheckMate-040 Nivolumab + Ipilimumab in 3 verschiedenen Dosiskombinationen bei insgesamt 148 HCC-Patienten (5). Beim ASCO-GI wurden Ergebnisse mit einer Nachbeobachtungszeit von minimal 44 Monaten und median 46,5 Monaten präsentiert (6).

In Arm A und B erhielten die Patienten jeweils 4 Zyklen Nivolumab (A: 1 mg/kg; B: 3 mg/kg; q3w) + Ipilimumab (A: 3 mg/kg; B: 1 mg/kg; q3w) gefolgt von 240 mg Nivolumab (q2w) bis Tumorprogress vs. in Arm C alle 2 Wochen 3 mg/kg Nivolumab (3 mg/kg, q2w) + alle 6 Wochen 1 mg/kg Ipilimumab (1 mg/kg, q6w) bis Tumorprogress. Primäre Studienendpunkte waren die Sicherheit sowie das Ansprechen und die DoR. Die Patienten wurden über einen Zeitraum von median 2,3-5,1 und einer Spanne von 0-52 Monaten mit einem der Nivolumab-Ipilimumab-Regime behandelt. 31-32% der Patienten in den 3 Studienarmen erreichten ein Ansprechen, mit kompletten Remissionen (CR) bei 8% (Arm A), 6% (Arm B) und 2% (Arm C). Die Zeit bis zum Ansprechen betrug 2,0-2,7 Monate und die DoR 17,5 (Arm A) vs. 22,2 (Arm B) vs. 16,6 (Arm C) Monate. Eine Kontrolle der Erkrankung wurde bei 54%, 43% und 49% der Patienten in den 3 Studienarmen erreicht, mit einer medianen Dauer von 16,6, 16,5 und 11,5 Monaten. Das mediane OS betrug 22,2 vs. 12,5 vs. 12,7 Monate mit 36-Monats-OS-Raten von 42%, 26% bzw. 30%.

Netzwerk-Metaanalyse vergleicht HCC-Therapieoptionen

Da es in der Behandlung des fortgeschrittenen HCC für die neueren Substanzen keine vergleichenden Head-to-head-Studien gibt, wurden in einer indirekten Netzwerk-Metaanalyse diverse Erst- und Zweitlinientherapien gegenübergestellt (7). Für die 1. Therapielinie wurde das OS und für die 2. Therapielinie das PFS, aufgrund unausgewogener Reife der Studien, als vergleichender Endpunkt untersucht. In der Recherche wurden 24 den Vorgaben entsprechende Studien identifiziert, 13 in der 1. und 11 in der 2. Therapielinie.

In der Erstlinientherapie wurden nahezu alle Substanzen gegen Sorafenib verglichen. Atezolizumab + Bevacizumab sowie Donafenib waren mit einem überlegenen OS im Vergleich zu Sorafenib assoziiert. Numerisch zeigte Atezolizumab + Bevacizumab einen deutlichen Unterschied zu anderen Substanzen. Bezüglich des Ansprechens zeigten verschiedene Substanzen, darunter Lenvatinib, Atezolizumab + Bevacizumab und Nivolumab eine Überlegenheit gegenüber Sorafenib. Insgesamt waren Atezolizumab + Bevacizumab bezüglich des OS und Lenvatinib bezüglich des Ansprechens die überlegenen Therapien.

In der Zweitliniensituation wurden alle Substanzen gegen Placebo ver­glichen. Trotz überschneidenden Hazard Ratios für das PFS wurde für Cabozantinib die numerisch beste HR festgestellt, nah gefolgt von Regorafenib. Bezüglich des Ansprechens wurde wieder für diverse Substanzen eine Verbesserung gegenüber Placebo festgestellt, Cabozantinib erreichte hier die überlegenste Odds Ratio. Beachtet werden sollte, dass die CheckMate-040-Studie nicht in die Analyse eingeschlossen war, da kein Kontrollarm vorlag.

Die Autoren schlussfolgerten, dass in der 1. Therapielinie Atezolizumab + Bevacizumab bezüglich des OS die besten Ergebnisse vorweist und Lenvatinib bezüglich der Ansprechrate zu bevorzugen ist. In der 2. Therapielinie erwies sich Cabozantinib als überlegen bezüglich des PFS und der Ansprechrate. Dabei betonten die Autoren, dass alle Limitationen einer Netzwerk-Metaanalyse bei der Beurteilung dieser Ergebnisse zu beachten seien.

Dr. rer. nat. Ine Schmale

Quelle: ASCO-GI 2021

Literatur:

(1) Finn RS et al. N Engl J Med 2020;382:1894-1905.
(2) Finn RS et al. ASCO-GI 2021, Abstr. 267.
(3) Merle P et al. ASCO-GI 2021, Abstr. 268.
(4) Finn RS et al. J Clin Oncol 2020;38:193-202.
(5) Yau T et al. JAMA Oncol 2020;6:e204564.
(6) El-Khoueiry AB et al. ASCO-GI 2021, Abstr. 269.
(7) Park R et al. ASCO-GI 2021, Abstr. 293.


Anzeige:
Tukysa
Tukysa
 
Das könnte Sie auch interessieren
Kombination von Wirkstoffen könnte Heilungschancen bei Eierstockkrebs verbessern
Kombination+von+Wirkstoffen+k%C3%B6nnte+Heilungschancen+bei+Eierstockkrebs+verbessern
© Uniklinikum Dresden/Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Innovative zielgerichtete Wirkstoffe, so genannte PARP-Inhibitoren, können die Prognose bei Eierstockkrebs deutlich verbessern. Dies gilt vor allem für Patientinnen, deren Tumoren bestimmte genetische Voraussetzungen aufweisen. Ein Forscherteam unter Leitung von WissenschaftlerInnen der Hochschulmedizin Dresden und am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) konnte nun in Laborexperimenten zeigen, dass die...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"HCC: Updates zu Immuntherapien in Erst- und Zweitlinie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.