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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
31. Mai 2017

Ernähren, ohne zu schaden

In einer akuten Krankheitsphase kommt es zu adaptiven Mechanismen wie Stresshyperglykämie oder Appetitverlust, die eine krankheitsabhängige Kachexie begünstigen können. Ernährungsmaßnahmen müssen aber mit Bedacht erfolgen.
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So führte in einer randomisierten Studie die frühe parenterale Ernährung bei 2.312 kritisch kranken Erwachsenen zu einer höheren Mortalität und mehr Infektionen sowie einem längeren Krankenhausaufenthalt als bei 2.328 Patienten, bei denen nicht vor Tag 8 mit einer parenteralen Ernährung begonnen wurde (1). Prof. Dr. Philipp Schütz, Basel, geht davon aus, dass der krankheitsabhängige Appetitverlust einen schützenden Effekt hat und Teil einer Reaktion des Körpers zur Verbesserung der Krankheitsbewältigung ist. Außerhalb der Intensivversorgung gibt es noch keine Studien, auch nicht zu multimorbiden internistischen Patienten, die einen bedeutenden Teil der Patienten mit Mangelernährung in den Kliniken ausmachen. Außerdem bedauerte Schütz, dass sich die Empfehlungen verschiedener Leitlinien der einzelnen Fachgruppen, so es sie gibt, auch noch widersprechen. „Das ist auch vor Patienten nicht glaubwürdig“, beklagte er.

Dass bei multimorbiden internistischen Patienten die Frage der Mangelernährung eine große Rolle spielt, zeigte eine Auswertung aus dem Kantonsspital Aarau, wo mit steigendem Ernährungsrisiko, ermittelt nach dem Nutritional Risk Score (NRS), die 30-Tage-Mortalitätsrate anstieg (2). Letztlich sei aber nicht klar, ob die schwer kranken Patienten wegen einer Mangelernährung eher verstarben oder andere Faktoren eine Rolle spielten, betonte Schütz.

Großangelegte Studie läuft

Die EFFORT-Studie („Effect of Early Nutritional Therapy on Frailty, Functional Outcome and Recovery of Undernourished Medical Inpatients“) soll mehr Licht in diese Frage bringen (3). Patienten werden anhand einer Kombination von Ernährungs-Risiko-Tools, der Vitamin-, Spuren­element- und Proteinversorgung sowie metabolischen Problemen, z.B. einer Schilddrüsenfunktionsstörung oder Hyperglykämie eingestuft. Gründe für eine Mangelernährung (Appetitverlust, beeinträchtigte Organfunktion oder auch soziale Ursachen) werden ebenfalls erhoben. An der Studie teilnehmen können alle Patienten mit einem NRS-Wert von 3 und mehr (mittleres bis hohes Risiko).

Für alle Studienteilnehmer gilt: Wenn der Magen-Darm-Trakt arbeitet, soll die Ernährung möglichst enteral erfolgen. Randomisiert isst die eine Hälfte der Patienten die Standard-Krankenhausernährung, soweit sie möchte. Für die andere Hälfte legen die Behandler unter Berücksichtigung individueller Bedingungen, wie z.B. einem Kurzdarmsyndrom oder persönlichen Präferenzen, eine Ernährungstherapie fest und definieren Ziele, die an den verschiedenen Studienzentren immer einem gemeinsamen Algorithmus folgen. Bei allen Patienten ist eine tägliche Überprüfung der Zielerreichung vorgesehen, um gegebenenfalls eine Anpassung der Ernährung vorzunehmen. Die Auswertung erfolgt verblindet nach 90 und 180 Tagen.

Bis Anfang April wurden bereits 1.900 Patienten eingeschlossen, Ende des Jahres soll die Rekrutierung abgeschlossen werden. Der Studie angeschlossen ist eine Biobank, die auch genetische Analysen und Biomarker-auswertungen ermöglichen soll. Zudem erhofft sich Schütz auch tiefere Einblicke in pathophysiologische Prozesse der Malnutrition bei Multimorbidität.

Friederike Klein

Quelle: Workshop 7: Ernährung und Bewegung bei aktiver Tumortherapie. 5. ASORS-Jahreskongress, 01.04.2017, München

Literatur:

1. Casaer MP et al. N Engl J Med 2011;365:506.
2. Felder S et al. Nutrition 2015; 31:1385-93.
3. ClinicalTrials.gov Identifier: NCT02517476.


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