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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
26. April 2021
Seite 1/4

Fokale Therapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms

P. Faraj Tabrizi, I. Peters, Klinik für Urologie und Urologische Onkologie, Medizinische Hochschule Hannover.
Das Prostatakarzinom (PCa) ist die häufigste maligne Tumorerkrankung und die zweithäufigste Krebstodesursache des Mannes in Deutschland (1-3). Bei Patienten mit niedrigem bis mittlerem Risikoprofil nach den D’Amico-Kriterien stehen bislang folgende leitliniengerechte Therapieoptionen zur Verfügung: aktive Überwachung (AS, nur bei niedrigem Risikoprofil), radikale Prostatektomie sowie die perkutane Strahlentherapie (3, 4). Die Lücke, die zwischen einer aktiven Überwachung und einer chirurgischen/interventionellen Therapieoption mit potenziell hohen Nebenwirkungen besteht, wurde in den vergangenen Jahren durch die Entwicklung einer Reihe innovativer, potenziell nebenwirkungsarmer fokaler Therapieverfahren zu überbrücken versucht. Trotz des großen Patientenwunsches nach derartigen fokalen Therapien zeigt die Realität eine nur begrenzte Einsatzmöglichkeit dieser Verfahren. Grundsätzlich ist dies sowohl fehlenden Empfehlungen innerhalb urologischer Leitlinien als auch der schlechten Kosten­deckung der meisten Therapieoptionen geschuldet (3, 5). In dieser Übersicht stellen wir einige Verfahren vor und diskutieren die Indikationskriterien im Kontext der aktuellen Literatur.
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Die Einführung der PSA (Prostataspezifisches Antigen)-Untersuchung als risikoadaptiertes Screening führte zu einem Inzidenzanstieg des lokal begrenzten PCa mit niedrig bis mittlerem Risikoprofil (6). Die Evidenz mehrerer randomisiert-kontrollierter Studien belegt, dass beim lokal begrenzten PCa unabhängig davon, ob sich der Patient zwischen einer radikalen Prostatektomie (RPE), einer AS oder perkutanen Strahlentherapie (EBRT) entscheidet, kein oder nur ein sehr geringer Unterschied nach einer mittleren Nachbeobachtung von 10 Jahren in Bezug auf Gesamt- und tumorspezifisches Überleben besteht. In Abhängigkeit von der gewählten Therapie sind jedoch die funktionellen Ergebnisse sehr unterschiedlich (7, 8).

Insbesondere die RPE sowie die EBRT sind mit potenziell Lebensqualität-einschränkenden Nebenwirkungen wie erektiler Dysfunktion (ED; 24 bis 90%), Harninkontinenz (2 bis 72%) und Rektumtoxizität (2 bis 15%) verbunden (9-11).

In den letzten Jahren haben sich sog. fokal-ablative Therapieverfahren entwickelt, die gerade jene erwähnten Probleme minimieren sollen. Jedoch sind bei fehlenden prospektiv randomisiert-kontrollierten Studien nur bedingt Aussagen über Unter- oder Überlegenheit einzelner Verfahren im Vergleich zum Goldstandard möglich. Nichtsdestotrotz gibt es bereits einige Studien, die die onkologische Wirksamkeit fokal-ablativer Verfahren belegen.

Grundsätzlich haben fokale Therapien stets das Ziel, Tumoren gezielt in einem Teilbereich des befallenen Organs und in gleicher Qualität zu einer radikalen Therapie zu behandeln, ohne dabei gesundes Nachbargewebe zu schädigen, um auf diese Weise therapieassoziierte Nebenwirkungen zu reduzieren (12-15).

Durch verbesserte bildgebende Verfahren, insbesondere die multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT) der Prostata, ist es möglich geworden, sog. Indexläsionen ausfindig zu machen. Neuere Studien konnten belegen, dass der Krankheitsverlauf beim PCa mutmaßlich von jener Indexläsion – also der Läsion mit der größten Entartung – abhängt. Ziel fokaler Therapieverfahren ist es, diese Läsion mit einem entsprechenden Sicherheitsabstand zu zerstören (16, 17). Je nach Ausdehnung der Läsion unterscheidet man zwischen ultrafokaler (Quadrantenablation), fokaler (Hemiablation) oder auch Ganzdrüsenbehandlung („whole gland“). Die Ablation kann mittels verschiedener thermischer oder nicht-thermischer Methoden erfolgen, auf die wir in der Folge im Einzelnen eingehen werden.
 
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