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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

26. Juni 2020
Seite 1/2
Experten aus Deutschland kommentieren ihre persönlichen ASCO-Highlights zur Gynäkologie

Im Rahmen des Onkologie VirtuOS Meetings wurden die aus Sicht namhafter Experten wichtigsten Präsentationen auf dem diesjährigen ASCO im Nachgang präsentiert und diskutiert. Den Themenbereich der Gynäkoonkologie moderierte Prof. Dr. Hans-Joachim Lück, Hannover. Die ausgewählten Abstracts werden im Folgenden zusammengefasst.
Mammakarzinom
Primärtherapie beim lokalen Mammakarzinom
Wie Lück betonte, waren im Bereich des primären Mammakarzinoms vor allem 2 Phase-III-Studien wichtig. Die erste der beiden ist die von Dr. Seema A. Khan vorgestellte ECOG-ACRIN-2108-Studie, in der untersucht worden war, ob bei neu diagnostizierten Mammakarzinom-Patientinnen im Stadium IV und mit intaktem Primärtumor eine lokoregionale Therapie (LRT) das Gesamtüberleben (OS) nach einer optimalen systemischen Therapie (OST) verbessert (1). Es zeigte sich, dass es weder im Hinblick auf die Rate des 3-Jahres-OS signifikante Unterschiede gab (68,4% OST + LRT vs. 67,9% OST (HR=1,09; 90%-KI: 0,80-1,49; p=0,63)), noch in Bezug auf das progressionsfreie Überleben (PFS; p=0,40). Die gesundheitsbezogene Lebensqualität (health related quality of life, HRQoL) war im OST + LRT-Arm 18 Monate nach der Randomisierung signifikant schlechter als im OST-Arm. Das Fazit von Khan war daher, dass eine frühe lokale Therapie die Überlebenschancen von Patientinnen mit de novo metastasiertem Mammakarzinom bei intaktem Primärtumor nicht verbessert. Obwohl das Risiko einer lokalen Krankheitsprogression ohne LRT 2,5-fach erhöht war, verbesserte die LRT des Primärtumors die HRQoL nicht.

Die zweite interessante Studie war die TRAIN-2-Studie, in der Patientinnen mit HER2-positivem (HER2+) Mammakarzinom unter dualer HER2-Blockade eine neoadjuvante Chemotherapie mit oder ohne Anthrazykline erhalten hatten (2). Die Patientinnen bekamen entweder 3 Zyklen 5-Fluorouracil, Epirubicin und Cyclophosphamid (FEC), gefolgt von 6 Zyklen Paclitaxel und Carboplatin (PC) oder 9 Zyklen Paclitaxel + Carboplatin (PC), jeweils in Kombination mit Trastuzumab (T) und Pertuzumab (Ptz). Eine erste Analyse hatte bereits in beiden Armen hohe Raten an komplettem Ansprechen gezeigt. Nach einem medianen Follow-up von 48,8 Monaten waren nun auch die Raten des ereignisfreien Überlebens (EFS) für beide Arme etwa gleich: 92,7% für FECT-PTC-Ptz und 93,6% unter PTC-Ptz. Und auch die OS-Raten unterschieden sich kaum: 97,7% für FECT-PTC-Ptz und 98,2% für PTC-Ptz. Die Erstautorin der Studie, Dr. Anna van der Voort, schlussfolgerte daraus, dass Anthrazykline die Wirksamkeit der neoadjuvanten Chemotherapie nicht verbessern, wohl aber mit einer klinisch relevanten Toxizität assoziiert sind. Somit könne ein Carboplatin/Taxan-basiertes Regime zusammen mit einer dualen HER2-Blockade bei allen Mammakarzinom-Patientinnen im Stadium II-III in Betracht gezogen werden.
Erstlinientherapie beim mTNBC
In der KEYNOTE-355-Studie wurden Patientinnen mit metastasiertem triple-negativen Mammakarzinom (mTNBC) 2:1 entweder zu Pembrolizumab + Chemotherapie oder Placebo + Chemotherapie randomisiert (3). Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von ca. 26 Monaten wurde das PFS unter der Chemoimmuntherapie bei Patientinnen mit einem combined positive score (CPS) ≥ 10 signifikant und klinisch relevant verbessert im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie: 9,7 Monate vs. 5,6 Monate (HR=0,65; p=0,0012). Auch bei Tumoren mit niedrigerer PD-L1-Expression (CPS ≥ 1) konnte eine Verlängerung des medianen PFS von 5,6 Monate auf 7,6 Monate beobachtet werden (HR=0,74; p=0,0014), wenn auch ohne statistische Signifikanz. Ebenso war das PFS in der Intention-to-treat-Population unter der Pembrolizumab-basierten Therapie verbessert (5,6 vs. 7,5 Monate; HR=0,82), aber auch hier nicht signifikant. Der PFS-Vorteil zugunsten der Chemoimmuntherapie war über alle vordefinierten Patientinnen-Subgruppen konsistent. Die Sicherheitsprofile stimmten in beiden Armen mit bereits aus früheren Studien bekannten überein.
HER2+ mBC
Vorbehandelte Patientinnen mit metastasiertem HER2+ Mammakarzinom (HER2+ mBC) wurden in der Phase-II-Studie HER2CLIMB in einer 2:1-Randomisierung entweder mit dem gegen HER2 gerichteten Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) Tucatinib zusätzlich zu Trastuzumab + Capecitabin oder aber Placebo + Trastuzumab + Capecitabin behandelt (4). Es zeigte sich, dass bei allen Patientinnen sowohl das PFS als auch das OS durch die zusätzliche Gabe des oralen TKIs signifikant verbessert werden konnten. Die auf dem ASCO 2020 von Dr. Nancy U. Lin vorgestellte Analyse der Studie zeigte nun, dass auch Patientinnen mit Hirnmetastasen profitieren. So wurde eine Reduktion des Risikos eines ZNS-PFS (definiert als Progress im Hirn oder Tod) um 68% im Tucatinib-Arm (HR=0,32; 95%-KI: 0,22-0,48; p<0,0001) beobachtet. Das mediane ZNS-PFS betrug 9,9 Monate im Verum-Arm vs. 4,2 Monate im Kontroll-Arm. Das Risiko zu versterben war insgesamt um 42% unter Tucatinib reduziert (OS: HR=0,58; 95%-KI: 0,40-0,85; p=0,005). Das mediane OS betrug 18,1 Monate (Tucatinib-Arm) vs. 12,0 Monate (Placebo-Arm). Das intrakranielle Gesamtansprechen (ORR-IC) war im Tucatinib-Arm höher mit 47,3% (95%-KI: 33,7-61,2) vs. 20,0% im Kontroll-Arm (95%-KI: 5,7-43,7). Die mediane Dauer des intrakraniellen Ansprechens betrug unter Tucatinib 6,8 Monate (95%-KI: 5,5-16,4) vs. 3,0 Monate unter Placebo (95%-KI: 3,0-10,3). Bei Patientinnen mit isolierter Hirnprogression, die die Studientherapie nach lokaler Behandlung fortsetzten, war das Risiko einer zweiten Progression oder von Tod um 67% reduziert (HR=0,33; 95%-KI: 0,11-1,02) und das mediane PFS seit Randomisierung lag bei 15,9 Monaten vs. 9,7 Monaten zu Gunsten des Tucatinib-Arms. Lin resümierte, dass Tucatinib in Kombination mit Trastuzumab und Capecitabin bei diesen z.T. stark vorbehandelten Patientinnen mit vorliegenden Hirnmetastasen die ORR-IC verdoppelte und das Risiko einer IC-Progression oder Tod um zwei Drittel sowie das Risiko zu versterben um fast die Hälfte reduzierte. Prof. Dr. Volkmar Müller, Hamburg, kommentierte, „dass dies wohl nach erfolgter Zulassung auch in Deutschland ein neuer Behandlungsstandard für die Drittlinie sein wird.“
 
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