Dienstag, 9. März 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Piqray
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. Juli 2020
Seite 1/4
Fokale Therapie des Prostatakarzinoms

J. Reiß, B. Rosenhammer, W. Otto, M. Burger, J. Bründl Klinik für Urologie der Universität Regensburg, Caritas-Krankenhaus St. Josef, Regensburg.

Die zunehmende Akzeptanz und Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen führt beim Prostatakarzinom zu einer häufigeren Diagnose in frühen Tumorstadien mit uni- oder oligofokaler Ausbreitung. Um eine mögliche Übertherapie durch die etablierten Therapieverfahren (radikale Prostatektomie sowie Radiotherapie) und die damit assoziierten Nebenwirkungen und Folgeschäden zu umgehen, findet sich eine zunehmende Bandbreite an fokalen Therapieverfahren. Insbesondere die Anwendung des hochintensiven fokussierten Ultraschalls (HIFU) und der Kryotherapie des Prostatakarzinoms wird bei passender Indikation zunehmend diskutiert. Beide Verfahren finden in der aktuellen EAU-Leitlinie Erwähnung und sollen im Rahmen klinischer Studien weiterhin angewandt und untersucht werden. Zum adäquaten Einsatz fokaler Therapieverfahren ist eine strikte Indikationsprüfung unumgänglich.
Anzeige:
Adakveo
Adakveo
 

Indikation und Nachsorge

 
Die möglichst exakte Diagnostik zur Identifikation der Tumorherde und Planung der Therapie ist unabdingbare Grundvoraussetzung für die korrekte Anwendung der Verfahren. Die multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT) hat sich in Kombination mit dem transrektalen Ultraschall (TRUS) weitestgehend als Standard in der primären Bildgebung etabliert (1, 2). Dabei stellt die Kombination aus MRT-gezielter sowie systematischer Prostatastanzbiopsie inzwischen flächendeckend den Goldstandard der weiterführenden histopathologischen Abklärung dar.
 
Abhängig von der Lokalisation sowie der Ausdehnung bzw. Verteilung der Karzinombefunde kommen hochfokale Ablationen ebenso zum Einsatz wie Behandlungen einer Drüsenhemisphäre bis hin zur subtotalen Ablation der Prostata.
 
Patienten mit Prostatakarzinomen der Low-risk-Konstellation nach d’Amico sowie Patienten mit früh-intermediären Tumoren (Gleason 7a) erscheinen nach aktuellem Kenntnisstand am besten zur Anwendung einer fokalen Therapie geeignet (3). Diese fungiert dabei entweder als Ersatz der Active Surveillance oder der radikalen Prostatektomie (RPE) bzw. Radiatio der Prostata.
 
Der Einsatz in früh-intermediären Tumorstadien nimmt dabei aktuell zu, fokale Therapieverfahren können jedoch anhand der nach wie vor lückenhaften Evidenzlage weiterhin nicht generell für Patienten mit hoch-intermediärem oder hohem Risiko empfohlen werden (4).
 
Neben der umfassenden prätherapeutischen Abklärung ist eine konsequente, in Form von Studien organisierte Nachsorge essenziell. Hierzu sollten Verlaufskontrollen mittels mpMRT der Prostata und Fusionsbiopsien inklusive Biopsie des behandelten Drüsenareals implementiert werden. Auch das funktionelle Outcome mit Erfassung der Miktions- und Sexualfunktion sowie die Health-related Quality of Life (HRQoL) müssen neben onkologischen Verlaufsparametern langfristig erfasst werden, um eine adäquate Beurteilung des Nebenwirkungsprofils zu ermöglichen.
 
Abb. 1: mpMRT der Prostata (T2, transversal) vor (A) und 1 Jahr nach HIFU-Hemiablation der rechten Prostata-Hemisphäre (B).
Lupe
mpMRT der Prostata vor und 1 Jahr nach HIFU-Hemiablation
 
Vorherige Seite

Anzeige:
Digital Gesamt 2021

Das könnte Sie auch interessieren

Vom Telemedizin-Netzwerk bis zur Ersthelfer-App: Medizintrends mit Zukunft

Die Deutschen werden immer älter. Chronische Leiden wie Demenz oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen künftig das Gesundheitssystem auf die Probe. Medizinforscher und Gesundheitsexperten aller Branchen arbeiten längst unter Hochdruck an neuen Lösungen für die Gesundheitsversorgung von morgen. In die Karten spielen ihnen dabei die Digitalisierung und der Trend zur Vernetzung im Gesundheitswesen. Das zeigt auch der Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der...

Mit neuer Website „psyche-hilft-koerper.de“ finden Krebspatienten schnell und einfach psychoonkologische Hilfe

Mit neuer Website „psyche-hilft-koerper.de“ finden Krebspatienten schnell und einfach psychoonkologische Hilfe
© www.psyche-hilft-koerper.de

Die Website „psyche-hilft-koerper.de“ ermöglicht es, über eine Postleitzahl-Suche Psychoonkologen in der Region, in der man lebt, zu finden. Eine psychoonkologische Betreuung unterstützt Patienten u. a. dabei, ihre Krebserkrankung zu verarbeiten, das seelische Befinden zu verbessern sowie körperliche Ressourcen zu stärken (1). Novartis Oncology hat sich nicht nur der Entwicklung innovativer Arzneimittel verpflichtet, sondern möchte durch Initiativen...

Brustkrebsmonat: Antihormonelle Therapie mit Nebenwirkungen

Brustkrebsmonat: Antihormonelle Therapie mit Nebenwirkungen
© LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com

Etwa zwei Drittel aller bösartigen Brusttumore wachsen hormonabhängig. Weibliche Hormone wie das Östrogen lösen in den Tumorzellen einen Wachstumsreiz aus. Um das zu verhindern und das Rückfallrisiko zu senken, erhalten viele Brustkrebspatientinnen nach einer Operation zur Entfernung des Tumors über mehrere Jahre eine antihormonelle Therapie. Experten stufen die Begleiterscheinungen der Therapie zwar als weniger gravierend als bei einer Chemotherapie ein, viele...

Was hilft Kindern mit Krebs und deren Eltern?

Was hilft Kindern mit Krebs und deren Eltern?
© Frantab / Fotolia.com

Wenn ein Kind an Krebs erkrankt, verändert sich in einem Augenblick das gesamte Leben der Familie – Gefühle, Gedanken, der Alltag. Für die Eltern krebskranker Kinder ist es eine große Belastung, sich in der neuen Lebenssituation mit den Unsicherheiten und Verlustängsten zurechtzufinden. In dieser schwierigen Situation gibt es viele unterstützende Angebote. Das ONKO-Internetportal stellte in seinem Monatsthema eine Auswahl davon vor.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Fokale Therapie des Prostatakarzinoms"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.