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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

14. November 2020 Frühes HR+/HER2+ Mammakarzinom: Erweiterte adjuvante Therapie mit Neratinib senkt Rezidivrisiko

Das HER2-positive (HER2+) und gleichzeitig Hormonrezeptor-positive (HR+) Mammakarzinom stellt eine Subgruppe mit einer hohen Rezidivwahrscheinlichkeit dar, was mit einer schlechten Prognose für die betroffenen Patientinnen einhergeht. Seit Ende 2019 steht hier der HER2-gerichtete Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) Neratinib (Nerlynx®) im Anschluss an eine adjuvante Trastuzumab-Therapie zur Verfügung. Der TKI konnte in der Phase-III-Studie ExteNET das Rezidivrisiko um 42% reduzieren (1-3). Als relevanteste unerwünschte Nebenwirkung unter der Behandlung trat Diarrhoe auf. Wie Prof. Dr. Diana Lüftner, Berlin, im Rahmen einer Online-Pressekonferenz erklärte, sei diese Nebenwirkung aber mit geeigneten Maßnahmen gut handhabbar.
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Diese „co-positiv“ oder „triple-positiv“ genannten Tumoren würden häufig eher schlecht auf neoadjuvante Therapien ansprechen, was sich in niedrigen Raten an pathologischen Komplettremissionen widerspiegle, erklärte Lüftner. Da beim Auftreten von Rezidiven eine Heilung meist nicht mehr möglich sei, wäre es besonders wichtig, das nach Abschluss der Primärtherapie des frühen Mammakarzinoms verbliebene Rezidivrisiko so weit wie möglich zu reduzieren.
Extendierte Adjuvanz mit Neratinib
Wie Lüftner weiter ausführte, basiere diese Senkung des Rückfallrisikos auf einem Wechsel des Wirkprinzips. Während die Antikörper Trastuzumab, Pertuzumab sowie Trastuzumab-Emtansin alle an extrazellulären Domänen des HER2-Rezeptors binden, blockiert der TKI Neratinib irreversibel die intrazellulären Domänen von HER1, HER2 und HER4. Die Onkologin erläuterte die neue Therapiesequenz, die sich daraus in dieser Situation ergeben würde: „Die adjuvante Therapie beim frühen HER2+/HR+Mammakarzinom setzt sich zusammen aus einer Trastuzumab-basierten Therapie für ein Jahr, und im Anschluss daran wird – nach maximal einem Jahr therapiefreien Intervalls – wiederum für ein Jahr eine sog. extendierte Adjuvanz mit Neratinib durchgeführt.“
Wirksamkeit von Neratinib in ExteNET-Studie nachgewiesen
Grundlage für diese Therapieempfehlung lieferte die ExteNET-Studie, eine multizentrische, ranodmisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Phase-III-Studie. Der primäre Endpunkt der Studie war das iDFS, definiert als die Zeit ab Randomisierung bis zu einem invasiven lokalen oder regionären Rezidiv, Auftreten von Metastasen oder Tod. Das iDFS war in der Studie signifikant verlängert worden (1-3). Das Rezidivrisiko war durch die extendierte adjuvante Therapie mit Neratinib im Vergleich zu Placebo um 42% (nach 5 Jahren Nachbeobachtungszeit) gesenkt worden (3).
Nebenwirkungen
An unerwünschten Ereignissen stand vor allem die Diarrhoe im Vordergrund, sie trat bei 95% der Patientinnen auf (≥ 20%; alle Schweregrade). Darüber hinaus kam es bei 44% der Patientinnen zu Übelkeit, bei 29% zu Fatigue, bei 26% zu Erbrechen und bei 24% zu Abdominalschmerzen. Unter einer schwerwiegenden Diarrhoe (Grad 3) litten 39% der Patientinnen unter Neratinib-Therapie, eine Diarrhoe von Grad 4 war nicht beobachtet worden (3). Die Diarrhoe trat aber eher zu Beginn der Therapie auf. Mit einer systematischen Loperamid-Gabe ließe sich die Diarrhoe aber gut beherrschen, so Lüftner.

Ihr abschließendes Fazit: „Neratinib stellt einen neuen, zielgerichteten Therapieansatz beim frühen HER2+/HR+ Mammakarzinom dar, der das Rezidivrisiko der Patientinnen senkt und dabei gut verträglich ist.“

(sk)

Quelle: Online-Pressebrunch anl. des DGHO „Focus on the target – zielgerichtete Therapieansätze in der Onkologie“, 14.10.2020; Veranstalter: Pierre Fabre

Literatur:

(1) Chan A et al. Lancet Oncol 2016;17(3):367-77.
(2) Martin M et al. Lancet Oncol 2017;18(12): 1688-700.
(3) Chan A et al. Clin Breast Cancer 2020; epub ahead of print. doi:https://doi.org/10.1016/j.clbc.2020.09.014.


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